| AFG-Wochenende: Cover 25. Juli 2008Zum wohlverdienten und prima gewünschten Wochenende kann man sich etwas Lektüre zum Thema Afghanistan einpacken, die u.E. lohnenswert ist: - Thom Shanker, “New YorkTimes”, hat sich des brisanten Themas U.S.-Luftangriffe in AFG angenommen und tatsächlich bei den Verantwortlichen recherchiert:
http://www.nytimes.com/2008/07/23/world/asia/23military.html?_r=1&scp=2&sq=Thom %20Shanker&st=cse&oref=slogin Die “International Herald Tribune” hat Thomas Schweich, 2 Jahre oberster Drogenbekämpfer der U.S.-Regierung in
Kabul, 7 Seiten eingeräumt, um ein vernichtendes Urteil über die Regierung Karzai zu begründen (Danke, Jens!): http://www.iht.com/articles/2008/07/24/news/27afghant.php Wie es bei Talibans hinter den Kulissen hergeht, beschreibt Syed Saleem Shahzad in der “Asia Times”: http://www.atimes.com/atimes/South_Asia/JG23Df01.html Die sehr renommierte “International Crisis Group” hat eine 47-seitige Studie zum Thema Taliban-Propaganda ins Netz gestellt, die ganz sauber aussieht: http://www.crisisgroup.org/home/index.cfm?id=5589&l=1 Als Workoholic kann man doch gar nicht länger als 10 min. flach auf der Liege hängen! {Texte mit Zeitschriften-Cover einbinden - Liege in Lese-Position - kühles Bier} Afghanistan-Lektion: ökonomisch 17. Juli 2008Nach stundemlangen Surfen haben wir etwas gefunden, was u.E. der Befassung wert ist: Anton Minkov und Gregory Smolynec haben für das “Defence R&D Canada” im Herbst 2007 Studien über die Lektionen aus der sowjetischen Militärintervention in Afghanistan in der Zeit von 1979 bis 1989 verfasst, die reichhaltigen Stoff für
Nachdenklichkeit bieten:
http://pubs.drdc-rddc.gc.ca/BASIS/pcandid/www/engpub/SDF?FORM_OB=Repdate&FORM_SO= Descend&KEYWORDS=afghanistan (2. und 4. Titel abladen!).Militärisch verloren wurde der Krieg nicht; er kostete 15.000 sowjetische
Soldaten das Leben - und 1 - 1,3 Millionen Afghanen. Die trivial klingende Erkenntnis von Minkov und Smolynec ist: er wurde ökonomisch verloren. Anhand der aufgeführten Daten müssten nun die Strategen von der ökonomischen Front nachrechnen, ob sich die Geschichte wiederholen wird. Verblüffend war für uns z.B. der Hinweis der Verfasser auf die Bedeutung der Gasvorkommen für die Staatseinkünfte Afghanistans in den 80iger Jahren: 1982 deckten sie 47 %! Was ist mit der afghanischen
Gasindustrie heute?? Natürlich enthalten die Minkov/Smolynec-Ausführungen auch militärische Forderungen, die von ISAF nicht erfüllt werden. Wenn aber die Ökonomen in ihrer “Kriegführung” versagen, wirft dies eine völlig neue Lage in der allgemeinen politischen Diskussion auf; die Militärs sind völlig aus dem Spiel! Ob das hierzulande oder bei NATO verkraftet wird?
{Sun Tsu sagt: Soldaten verlieren Kriege nie - eher sich selbst} AFG-SITREPs: Transparenz 10. Juli 2008Was soll man sagen, wenn man den Artikel “Taliban conflict ‘cannot be won’ in Afghanistan” von Sally Neighbour im “The Australian” gelesen hat?:
http://www.theaustralian.news.com.au/story/0,25197,23996698-2702,00.html Zitiert wird ein vormaliger, “eingeschworener” Feind der Taliban (Ahmad Shah Amadzai), der nun überzeugt ist, dass ein Taliban-Regime “much better than the current regime” ist, weil es Sicherheit (!) gewährleisten würde.
Ist das Neighbour-Bild repräsentativ? Wer sich nicht abhalten lassen will, “Feindpropaganda” zu lesen, sollte sich anschauen, was die U.S.-Regierung zur Situation in AFG dem Parlament berichtet: - Zur allgemeinen Entwicklung:
http://www.globalsecurity.org/military/library/report/2008/afghan-security-stability_080 6.pdf (siehe vor allem S. 12, “Kinetic Activity by Province”, Helmand!) Zum Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte:
http://www.globalsecurity.org/military/library/report/2008/ansf-sustaining-plan_0806.pd f Unsereins hat in letzter Zeit vermehrt über das Phänomen Transparenz
nachgedacht; es mutiert immer mehr zu einem der wichtigsten Prinzipien. Je geheimer jemand operieren darf, desto grösser ist die Verführung zu Betrug und Machtmissbrauch oder schlichter Schlamperei etc. Je mehr man zur faktenbasierten Offenlegung gezwungen ist, desto wirkungsvoller kann Korrektur erfolgen. Nur detaillierte (und “ehrliche”) Lage-Transparenz kann sinnstiftende Diskussionen und letztlich Gefolgschaft erzeugen. Auf die deutsche AFG-Debatte übertragen hiesse das:
- Ohne eine faktengetreue und marketing-freie Darstellung wird die Bundesregierung (oder die Parteien) den Stammtisch-Trend nicht umkehren können;
- Führung ohne wirkliche Transparenz kann in “modernen” Gesellschaften letztlich keine Gefolgschaft erzeugen.
Sorry, wenn wir wieder den doktrinären Ausrutscher haben (man gönnt sich doch sonst nichts!).
