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N e w s III / 2004 |
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U.S.- Meinungsbild: sanft 30. September 2004 Das "Chicago Council on Foreign Relations" hat seine 60-seitige Meinungsumfrage "Global Views - American Public Opinion and Foreign Policy" veröffentlicht: Wie üblich haben wir die Studie recht faul überflogen. Richtig interessant ist die getrennte Darstellung des Meinungsbildes hinsichtlich der (allgemeinen) Öffentlichkeit ("Public") und der Führenden ("Leaders") bei den entsprechenden Fragen. Allein die korrekte Darstellung der teilweise frappierenden Abweichungen (und ihrer sachgerechten Interpretation) würde richtig Arbeit bedeuten. Durchgängig liegt das U.S.-Meinungsbild eher auf der "gefühlten" europäischen Linie: sanft und mulilateral. Im Kontrast dazu dürfte die von den internationalen Medien (wie gesehen) so dargestellte tatsächliche Politik (action policy) der Bush-Administration im aussenpolitischen Sektor keine Mehrheit erringen können. Deshalb sind die Aussichten für die aussenpolitische Debatte nach der U.S.-Präsidenten-Wahl im November nicht berückend. Die von uns antizipierte alte/neue Regierung wird weiterhin eine "Kriegs"-Regierung sein, der in Meinungsumfragen daheim, vor allem aber weltweit, katastrophale Ergebnisse beschert werden. Schade ist nur, dass die Ungeduld mit dem Phänomen Zeit manche Zeitgenossen in den Wahnsinn treibt:
U.E. ergibt sich nach der Top-Down-Methode als erstes die Frage: Wer empfindet, dass er im Kriege ist? Oder besser: Gut und Böse gibt es nicht? Wir bevorzugen die weitergehende Differenzierung eines bestimmten Wildwest-Films: {The good - the bad - and the ugley} F / Rüstung: autonom 28. September 2004 In Sachen Rüstungspolitik hat das französische Verteidigungsministerium unter dem Titel "Competitive Autonomy" auf 7 Seiten Klartext geliefert: Zunächst sind die Grössenordnungen der französischen Verteidigung interessant:
Dass die französische Politik überhaupt nicht zögert, ihr nationales Interesse in diesem Feld deutlich zu bestimmen, zeigt:
Ob deutsche Regierungskunst an das französische Beispiel heranreichen kann, wird sich zeigen. Die jährlich dem Parlament zugesandten Berichte über die deutsche wehrtechnische Szene sind ja nicht schlecht, verbergen kaum die dringenden Forderungen zum Erhalt einer nationalen WT-Grundausstattung. Gleichzeitig bastelt der Ausschuss "Verteidigungswirtschaft" des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI) an einer Definition der "Kernfähigkeiten" für die deutsche WT. Man darf gespannt sein, ob Verteidigungsminister Struck sich irgendwann aufschwingt, dieses Thema in Deutschland aufzutischen. Der selbst von SPD-Abgeordneten geforderte "Koordinator für die Rüstungsindustrie" kommt zwar nicht, dafür aber immerhin ein Staatssekretär-Ausschuss der relevanten Ministerien. Da sich die deutsche Regierung gern "auf Augenhöhe" mit der britischen und französischen befinden will, hat sie noch Schularbeiten zu erledigen. {Alles für den Sicherheitsrats-Sitz - muss sein} U.S./D-Rüstung: Müll? 21. September 2004 Mit seinem Referat über die amerikanische Sicht der Europäisierung von deren Rüstung hat John Tharpe vom Büro für Verteidigungs-Zusammenarbeit der U.S.