{Schreib mir doch die ultimative Strategie für den Meinungskrieg!} SITREP AFG Sicherheitskräfte: düster 20. Juni 2008In gewohnt hervorragender Art berichtet der U.S.-Bundesrechnungshof (GAO) über die Lage der afghanischen Sicherheitskräfte (ANSF = Armee, ANA und Polizei, ANP); diesen SITuation REPort muss
man sich ansehen:
http://www.gao.gov/new.items/d08661.pdf und die Erklärung von C. M. Johnson http://www.gao.gov/new.items/d08883t.pdf
In 2005 hatte das GAO das U.S.-Aussenministerium und das Verteidigungsministerium aufgefordert, einen detaillierten Plan für den Aufbau der ANSF zu erarbeiten; das Pentagon hat immerhin 5 Seiten zustande gebracht. Nun hätte das U.S.-Parlament die Option, zukünftige Finanz-Bewilligungen von der Vorlage eines konkreten Entwicklungsplans abhängig zu machen. Der ANSF-SITREP ist eine Fundgrube konkreter Daten: - Seit 2002 haben die U.S.A. 10 Mrd. USD in die ANSF gepumpt;
zukünftig sind jährlich 2 Mrd. USD notwendig;
- Von den 105 Armee-Einheiten (ANA) sind derzeit
2 voll einsatzfähig, 38 nur mit internationaler Hilfe (OMLT). In der Ausrüstung klafft eine Lücke von 40 %. - Der Zustand der afghanischen Polizei ist ganz düster; nicht eine Einheit ist wirklich einsatzbereit.
Neu ist das grundsätzlich nicht, aber die genaue (amtliche) Beschreibung ist wertvoll (man stelle sich vor, der deutsche
Bundesrechnungshof würde einen solchen SITREP verfassen dürfen und noch dazu www.-präsentieren!). Gelesen, aber nicht wieder finden wir einen Artikel des American Forces Press Service. U.S.-Verteidigungsminister Gates soll sein Redemanuskript beiseite gelegt haben, um kantig zu werden. Der Grund: Zum ersten Mal seien die U.S.-Verluste in AFG höher als im Irak. {Trotz allem: Gute Wünsche für den Kurzurlaub}
Pariser AFG-Konferenz II: 2020 13. Juni 2008Man muss die französische Regierung loben, dass sie zu der gestrigen Pariser Afghanistan-Konferenz einiges ins Netz gestellt hat, was Faktenhuber suchen:
http://www.diplomatie.gouv.fr/en/country-files_156/afghanistan_498/international-conference-i n-support-of-afghanistan-paris-12th-june-2008_6366/index.html Wir empfehlen zur Ansicht: - Zuerst die
Deklaration der Konferenz (Vorsitz Sarkozy, Karzai, Ban Ki-moon). Sie ist u.E. doch sehr diplomatisch getextet;
- Wer buchhalterisch veranlagt ist, wird die “State’s Contributions to AFG” (rechte Spalte) zu einer schönen Tabelle verarbeiten; mit einem passenden Anteilsfaktor (BIP etc.) liesse sich eine schöne “Burden-Sharing”-Rechnung erstellen. Dabei wird es eine Kunst sein, alte und neue Zusagen von den tatsächlich geleisteten Zahlungen zu separieren;
- Der
seit dem 7.3.08 als SRSG (Special Representative des Secretary General der U.N.) berufene Oberkoordinator für AFG berufene Norweger Kai Eide hat eine Rede gehalten, die man als Maßstab für eine kritische Betrachtung gewichten kann;
- Die 288-Seiten starke ANDS (Afghanistan National Development Strategy) ist von der Pariser Konferenz als das zentrale Dokument anerkannt worden; das von der Karzai-Regierung geschriebene Papier ist damit verbindliche Grundlage für den Zeitraum
2008 bis 2013. Ausdrucken sollte man die pdf-Seite 78; sie zeigt die Finanzplanung und die einzelnen Ausgabenbereiche. Die Summe, die man von den Geberländern für 2008 bis 2013 für die Auffüllung des nationalen Haushalts erwartet, beläuft sich auf rund 25 Mrd. USD (eigener Anteil 6,8 Mrd. USD);
Wenn man die Presse-Erklärung des Auswärtigen Amtes vom 11.6.08 liest, könnten man meinen, dass die deutsche Regierung mit der Zusage von 420 Mio. EUR für 2008 bis 2010 besondere Anstrengungen
unternommen hat. Dem ist nicht so, denn der Betrag entspricht genau der linearen Fortschreibung der 140 Mio. EUR für 2008.
Als Anlage zur der o.a. Konferenz-Deklaration ist ein Situationsbericht von Kai Eide verabschiedet worden, den wir stundenlang gesucht und nicht gefunden haben; die Gründe für die Verheimlichung sind offensichtlich (Hinweise auf den Eide-Bericht nehmen wir sehr dankbar an, um sie weiterzugeben).
Die “Vision”, die die ANDS (pdf-Seite 5) für das Jahr 1400 (2020) hat, muss man mögen. {Wirkliche Visionen sind nur eine Frage der Zeit}(P.S. Ab Montag verweilen wir in Paris auf der EUROSATORY. Die Berichterstattung wird bis Mittwoch etwas wackelig und rüstig sein - sorry)
Pariser AFG-Konferenz: 2015 11. Juni 2008Wenn Präsident Sarkozy morgen die Internationale Konferenz zur Unterstützung Afghanistans mit der Teilnahme hochrangiger Vertreter aus 80 Nationen eröffnet, ist lt. SPIEGEL (S. 16) nicht viel zu erwarten: Das Auswärtige Amt sieht keine “operative Bedeutung”, und das Verteidigungsministerium meint, das von dem
Pariser Gipfel “gar nichts abhängt”. Wer zwei Quellen zu Rate zieht, die sich sachkundig mit den anstehenden Aufgaben auseinandersetzen, wird zu einer anderen Auffassung kommen: - Citha D. Maaß von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) beschreibt die Übernahme der “Eigenverantwortung” durch die Regierung Karzai, die von einem neuen Selbstbewusstsein der afghanischen Eliten begleitet wird. Die Maaß-Arbeit zeigt uns, dass das politische System Afghanistans zu einer
zentralistischen Struktur getrieben wird, welche personell durch das Diktat des Präsidenten bestimmt wird:
http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=5014 Die RAND Corp. hat gerade eine Studie herausgegeben, in der Seth G. Jones 3 Faktoren nennt, die über den
Erfolg von Counterinsurgency entscheiden (pdf-S. 13):
1. Kapazitäten einheimischer Sicherheitskräfte, speziell Polizei, 2. lokale Verwaltung (governance), 3. Verhinderung auswärtiger Unterstützung der “Aufständischen”, incl. Sanktuarien: http://www.rand.org/pubs/monographs/2008/RAND_MG595.pdf Misst man mit den Seth-Kriterien, ergibt sich u.E.: - Gerade der Aufbau der afghanischen Polizei ist bisher ein einziges Desaster (der Zusammenhang zu “local governance” ist ganz eng);
- Mit dem Karzai’schen Ansatz eines personellen Zentralismus wird man sich die kulturell verankerten “Elders”(Clan)-Sturkturen zum Feind machen; es sind schliesslich Machtfragen. Lokale Selbstbestimmung kann so nicht entstehen;
- Auch das dritte Seth-Kriterium wird man höchstwahrscheinlich nicht erfüllen können. Die Ausbildungskapazität für “Aufständische” ist in den pakistanischen Westgebieten heute eher grösser, als sie es in Afghanistan vor 2001 jemals war (Hannings Folie haben wir leider immer noch nicht).
Nach Seth’s Erkenntnissen aus 90 Insurgent-Kriegen dauert die Niederschlagung durchschnittlich 14 Jahre. Bis 2015 haben wir also Zeit, Sieg oder Niederlage zu konstatieren.
{Es ist doch ganz furchtbar, wenn alles immer so lange dauert} NL/Port: Hochachtung 22. Mai 2008Wir wissen nicht, wo diese Meldungen in den Medien versanden werden: - Ausgerechnet unsere orangen Westnachbarn, die
mit ihren knuddeligen Wohnwagen-Anhängern im Sommer jeden Autobahn-Parkplatz zur käsigen Idylle machen, haben sich bereiterklärt, nicht nur ein 9, sondern ein 12-monatiges Kommando im Süden Afghanistans zu übernehmen. Ab November 2008 werden die Käsköppe das Kommando von den Kanadiern in dem Bereich AFG übernehmen, der der Tödlichste ist:
http://www.defenselink.mil/transcripts/transcript.aspx?transcriptid=4232 (Wer abseits aller nicht zu dieser Problematik gehörenden Diskursiererei nicht den Hut zieht, hat das mit sich selber abzumachen). Leider haben wir für die folgende Story keine Links:
Das sonnige Portugal soll seine (wie auch immer umfangreichen) Streitkräfte plangemäss in den (weitgehend “befriedeten”) Osten AFG entsandt
haben. Dabei muss die portugisiesche Regierung nicht genügend “nationale Vorbehalte” (caveats) eingelegt haben, denn das NATO-Oberkommando (ISAF) hat die Kameraden flugs in den “heissen” Süden umgepolt (Uups).
Deutsche Beobachter betrachten den Vorgang mit einiger Skepzis: Die deutschen Caveats reichen nicht aus, im “Notfall” die ISAF-Prärogative zu überspielen (RCNorth-QRF anywhere?).
{Niederländisch-Kurse sind hierzulande nicht so sehr frequentiert} Feind-Kontakt: 1. Prinzip 28. April 2008Es gibt wieder ein Lehrbeispiel für die Frage, ob man mit seinem Gegner (Feind) irgendwelche “Kontakte” pflegen sollte. Unsere Empfehlung würde immer lauten: JA! Aber das darf nie öffentlich werden,
weil die politische Debatte darüber immer nur blöd endet. Syed Saleem Shahzad von der “Asian Times” hat eine absolut lesenswerte Geschichte vom Kampf um den Khyber-Pass geschrieben, die alle Kracher für einen Hollywood-Streifen enthällt:
http://atimes.com/atimes/South_Asia/JD26Df01.html 150.000
USD muss man zur Hand haben, um einen zentralen Akteur (Haji Namdar) zu bestechen, damit die hässlichen Attacken auf die Brennstoff-Routen von ISAF aus Pakistan enden. Voraussetzung ist aber, die Denkungsweise der “Tribals” vor Ort richtig einzuschätzen. In diesem Lichte hat man zu beurteilen, ob die “neue” Strategie der pakistanischen Regierung hinsichtlich des Taliban-Kommandeurs Baitullah Mehsud “richtig”ist. Man muss 15 Punkte abklopfen, ob die Vereinbarung tragfähig ist:
http://www.memri.org/bin/latestnews.cgi?ID=IA43208 Zu einer “Feind”-Beurteilung gehört immer das äusserste Misstrauen, in jeder Beziehung. Als echter Stratege würde man aber einen Fehler machen, das “Blinzeln” im Auge des Gegners zu übersehen. Man sollte sich davor hüten, ihn schlicht “platt” machen zu wollen.
Es gibt eine Form von “Leben” und “Leben lassen” (Trench-Warfare), die sich für eine Form von Friedlichkeit anbietet; man darf dabei nicht zu ambitiös (“mächtig”) sein. {Verstehe ich: Kommunizieren ist das 1. Prinzip} Noch 1 GERTZ: jipinee 23. April 2008Unsereins hat sich schon mehrfach über die sicherheitspolitische Masseinheit für die Hoheit über Stammtischen erregt: 1 GERTZ (zuletzt hier). Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes (über 200.000 Mitglieder) hat nun erneut bewiesen, was deutschnationaler Unverstand zu Wege bringt:
http://blog.focus.de/wiegold/?p=400 und http://www.dbwv.de/dbwv/interd.nsf/d/starta Gemeint dabei sind nicht seinen richtigen Forderungen
bezüglich der quantitativen Mandatsausweitung, sondern das “tote Pferd”. Ungerührt von jeglicher Sachkenntnis schwadroniert der Vorzeige-Stratege der öffentlich-rechtlichen TV-Sender selbstverliebt in Oberst-Uniform über Lage und Lage-Entwicklung im Süden Afghanistans. Als Proktologe kann man dabei nur feststellen, dass unsere alliierten Kameraden (Amerikaner, Kanadier, Niederländer, Engländer etc.) die ausgemachten Dumpfbacken sind, die sich nicht mit der “Mentalität der Afghanen”
beschäftigt haben und die Ursache des Problems sind (Nein, Taliban kennt Herr Gertz nicht; siehe dazu Simon Wunders Kommentar:
http://www.weblog-sicherheitspolitik.net/ ).Dass die deutschen Patrioten ihn wegen seiner infamen und verhöhnenden Schelte nicht kritisieren, muss man schlucken. Dass die besagten
Alliierten sich diese intellektuelle Schweinerei gefallen lassen, kann man nicht glauben: - Im Posteingang des Verbandsvorsitzenden müssten einige Briefe liegen, die aus den U.S.A., UK, NL, CDN eingegangen sind;
- Falls nicht, ist die Situation noch ernster: Man überlegt sich als dummdreist Abgemeierter, ob man diesem “Kameraden” noch eine Zeile widmet. Es kann nicht sein, dass dem DBwV bei seinen dementsprechenden internationalen Kontakten noch ein Quentchen
Respekt entgegengebracht wird.
{Oberst “Totes Pferd” reitet wieder - jipinee} FATA: Aufschrei 18. April 2008Die “Federally Administered Tribal Areas” (FATA), das wieviel qkm (?) umfassende, von 3.1 Mio. Menschen bewohnte,
zu Pakistan gehörende Gebiet an der 373 Meilen-Grenze zu Afghanistan darf als der “sichere Zufluchtsort” für Al-Qaida und die Taliban gelten. Die U.S.-Administration hat von den zwischen 2002 und 2007 für Pakistan aufgewendeten 10,5 Mrd. USD 5,8 Mrd. nur für die FATA-Gebiete angewiesen (96 % für militärische Zwecke, 3 % für die Grenzsicherung und 1 % für Entwicklungshilfe). Die pakistanische Regierung hat 120.000 Soldaten in die FATA entsandt, 1.400 pakistanische Soldaten sind bei den
Kämpfen gefallen, “einige Hundert” Gegner sind entweder gefangen genommen oder getötet worden. Das U.S.-Government Acountability Office (GAO = Bundesrechnungshof)) hat jetzt die Bush-Administration gerügt, für das FATA-Problem keinen umfassenden und konkreten Plan zu haben. Zwar hätten alle beteiligten Amtsstellen eigene Pläne, aber die seien nicht zu einem “comprehensive approach” zusammengefügt:
http://www.gao.gov/new.items/d08622.pdf Überfliegt man die FATA-Fakten (pdf-Seiten 10 - 12), wird man zweifeln, ob ein Master-Plan die Lösung erbringen kann. Das Profil der FATA weist alle Merkmale eines “failed state” (oder un-governed territory) auf, die Stadt Quetta darf als Hauptstadt von AQI/Taliban angesehen werden (wir erinnern uns an eine Vortragsfolie von BMI-Staatssekretär
Hanning, die die unübersehbare Flut von AQI-Ausbildungslagern im FATA-Gebiet zeigte). FATA ist u.E. ein klassisches Anti-Beispiel für die Erfüllung unserer drei “Küchen”-Kriterien militärischen Handelns: - Du musst “hinkommen” (Zugang, Transport);
- Den Gegner (Feind) “identifizieren” (ISR);
- (Ganz/fast ohne zivile “Nebenschäden”) präzise “treffen” (bekämpfen).
Wenn der eigene “Zugang” (access) schon verwehrt ist, musst Du Dich auf
Deinen “willigen” Koalitionspartner verlassen (im Notfall verletzt man die Souveränität seines Koalitionärs und hofft, dass seine innenpolitischen Nebenschäden nicht allzu gross werden). Das “Hinkommen”-Diktat hat die Potenz, zum schwerwiegendsten Problem der asymetrischen Kriegführung zu werden. Andererseits wird die einzige Militärmacht, die über die entsprechenden Mittel zu dessen Überwindung verfügt, versucht sein, diese letztlich konsequent einzusetzen. Wie gross wird der
internationale “Aufschrei” sein? {Die Rheinische Strategie hat wieder die Antwort: “Et kütt wie et kütt”} NATO’s AFG Vision: Secrete 14. April 2008Fast hätten wir verschlafen, dass die NATO eine alte Forderung auf dem
Bukarester Gipfel erfüllt hat, nämlich die nach einem Gesamtkonzept für Afghanistan. Seit dem 3. April liegt es vor, und es hat den Anschein, dass “ISAF’s Strategic Vision” überhaupt nicht diskutiert wird:
http://www.nato.int/docu/pr/2008/p08-052e.html Das muss man dem NATO-Apparat lassen: Die Amtsschreiber
haben eine “Wish I on” entworfen, die keine Wünsche offenlässt, keinen Aspekt vergisst und eigentlich alle Teilnehmer glücklich machen müsste. Ob die unspezifizierten, aber doch konkreten “Verpflichtungen” der Ziff. 4 auch nachhaltig geschultert werden?: - Gegenseitige Unterstützung der Bündnispartner beim Tragen der Bürde,
- Bereitstellen der “tools”, Füllen der bisherigen Lücken bei ISAF, damit die Militärs “Erfolg” haben können (Ausschneiden und
nachprüfen),
- Maximale Flexibilität der Nutzung militärischer Kräfte für die ISAF-Kommandeure ermöglichen,
- Jede Massnahme ergreifen, um zivile Verluste zu vermeiden,
- Die extremistische Propaganda kontern und die eigenen Ziele effektiv kommunizieren.
Mit einer Forderung in der Ziff. 5-Listung (Pos. 3) verrät die NATO, dass es mit ihrer militärischen Kommunikationsfähigkeit zur AFG-Ownership nicht weit her ist: Falls es die
“Umstände erlauben”, will man das ISAF-Hauptquartier “ermuntern”, einem (1) “senior Afghan military officer” den Zutritt in das Stabsgebäude zu erlauben (vielleicht kann man wenigstens schon gleich mit der Sicherheitsüberprüfung eines Kandidaten anfangen). Bei der Gelegenheit fragt man sich, ob es einen (oder mehrere) Liasion-Officer von ISAF im Hauptquartier der Afghanischen Armee (ANA) gibt. Ob und wie genau die NATO-Staaten ihre Bukarester AFG-Vision als Verpflichtung ernst nehmen und
umsetzen, werden nur die Buchhalter im NATO-Hauptquartier wissen, und das ist natürlich alles SECRETE. {Es ist unschicklich, über unerfüllte Wünsche Buch zu führen} SWP/Bw/AFG: legitim 26. März 20083 Wochen hat sich Sascha
Lange in den Bundeswehr-Stützpunkten in Afghanistan das Personal und die technische Ausstattung angeschaut. Der sehr sachkundige Wissenschaftler des Regierungs-Think-Tanks “Stiftung Wissenschaft und Politik” (SWP) hat nun seine Beobachtungen und Empfehlungen in einer 33-seitigen Studie vorgelegt. Leider wird es wieder 6 Wochen dauern, bis die SWP das Gesamtwerk ins Netz stellt (wer als Soldat oder Zivilist irgend einen etwas handfesteren Grund angeben kann, warum er die Papier-Fassung schon
jetzt benötigt, sollte per Brief um ein Exemplar bitten). Die Zusammenfassung der Lange-Forderungen findet man jedoch schon jetzt:
http://www.swp-berlin.org/de/produkte/swp_studie.php?id=8851&PHPSESSID=b111aa54232b8 9b337a51ab4244f1126 In 5
Tabellen hat Autor Lange 23 konkrete und zustimmungspflichtige Empfehlungen gelistet (ESB = “Einsatzbedingter Sofortbedarf”; Haushaltstitel, der Eilbeschaffungen ermöglicht): - Aufklärungsverbund:
- Mehr und voreingewiesenes Personal für Aufklärung, - bessere Einbindung des CIMIC-Erfahrungsschatzes, - ESB des Mobilen Sensor-Systems (MOSES), - ESB eines unbemannten Aufklärers (UAV-Male). - Führungsverbund:
- Anfangsausstattung moderner Funkgeräte ab 2010, - Teilstreitkraftübergreifender Funk (SVFuA) ab 2009 (statt 2012), - keine Einsparungen beim NATO-Datentransfer-System MIDS, - Verdoppelung des Personalansatzes für die Ausbilder in der afghanischen Armee (OMLT). - Wirkungsverbund:
- Waffenausbildung sicherstellen, - Einweiser für Artillerie- und Luftnahunterstützung (JTAC/JFST) zur breiten Verfügung bis 2010, - ESB für Mörser-Systeme bis 2009,
- ESB für mehrrollenfähiges, leichtes Lenkflugkörper-System (MELLS), - Verfügbarkeit der Gewehre G22 und G82. - Unterstützungsverbund:
- ESB für Schutzwände/-wälle für Feldlager, - ESB für SKYSHIELD (nicht 2, sondern 10 Systeme ab 2009), - ESB für schnellere Beschaffung von Schutzwesten. - Sicherung der Produktqualität bei A400M, - Produktverbesserung der CH-53 GA ab 2011 (CH-53 GS), - Sicherstellung der Nutzungsfähigkeit des NH-90 ab 2010,
- Nachfolgebeschaffung für CH-53 ab 2020 sicherstellen, - Zulauf der geschützten Fahrzeuge deutlich beschleunigen, - Nutzwertsteigerung bewährter Fahrzeuge (vom beliebtesten Fahrzeug, dem FUCHS, sollen noch gut erhaltene 1.000 Stück (!) in heimischen Hallen herumstehen). (ich glaube, die aus dem Bw-Plan 2008 gestrichenen “gelenkten Gleitschirme” hat SL bei den Tabellen vergessen).
Auf S. 6 summiert Sascha Lange recht trocken: - “Auf die drohende
Lageverschlechterung in Afghanistan ist die Bundeswehr im Einsatzgebiet materiell nicht vorbereitet. Fähigkeitslücken werden zwar erkannt, wurden bisher aber nicht geschlossen. Unter den Voraussetzungen der derzeitigen Rüstungsplanung (Bundeswehrplan 2008) wären die meisten derzeitigen Mängel, wenn überhaupt, nicht ohne grosse Verzögerung (erst im Verlauf des nächsten Jahrzehnts) zu beheben.”
Wassermühlenmässig plätschert Verteidigungsminister Jung seit Amtsantritt,
dass für die Soldaten im Einsatz alles getan wird. Seit November 2007 hat unsereins das Glück gehabt, durch liebe Hilfe 1. die Erfahrungsberichte der Bw-Kommandeure in AFG vom Sommer 2007 lesen zu können, dann 2. den “Warnecke”-Bericht, und 3. den “van Heyst-Bericht.
Hat der verantwortliche Minister davon gar nichts
mitbekommen? Kann man angesichts solcher Mängellisten noch den Kopf ruhig halten? Gibt es vielleicht so etwas wie Handlungsbedarf?Den Minister kann man vergessen, aber nicht die “Sache”. U.E. gibt es allerdings noch eine Rettung: Wenn der Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages (auf Betreiben der Vorsitzenden) nicht schleunigst eine Art von Untersuchungsausschuss in Sachen “Bw in AFG” einsetzt, der zivile und militärische Sachverständige umfassend und konkret befragt und hurtig
seinen Untersuchungsbericht schreibt und veröffentlicht, verspielt auch das Parlament seinen Ruf, Hüter von Wohl und Wehe der von ihm in diesen Einsatz beorderten Schutzbefohlenen zu sein. Die politikwissenschaftlichen Regeln der Koalitionsarithmetik des deutschen Parlamentarismus sind unsereins so fremd ja nicht. Sie bei Fragen von Tod und Verwundung unserer Soldaten unvermindert gelten zu lassen, wäre auf gar keinen Fall legitim. {Glücklich ist, wer nicht vergisst ...} ORF-Profil II: brav 18. März 2007Gestern hat sich die Panzerbrigade 21 (“Lipperland”), Augustdorf, prima den stark angereisten Medien auf dem NATO-Truppenübungsplatz BERGEN (bei Celle) gezeigt: Ihr Kommandeur, Brigadegeneral Jürgen
Weigt, präsentierte per Vortrag, “dynamischer” und statischer Vorführung die in der Ausbildung befindliche Quick Reaction Force (QRF), die ab Juli d.J. die Norweger ablöst. Weigt wird dann Kommandeur des “Regional Command North” (RC North) der ISAF und damit erstmals über eine deutsche Kampfreserve verfügen, die er in dem 1.200 x 400km ausgedehnten Gebiet einsetzen kann. Aus dem Lagevortrag des zukünftigen RC-North-Kommandeurs konnte man aber u.E. deutlich schlussfolgern, dass die deutsche
QRF nicht so ausgestattet wird, dass sie proaktive, sog. “offensive” Operationen (“Schlagarm”) durchführen kann, wie sie mit der Operation HAREKATE YOLO II vorgeführt worden sind: - Der Erkundungsbericht (siehe unten,
“QRF Profil: Kaufhaus”)
hatte eine Sollstärke von 450 Soldaten gefordert. Die “organisch” mitgeführten Unterstützungskräfte sollten eine weit über 72 h reichende Durchhaltefähigkeit ermöglichen.
Nun wird, wegen der politisch kippeligen Mandatsobergrenze für das gesamte Bw-Kontingent in AFG, die QRF-Kompanie auf rund 200 Soldaten gedeckelt und damit abhängig von den sowieso schon überlasteten Unterstützungskräften des Bw-Lagers in Masah-e-Sharif (MeS); Operationen über 72 h hinaus sind damit ausgeschlossen.
(um vom QRF-Lager MeS bis zum westlichen PRT-Stützpunkt Meymaneh, MEY, zu kommen, hätte die QRF in 12 h 330 km zu überwinden; bis zum 175 km ostwärts in unwirtlichem Gelände liegenden deutschen PRT Feyzabad, FEY, zu kommen, sind 14 h Marschzeit zu kalkulieren).Dass sich die allgemein als Taliban bezeichneten “Opposing Militant Forces” (OMF) den Westen (Nord-Westen) strategisch als Aufmarschraum ausgesucht haben, müsste sich inzwischen herumgesprochen haben. Sollten sie nach
ihrer YOLO II-Niederlage zu der Beurteilung kommen, dass RC-North-Kommandeur Weist, zusammen mit dem afghanischen 209. Corps, keine neuen Yolo-Operationen planen kann, werden sie wahrscheinlich neuen Mut fassen. Das deutsche QRF-Konzept ist u.E. entscheidend von den politischen Angst-Kriterien vorgeprägt. Militärische Forderungen, die die Kräfte, den Raum und die Zeit beachten, werden eindeutig dem politischen Primat untergeordnet, was natürlich grundsätzlich absolut richtig ist.
Folgerichtig darf dann aber nur der Politik angelastet werden, wenn ein Desaster eintritt. {Soldaten sind letztlich nur brav}(P.S. Die “Milan” ist dabei, wurde bei der statischen Waffenschau aber unterschlagen. Und: Thomas Wiegold war auch in Bergen:
http://blog.focus.de/wiegold/archives/370 QRF-Profil: Kaufhaus 17. März 20082 Wochen, nach dem der SPIEGEL (10/2008, S. 17) schon über den Vermerk des Erkundungs-Teams in Sachen
Bw-QRF-Nachfolge NORW berichtet hat, und Stunden vor unserer Teilnahme an der QRF-Demonstration des Heeres nahe dem niedersächsischen Celle, möchten wir einige Facts nachtragen, die amtlich bestallte Experten gefunden haben: - Die norwegische QRF hat sich zum “Schlagarm” des “Regional Command North” (REC N) der ISAF entwickelt, “Alarm”-Einsätze sind die Ausnahme. Die Operationen dauern bis zu drei Wochen, bei Temperaturen von -25 bis 50+ Grad Celsius;
- Alle
militärischen Experten vor Ort (Masah-e-Sharif, MES) empfehlen nachdrücklich, dass die QRF über eigene Unterstützungskräfte (San, Aufklärung, Counter-IED) verfügt, und nicht die sowieso überlasteten aus dem Bw-Bestand von MES eingeplant werden, nur um die QRF-Mann-Stärke flach zu halten. Ohne ständige eigene Logistik-Komponente sei eine Durchhaltefähigkeit über 72 h hinaus nicht möglich;
- Die QRF benötige redundante und gesicherte Fernmelde-Verbindungen über größte
Entfernungen;
- Die Unterbringung der QRF ist “ungeklärt”. Ein nicht unwesentlicher Grund scheinen die “baurechtlichen” Rahmenbedingungen zu sein, die die “Erdbebensicherheit” betreffen;
- Die “Buchhalter” weisen darauf hin, dass der minengeschütze Typ des Schützenpanzers MARDER (SPz MARDER 1 A 5) bezüglich der “Antriebszahnkränze, des Kühlmittelausgleichsbehälters und weiterer Bau- und Bestandteile des Kühlungs- und Hydrauliksystems” Mängel hat, die
“dutzendfach beobachtet” (und dokumentiert) worden seien.
Frage ist nun, ob die Bw-QRF die seit längerem in MeS geparkten 4 A5-MARDER übernimmt (die haben seit Okt. 07 das unumgängliche “Anschiessen” der Bordwaffen nicht proben dürfen). Noch interessanter ist die Frage, wieviel MARDER für die QRF insgesamt vorgesehen sind; - Als “Haupteinsatzfahrzeug” wird aus vielfältigen Gründen der FUCHS empfohlen;
- Unter Berufung auf den LEGAD (sorry, ist das der
“Legal Adviser”, sprich Rechtsberater?) wird der offensive Einsatz der QRF als nach den geltenden Kampfführungsregeln (ROE, Rules of Engagement, siehe Taschenkarte) als “abgedeckt” eingestuft
(Peter Dreist lässt grüssen).Aus einer Mischung von Fernweh, Hoffnung auf Erkenntnisgewinn, und (pessimistisch)
vorausahnender Dünne bricht unsereins nach Celle auf. Wir fragen auf jeden Fall: Ist die MILAN dabei? Wer sich an solcher Waffen-Narretei stösst, sollte tit for
tat nicht vergessen. {Jedes Kaufhaus weiss es: das Sortiment muss stimmen} 4. Petersberger: hessisch 10. März 2008Am 8. März d.J. hat Ulrike Merten,
SPD-MdB, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages, ihr 4. “Petersberger Gespräch” bei Bonn aufgelegt. 6 Stunden haben grob 400 Gäste zum Thema “Kriseneinsätze von Streitkräften - Bilanz und Perspektiven” hochkarätigen Vortragenden gelauscht - und diskutiert. Sogar einige Berliner Oliv-Promis waren vertreten: Senkrechtstarterin Elke Hoff (FDP-MdB) war aus Unkel angereist und schmiss sich nachdrücklich in Positur, Wehrbeauftragter Reinhold Robbe konnte sich
zurücklehnen. Natürlich sind alle Vortragenden - allein von ihrer Position - nicht uninteressant. Wir mögen aber nur kurz das berichten, was geknallt hat: Papier muss man Brigadegeneral Dieter Warnecke schon mögen. Sein Vortag (in Vertretung des Brunsumer ISAF-Generals Egon
Ramms) war wirklich grandios (der Arme wird sich vor den unzähligen Vortrags-Anforderungen nicht mehr retten können). Und er gerät in eine, von ihm selbst sicher nicht gewünschte Schieflage: Je beklatschter seine schnörkellose, differenzierte Kompetenz wirkt, desto heftiger werden die Attacken des obersten Establishments gegen ihn werden.
Deshalb können unsere Vortragsnotizen nur als subjektiv wahrgenommen werden (frage immer nach dem Wortprotokoll):
- Das von den
Deutschen verantwortete “Regional Command North” (RC North) in AFG beheimatet 9 Millionen Afghanen; die Ausdehnung des Bereichs ist 1.200 km in west/östlicher Richtung und 400 km in nord/südlicher Audehnung;
- Die Bedrohung in 2007 zeigt steigende Tendenz (die Lage ist nicht mehr wie 2002 - 2006). Für die Jahre nach 2001 nennt Warnecke folgende Zahlen: 25.000 (!) Gruppierungen mit 130.000 Kämpfenden! - mit den unterschiedlichsten Motivationen!. In unserem Notizblock steht, dass sie
alle gegen Karzai seien;
- Beachtenswert ist, dass Warnecke die Einsatzregeln für die Kampfführung als “robust” einstuft; “offensiv ist erlaubt”. Allerdings ist der General so frei, eine vom Politisch-Korrekten her angreifbare Formulierung nachzuschieben: “Etwas weniger ‘Taschenkarte”, etwas mehr Wirkmittel” (So etwas stuft unsereins als “tapfer” ein). Den Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr (Potsdam) haben wir erstmalig “life” erlebt. Dabei
erinnert man sich, dass sich Generalleutnant Karlheinz Viereck in seiner Funktion als Kongo-Kommandeur und in AFG gewisse Meriten erworben hat, die die Öffentlichkeit nur deshalb erreicht haben, weil ein oberster “Spin-Doctor” des BMVg dabei die Anschubhilfe geleistet und über die “Leipziger Allgemeine” auch später mal nachlegt hat);
Nach dem “Jubel”-Vortrag von Generalleutnant Viereck hat uns ein prominenter Journalist ins Ohr geflüstert, dass Viereck sich wohl keinen weiteren
“Schuss” erlauben könne, und deshalb so “weichgespült” war. Dieses Urteil wird man u.E. nicht teilen können, wenn man (später) die absolut überraschende Tatsache vernimmt, dass der besagte General per DIN-A4-Seite eine (klar vorbereitete) “Zusammenfassung” seines Vortrags verteilen lässt.
Wer der Ent-Codierungsfähigkeit der Sprache der politischen Korrektheit fähig ist, wird keine Schwierigkeiten haben. General Viereck sagt in Ziff. 6 seiner “Erfahrungen aus den Auslandseinsätzen der
Bundeswehr” kryptisch:
“Die Bundeswehr betreibt einen hohen Aufwand. Dieser Aufwand hat sich bisher gelohnt. Die Einsatzbereitschaft der Waffensysteme war auf hohem Niveau und die Standards zur Unterstützung waren konstant hoch. Wir müssen uns aber auch kritisch der Diskussion stellen, inwieweit wir diese Standards auch in der Zukunft auf diesem Niveau erbringen wollen oder können.”
Weniger verschlüsselt erscheint uns die Ziff. 4 der Viereck’schen Punktation:
“Mit dem Einsatz militärischer Mitttel sind in letzter Konsequenz immer Opfer verbunden. Die ‘Angst vor Opfern’ schränkt die Möglichkeiten des Handelns ein, macht berechenbar, erhöht das Risiko und führt im ungünstigstem Fall sogar zur Unwirksamkeit des militärischen Beitrags.”
An wen ist diese Viereck’sche Botschaft eigentlich gerichtet? Man darf, bei Gültigkeit aller entsprechenden Gesetze, ausschliessen, dass solche gross-kaliberischen Geschosse wie Viereck keine
Ahnung davon haben, welche “Wirkung im Ziel” sie haben wollen (Oder doch? - Nein!).Sorry, wenn wir manchmal an den armen Bürger denken, der sich im Dschungel der führenden Kryptographen zurechtfinden soll. Wenn unsereins sich als “Entcodierer” empfiehlt, sollte man doch an die hessische Strategie denken: {“Ma wässet nisch” (lautsprachlich; “man weiss es nicht”)}
Gefallenen-Tribut: besser 7. März 2008Die gesamte Konfiguration der Gesinnung eines Menschen (“mind-set”) findet in der Computer-Technik wahrscheinlich seine beste Entsprechung: Nach Drücken der Re-set-Taste startet das System mit denselben Gegebenheiten. Rudimentär haben “Betriebs”-Programme der Computer bereits eine gewisse Lernfähigkeit, vor
allem wenn sie an rückgekoppelte, autoritative Update-Systeme angeschlossen sind. Inwieweit die “Orientierung” des Mind-Set des Menschen sinnstiftend lernfähig ist, darf als Fragestellung zeitlos gelten. Aus eigener Erfahrung möchte unsereins dazu beitragen: - Lade deinen grössten Opponenten zum Besuch in das “Auge des Tornados (Hurrican)” ein - halte ihm ein Mikrofon vor und stelle ihm intelligente Fragen (Wer kneift, verliert);
- Vermittele eine
“internationale” Atmospäre” deiner egomanen, nationalen Befindlichkeit, sei also im wahrsten Sinne (deutscher) internationalistischer “Gutmensch”;
- Stell Dir vor, Dein internationaler “Nächster” stände direkt neben Deinem Mikrofon, und würde Dir direkt antworten (aus der Kommunikations-Lehre wissen wir, dass ein falscher Satz Deine Informations-Dominanz für immer beendet).
Als sehr praktische Mind-Set-Übung empfehlen wir
(nicht nur für Oberst Gertz) eine Bilderfolge, die Wirklichkeit zeigt, die “Bilder” hervorbringen (dauert ein wenig).
Diese u.E. geprüften Lehrsätze der Kommunikation kann man auch “umdrehen”: - Vermeide jede Strategie, die Dich in die u.a. Lage bringt!
Informations”dominanz” ist schon eine heikle Angelegenheit; Du musst vor allem wissen, wo Du bist (awareness - nicht “wellness”). Übers markige Wochenende hat ja man Zeit, sich aufzustellen. Viel Erfolg! {Das Bessere bringt Dich um}
1 Gertz (II): platzgreifen Simon Wunder (und Oli) verdanken wir den Hinweis ( http://www.weblog-sicherheitspolitik.net/
) auf das Interview, das “Deutschlandradio Kultur” mit dem Vorsitzenden des Deutschen Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, zum Thema AFG geführt hat: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/tacheles/743107/ Zunächst können wir uns der Kommentierung von Simon Wunder nur anschliessen. U.E. ist aber
der “blanke Zynismus”, den Simon Wunder dem Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes attestiert, näher zu untersuchen.Vor gut einem Jahr haben wir über den Wert 1 Gertz als Stammtisch-Mass
geschrieben. Heute müssen wir feststellen, dass die Kategorisierung von Gertz’schen Weisheiten als Dominanzgehabe am Stammtisch verniedlichend ist:- Bernhard Gertz präsentiert sich selbst gern in Uniform: Oberst der Luftwaffe. Was nicht adäquat bildhaft dargestellt werden kann ist, dass hier der Repräsentant des “Deutschen Bundeswehrverbandes” (mehr als 200.000 Mitglieder) spricht, dem von der nicht so sehr informierten, allgemeinen Öffentlichkeit ein gerüttelt Mass an
Vertrauen entgegengebracht wird. Er gilt somit als führende Autorität (er weiss, dass er als “Stratege” eingestuft wird);
- Für jedes Problemfeld gibt es ein Paket von Tatsachen, an denen jeder Normalsterbliche nicht vorbeikommen sollte. Zur AFG-Problematik gibt es dieses Paket ebenso. Wer, in dieser wirklichen Welt, würde denn (wie Gertz) verlauten, dass unsere
“Verbündeten - Amerikaner, Kanadier, Briten - mit der Art und Weise ihres militärischen Vorgehens nicht gerade
die Köpfe und Herzen der Menschen gewonnen (haben), der Paschtunen”. (Wer erklärt dem deutschen “Michel”, dass “die” Pashtunen nicht generell unter Terror-Verdacht gestellt werden dürfen, trotzdem aber am Rande der Millionen-Skala tatsächlich die identifizierte Rekrutierungsbasis für Tausende von Taliban-Kämpfern sind?); - Die Steigerung des Wirklichkeitsverlustes ist die Xenophobie (natürlich verbunden mit dem Verweis auf die gloriole eigene Rolle). Wenn Gertz
“unsere lieben amerikanischen Freunde” anspricht, oder gar wirklich superzynisch “unsere kanadischen Freunde”, dann grüsst das Psychogramm des Senders, dass da entcodiert lautet: Ihr seid Riesen-Arschlöcher. Man darf sicher sein: Jeder Kanadier, Brite, Niederländer, Amerikaner, versteht diese Botschaft kristallklar.
- Man darf “Globalisierung” nicht missverstehen: Wenn ich über meinen “Nächsten” einen riesen ***** verzähle, ist das nicht ein Zeichen von
Charakterstärke. Es ist ein “Absahnen” von vermeintlichen Vorteilen, die geradezu erbärmlich sind.
Identifizieren sich tatsächlich die mehr als 200.000 Mitglieder des “Deutschen Bundeswehrverbands” mit der “Kultur” ihres Vorsitzenden? Wer den Krieg in AFG in seiner gesamten Fülle begreifen will, dem empfehlen wir die ernüchternde Lektüre (15 S.), die die NYT zu bieten hat:
http://www.nytimes.com/2008/02/24/magazine/24afghanistan-t.html?ref=magazine {Rede erst dann, wenn Dein Gegner platzgegriffen hat} QRF-Debatte: heiss 13. Februar 2008Wer die Debatte um die ab 1. Juli 2008 intakt sollende “Quick Reaction Force” (QRF), die von den Deutschen als Nachfolger der Norweger beabsichtigte Reserve-Kampftruppe im Regionalkommando Nord in AFG, genau mitverfolgen will, wird sich den gestern ausgelieferten (Bonner) BEHÖRDENSPIEGEL besorgen müssen. Thomas A. Meuter hat auf der ganzen Seite 55 die “Defizite bei Ausrüstung der QRF” abgehandelt. Wer genau hinschaut, kann lernen,
dass der Autor nicht “gedichtet”, sondern eine handfeste Unterlage aus dem Planungs-Portfolio der verantwortlichen Instanzen des Heeres zur Verfügung hatte. Demnach ergibt sich: - Es geht zwar um 240 Soldaten, aber der “harte” Kern umfasst 185 Soldaten. Aus Kabul werden dafür 115 Soldaten abgezogen. Würde die Verfügbarkeit zusätzlicher Kräfte zur zeitlich befristeten Verstärkung gefordert werden, müsste man bereits auf das der NATO Response Force (NRF) versprochene
Kräftedispositiv (NRF 10) zurückgreifen;
- Die in den Medien bereits abgearbeitete “Mörser”-Problematik übergehen die Heeresplaner mit dem Hinweis, dass die gemeinsam festgestellten Fähigkeitsforderungen nur durch die Artillerie erfüllt werden können, sprich die allermodernste Panzerhaubitze 2000 (55 t), die die Niederländer im Süden mit grossem “Erfolg” seit langem einsetzen (man ahnt, welche politische Brisanz hierzulande hinter dieser “dicken Bertha” steckt);
- Wer sich immer von den NetOpFü-Schalmeien der Netz-Flüsterer hat einlullen lassen, wird richtig erschrecken, dass die Bundeswehr bereits bei der personellen Gestellung der “vorgeschobenen Luftkontrolleure” in heftigstes Schlingern gerät. Bei Anforderung einfachsten “handwerklichen” Könnens zeigt sich eine blamable Ressourcen-Lücke, die das Maulheldentum deutscher Konzeptionshoheit in der Umsetzung “Lügen” straft.
Bedenkt man, dass bis zum deutschen QRF-Antritt in AFG im
prächtigen Sommer diesen Jahres noch viel Zeit ist, entspannt man sich dementsprechend. {Wenn etwas zu heiss ist, isst man das eben nicht gleich} |