-Botschaft in Berlin neues zur deutsch-amerikanischen Rüstungs-Kooperation verkündet. Die Teilnehmer des Fach-Forums der "Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik" (14./15.9.04 in Godesberg) erfuhren, dass im nächsten Monat Regierungsvertreter die Verhandlungen über die "Deklaration der Prinzipien für eine verstärkte Zusammenarbeit in Sachen Verteidigungs-Ausrüstung und -Industrie" (DoP) aufnehmen werden. Damit beginnt nach vier Jahren das, wovon wir unter dem Stichwort "Defense Trade Security Initiative" (DTSI) berichtet haben. Vereinbarungen über DoP haben die U.S.A. bereits mit Australien, dem Vereinigten Königreich, Schweden und den Niederlanden abgeschlossen (den Text der DoP findet man unter www.mindef.nl - unter "Zoeken" (Suchen) DoP eingeben). Nach John Tharpe sollen die Verhandlungen im Sommer 2005 abgeschlossen sein. Von Seiten der Abteilung Rüstung des Bundesverteidigungsministeriums geht man von einem früheren Datum aus; auf der sog. "Wehrkunde-Tagung" in München sollen die Verteidigungsminister im Februar 2005 die DoP unterzeichnen. Bedeutend wäre eine D/U.S.-DoP, weil damit eine Vereinbarung vorläge, die der deutschen Rüstungsindustrie neben der vergleichbaren Regulierung im europäischen Rahmen auch eine gesicherte U.S.-Perspektive gäbe. Allerdings müsste nach einer Vereinbarung auch die Durchführungsbestimmungen der DoP geregelt werden. Obwohl die amerikanisch-britische DoP-Vereinbarung schon gut vier Jahre alt ist, hat man sich dort noch auf keinerlei Einzelheiten einigen können. Während die U.S.-Rüstungsindustrie die amtliche Regelung der transatlantischen Rüstungs-Kooperation fördert, lahmt das Momentum auf U.S.-Regierungsseite. Die auf dem Prager NATO-Gipfel am 21. November 2002 verkündete sechsmonatige Überarbeitungs-Phase der Rüstungsexport-Politik (DTSI) feiert im Mai 2005 ihre zweijährige Verspätung. Wesentlicher Grund dafür dürfte der zwar quantitativ geringe, aber qualitativ umso heftiger betriebene Widerstand aus dem U.S. House of Representatives sein. Dessen Ausschuss für Internationale Beziehungen hat am 1. Mai 2004 einen Bericht abgeliefert, der sogar die Aufkündigung engster Rüstungsbeziehungen zu Australien, UK und sogar Kanada fordert (der Report "U.S. Weapons Technology at Risk" ist auf der Homepage des Ausschusses nicht zu finden, und bei www.fas.org sieht man zwar das Inhaltsverzeichnis, aber der pdf.-Transport ist leider fehlerhaft). U.S.-Referent John Tharpe hat den Parlamentarier-Widerstand zwar massiv heruntergespielt, mochte aber die erhebliche DTSI-Verspätung seiner Regierung auch nicht erklären. {Wer mag schon seinen eigenen Müll erklären} Sudan/Iran: Perzeption 20. September 2004 Am Wochenende hat die Weltgemeinschaft wieder kräftig interveniert:
Zur Prognose der weiteren Entwicklung hilft u.E. das Werkzeug der Perzeptions-Empathie: {Andere denken auch} U.S/U.N.-Politik: preisabhängig? 16. September 2004 Am 13. Sept. 04 hat der im U.S.-Aussenministerium für internationale Angelegenheiten zuständige Sekretär, Mark P. Lagon vor dem "Hudson Institute" in Washington die Regierungs-Agenda für die U.N. vorgestellt; dass neue U.N.-Jahr beginnt mit der 59. Vollversammlung im Okt. (nein: Sept.) 04: Eigentlich müsste die sicherheitspolitische Elite der Spree-Republik den 9-S.-Text genau studieren, denn es finden sich genügend Gesichtspunkte in der Rede, die die Bush-Hasser auf 188 bringen. Sogleich, wenn sie schon in der Einleitung der Lagon-Rede lesen müssen:
Klar ist, dass damit vor allem die Deutschen gemeint sind, denn die begründen ihren Anspruch auf einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat mit ihrem rund 10 %igen Anteil am Beitrags-Volumen. Man darf gespannt sein, ob die Bundesregierung ihre Ziele für das nächste U.N.-Jahr und die Reform der gesamten Organisation vorher öffentlich darlegt - mit Zahlen, Daten und Fakten. Nicht zu hoffen wagen wir allerdings, dass die Bundesregierung ihrem Souverän erklärt, wie sie sich denn die Reform des U.N.-Sicherheitsrates genauer vorstellt:
Leider ist ja die Denklogik nicht verhinderbar, dass nach einer (U.N.-)"Reform" einiges (oder alles) besser würde. Aussenminister Fischer meinte dazu auf der Botschafter-Konferenz am 6.9.04: {Preise sind nicht reform-abhängig} Aussenminister Fischer: unterhaupt 14. September 2004 Am 6. Sept. 04 hat Aussenminister Fischer zur Eröffnung der Botschafter-Konferenz in Berlin eine programmatische Rede gehalten, die das Auswärtige Amt gestern veröffentlicht hat: Schade, dass Minister Fischer nicht die entsprechenden Lücken aufzeigt (S. 2):
Selbst für die Bewältigung der Erweiterung Europas ist Fischer Zauberer (S. 3):
Einerseits analysiert Minister Fischer, "dass wir in der Tat in einer Situation sind, die die Frage aufwirft, inwieweit die Institutionen, inwieweit die Strukturen des internationalen Systems zu den Herausforderungen, vor denen wir heute stehen, tatsächlich noch passen" (S.3). Als Treiber dafür erkennt er jede Menge "Energien" und, "dass sich zunehmend Konflikte aus der Option konstruktiver Lösungen in so genannte Lose-Lose-Situationen hineinentwickeln." Dafür übergreifend verwendet er den schönen Begriff "Dysfunktionalität". Danach folgt der Einschub: "Denn sie (die U.S.A., d. Verf.) sind die einzige Macht, die zu globaler Machtprojektion in der Lage ist." Als Lösung dessen, was unter Dysfunktionalität energisch brodelt, bietet Joschka schliesslich die "Reform der Vereinten Nationen", natürlich mit dem geflissentlichen Hinweis, dass Deutschland dazu in den Sicherheitsrat aufsteigen muss (aus nationaler Erfahrung weiss man ja, wie man die Energie-Konzerne per Regulierungsbehörde in den Griff bekommt). In Sachen Iran (S. 5) ist Fischers Warnung an die Regierung in Teheran interessant, "keiner Fehlkalkulation zu unterliegen, weil es angebliche Schwächen der Vereinigten Staaten (sic!) und des Westens im Irak (sic!) gebe." Wenig später kommt es markig:
Schade, dass Herr Fischer auch hinsichtlich des im Vergleich zu Afghanistan und Irak winzigen Problems Kosovo (so gross wie Hessen) eine "Dampfplauder"-Lösung bietet:
Seit 1999 ist den Europäern für den Kosovo keine "politische" Lösung eingefallen. Wenn man Fischers "weder/noch" hört, verschiebt sich die "Exit-Strategie" auf wann? Abschliessend (S. 8) lernen wir, dass die wichtigen Diskussionen über einen "strategischen Konsens" mit den U.S.A., den "Partnern" in der Region, "wenn überhaupt, erst begonnen" haben. {Wenn überhaupt etwas beginnt, dann endet es unterm Haupt?} Kabul: Techniker-Flucht 13. September 2004 Seit dem vergangenen Dienstag (7.9.04) haben wir von einem alten Freund den nicht sehr viel genaueren Hinweis erhalten, dass deutsche wehrtechnische Firmen ihre Mitarbeiter, die in Kabul Dienst für die Bundeswehr verrichten, aufgrund der Sicherheitslage abziehen wollen. Wir haben umgehend beim Presse/Info-Stab des BMVg konkret nachgefragt; auch nach der Höhe der Versicherungs-Prämie, die das BMVg evtl. für die Zivil-Techniker zu entrichten hat. Nach drei Tagen (!) haben wir immerhin die detaillierte Antwort erhalten, welch' vielfältige Arbeiten zivile Werks-Experten für die Bundeswehr in Kabul eigentlich verrichten; u.a. sind sie mit dem "Aufbau von Feldlager-Kläranlagen beschäftigt. Auf die eigentlich gestellten Fragen gab es allerdings keine Antwort. Die Nachfrage bei drei Rüstungsfirmen ergab folgendes:
Für uns ist das Resümee recht einfach: Wer filibustert oder mauert, bejaht mit hoher Plausibilität. Hinter dem Komplex verbergen sich jedoch erhebliche konzeptionelle Probleme des "Nation-Building"-Konzepts, auf das die Deutschen und Europäer, in Abgrenzung zu den als sowieso unfähig eingestuften Amis, gern Stolz veröffentlichen. Nur im irakischen Anti-Terror-Krieg ist bisher ganz deutlich geworden, dass auch U.N.-Mitarbeiter, NGO's und Lastwagen-Fahrer massgeblicher Teil des Konflikts sind. Bundeswehr-Planer werden sich - mit Absegnung durch die Politik - in ihrer Logisitik-Konzeption darauf einstellen müssen, dass die Lizenz für den Tod letztlich den uniformierten Kameraden vorbehalten bleibt. Wenn dazu noch die Diskussion über die Todes-"Prämie" beginnt, kann man nur viel Spass wünschen: Nach der neuen Gesetzes-Lage erhalten Bw-Hinterbliebende eine Einmal-Abgeltung von nun 60.000 EUR. Muss man nur noch herausfinden, wie sich der "Ertragswinkel" zu den zivilen Technikern verhält; für uns ist das alles zuviel. Ausserdem meldet www.bmvg.de am 10.9.04 einen Raketen-Angriff auf das zentrale Bw-Feldlager "Camp Warehouse". {Hier und da kann man sich vom präsumtiven Tod noch absentieren - oder?} Tabelleritis: Haushalt 2005 10. Sept. 2004 Wenn einem gar nichts mehr einfällt, macht man eine Tabelle: Militärische Beschaffungen in den Unterkapiteln des Epl. 14 (als pdf.) Hätte man analytische Fähigkeiten, könnte man Trends in der Bundeswehr prognostizieren. Das Datenwerk gibt aber eher eine "normale" Fortschreibungslinie her. Nicht, dass wir uns durch einen sachkundigen Rat vom Gegenteil überzeugen liessen. {Man ahnt, dass man nix ahnt} Verrat: durcharbeiten 9. September 2004 Beachtenswert ist schon, was die "Washington Times" als Dreiteiler gestern zu veröffentlichen begonnen hat: Ihr verteidigungs- und sicherheitspolitischer Experte Bill Gertz hat das Buch "Treachery" (Verrat) geschrieben: "How America's Friends and Foes are Secretly Arming our Enemies"; der erste Auszug (5 S.) handelt die "French Connection" ab: Vor allem die mit persönlichen Schicksalen verbundenen Details werden Amerikaner aufregen:
Die abstrakten Daten sind nicht weniger problematisch:
Natürlich vermerkt Bill Gertz auch das Dementi des Sprechers des französischen Aussenministeriums, allerdings auch das Zitat des republikanische "House"-Parlamentariers und stellv. Vorsitzenden des Verteidigungs-Ausschusses, Curt Weldon (Pennsylvania): Ganz locker hat sich U.S.-Aussenminister Colin Powell vor seinem Paris-Besuch im Mai 2003 mit der Problematik auseinandergesetzt: "It did occur. But we are going to work through that." Das Powell'sche "work trough that" klingt einwenig nach Durchwurschteln. Anderseits denkt man an These 5 der rheinischen Strategie: Was fott is, is fott (Was weg ist ...). Oder ist das eher These X des rheinischen Frohsinns: Imme wigge (immer weiter)? {Die U.S.-Strategie stammt aus dem Rheinland} Op-ed: Master-Mind 8. September 2004 Wenn man sich das Meinungs-Getöse anlässlich des mit einer bisher kaum wahrgenommenenen Brutalität durchgeführten Massakers durch die Terroristen in Beslan anhört, dürfte man hilflos sein. Zu welcher Seite neigt man? Gibt es, nicht nur für Tschetschenien, die so flehentlich angebotene "politische" Lösung des Konflikts? Kann einfaches Nachdenken eine gewisse Klärung bringen? Die analytische Tortour beginnt mit der Feststellung, dass bestimmte Probleme oftmals gar nicht gelöst, sondern wenn, dann höchstens gelindert werden können. Zweitens darf man sich eigentlich freuen, dass (spezifische) Probleme auf der Zeitachse "sterben" (z.B. der Sowjet-Kommunismus, der Hitlerismus oder der Japanismus). Dittens scheint es eine kurzweilige Hedonismus-Welle zu geben, die den Menschen für ein Jahrzehnt (oder so) ein glückliches Friedens-Gedusel beschert. Die Referenz-Werte für die alltägliche Medien-Erbauung, gesponsert durch die "Lösungs"-Versprechen eilfertiger Politiker, TV-Kommentatoren und sonstiger Experten sind aber anderer Natur:
Es muss eine neue Verschwörungs-Theorie entwickelt werden:
Den Status des finalen Terrorismus kann man sich sehr leicht vorstellen: Jeder gegen Jeden. {Mastermind: Du wählst} Projekt HIL: BRH-Unschuld 6.September 2004 Eines der wichtigen Reformvorhaben der Bundeswehr, die Neu-Ordnung der Heeres-Instandsetzungs-Logistik (HIL), unterliegt weiterhin der kritischen Auseinandersetzung, die durch die Stellungnahme des Bundesrechnungshofes (BRH) neue Nahrung findet. Mit Datum vom 26.7.04 hämmert der BRH dem BMVg auf sechs Seiten kritische Buchstaben-Verbindungen auf weissen Hintergrund. Zur Einordnung gehört, dass es sich hierbei immerhin um ein Volumen von sechs Mrd. EUR über einen Zeitraum von 8 Jahren handelt:
Wahrscheinlich ist sich der BRH nicht bewusst, dass er mit dem letztgenannten Hinweis ein ideologisches Eigentor geschossen hat. Wenn sich eine x-beliebige Instution ihre "Erkenntnis- und Beurteilungsfähigkeit" (erst Erkenntnis, dann Beurteilung) nur noch dadurch erhalten kann, dass sie "alles selber macht", hat sie weder das Subsidiaritäts-Prinzip noch die Wirk-Mechanismen einer modernen Dienstleistungs/Informations-Gesellschaft verstanden. Es ist trivial, Information mit Macht gleichzusetzen. Wenn dieses Verhältnis irgendwann "entzerrt" wird, ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. {Information ist recht unschuldig - missbrauche sie nur} Minister Peter Struck: Sommer-Kehraus 1. September 2004 Zum Abschluss seiner "Sommer-Reise" zu verschiedenen Bundeswehr-Institutionen hat Verteidigungsminister Struck sich am 31.8.04 die "Wehrtechnische Dienststelle für Kraftfahrzeuge und Panzer", die WTD 41 in Trier ausgesucht. Es hat gepasst, dass die damit verbundene Vorstellung von mehr oder weniger gepanzerten Fahrzeugen im Wahlkreis-Umfeld von Finanz-Staatssekretär Karl Diller und der im Haushaltsausschuss für Verteidigungs-Gelder zuständigen Abgeordneten Elke Leonhard (Manderscheid) stattfand. Deshalb konnte man verschmerzen, dass die Bild-Übertragung vom Übungs-Gelände durch die unbemannt fliegende Aufklärungs-Drohne LUNA ausfiel und beim Absetzen des Kampftruppen-Kleinlasters vom Typ MUNGO durch einen CH-53-Hubschrauber ein "Türke" gebaut wurde; der MUNGO wurde - aus Gründen der Zeit-Ersparniss - nicht wirklich heli-transportiert, sondern fuhr aus einer verdeckten, prädisponierten Position. Wirklich spannend war die angekündigte "Abschluss-Presse-Konferenz" des Ministers. Für ein Fazit nach 14 Tagen Truppen-"Urlaub" war das Statement relativ kurz und "struckig":
Aufheizend wird eine Presse-Konferenz erst nach Eröffnung der Frage-Runde:
Rein deutsch-demokratisch sollte man meinen, dass es genügend zu kehren gäbe vor der eigenen Haustür. {Es ist so schön, vor der Haustür Anderer zu kehren} Rheinmetall: Ratzeputz 11. August 2004 Durch die Vorab-Meldung des SPIEGEL haben sich auch das HANDELSBLATT und FINANCIAL TIMES Deutschland mit der wilden Geschichte beschäftigt, dass der grösste deutsche Rüstungs-Konzern RHEINMETALL zum Verkauf stehe (Börsenwert derzeit 1,15 Mrd. EUR). Die Investmentbank Goldman Sachs, Ratgeber der über 42 % Anteile verfügenden Familie Röchling, habe "vorgefühlt", ob es bei grösseren Finanz-Investoren ein Interesse gäbe. Die Liste der genannten Investor-Kandidaten ist ellenlang: Cerberus, Carlyle, Blackstone, KKR, Premira, BNP Paribas; allerdings fehlt Wiser-Pratte, die für Rheinmetall schon erfolgreich tätig waren. Eilig waren Bundestags-Abgeordnete zur Stelle, die den o.a. Zeitungen antworteten, dass ein Verkauf der Rüstungsschmiede "nicht in deutschem Interesse" läge; die FTD erfuhr gar aus Regierungskreisen, dass selbige mit einem Veto drohe, was seit kurzer Zeit gesetzlich möglich ist. Es sprechen allerdings eine Reihe von Indizien dafür, dass die "vorfühlende Goldman Sachs"-Geschichte inszeniert wurde:
Aus diesem Desktop-Puzzle ergibt sich, dass diese wilde Rheinmetall-Geschichte auch ein eigen-initiiertes Spiel über die Polit-Bande sein könnte, welches endlich zur Sortierung der deutschen Heerestechnik führt; man weiss, dass die nicht zu toppen ist. Ausserdem sollte auch der fröhliche Lagerfeuer-Chor nicht verstummen, der gern singt: "Nach jedem Rumms, nach jedem Knall - ein 'Ratzeputz' auf Rheinmetall". {Psychologische Kampfführung gehört nun einmal zur Unternehmens-Kultur} Sudan: ächt? 3. August 2004 Dank SPIEGEL-Online ist unser schlichter Verstand über die Zusammenhänge der erschütternden Vorgänge im Sudan (Darfur) aufgehellt worden. Die Autoren Falksohn, Puhl und Thielke haben auf vier Seiten alles ausgebreitet, was man wissen muss: Augenscheinlich wird aber doch wieder bewiesen, dass die Bösewichte - wie könnte es anders sein - in der U.S.-Regierung auszumachen sind:
Diese U.S.-Öl/Blut-Spur wird in dem Artikel allerdings verstörend konterkarriert:
Wir sind zu naiv - und die Amis sind so klug (was auch wieder nicht sein kann - sie sind halt $-schlau) und "spielen über Bande" - x-fach:
Wir verstehen es einfach nicht, dass diese doch so klar auf der Hand liegende Sudan-Erklärung nicht eingesehen wird. Hat unser Aussen-Joschka das alles bei seinem Khartum-Besuch auch erkannt und seinem Freund Colin die Entzauberung des U.S. Billards wenigstens geblinkert? Mit Sicherheit - denn er ist ja (wie auch immer eingeführt?!) im Gespräch als Nachfolger von Kofi Annan! {Ächt überragende Intelligenz verortet die Verschwörer intuitiv} John Forbes Kerry: beistehen 2. August 2004 Seit John F. Kerry's Parteitagsrede (Boston, 7/29) dürfen wir uns ausmalen, was sicherheitspolitisch eventuell ab Januar 2005 auf uns zukommt; Demokrat J.F.K will:
In Sachen Irak "weiss" John Kerry, "was zu tun ist". Amerika brauche einen Präsidenten, der die "Glaubwürdigkeit" (credibility) habe,
Natürlich werden die europäischen Kultur-Päpste auch die S. 9 (oben) der Kerry-Rede durchdenken und sich fragen, ob der Präsidentschafts-Kandidat in der die Sicherheitspolitik möglicherweise überwölbenden Frage nach dem ALLMÄCHTIGEN - hier in der Beziehung zur vielleicht zu besänftigenden Anschauung islamischer Suizid-Terroristen - eine Alternative bietet. Gegen die dem Amtsinhaber unterstellte Version des "God is on our side" will John Kerry, frei nach Abraham Lincoln, "bescheiden, demütig" (humble) predigen, dass die Amerikaner "on God's side" stehen. U.E. ist eine solche "Differenzierung" problematisch, weil wohl wenig DiesIrdische den Unterschied in der kriegerischen Praxis so recht erkennen können oder wollen. Und der Nachsatz ("And whatever our faith ...") ist auch recht problematisch. Der Ursprung - Johannes 15.13 - wird doch sehr freihändig (für "Ungläubige") vergeben. Etwas richtig bissiges haben die Schreiber auf www.johnkerry.com selbst geliefert. Auf der Website findet man unter dem Stichwort "National Security" auch die Abteilung "Democracy, Development, Human Rights, and Rule of Law". Dort heisst es:
Wir lernen daraus, dass die under-class entweder kein Auto besitzt oder durch die steigenden Benzin-Preise nicht belastet wird (wir finden das noch heraus). Man hat noch genügend Zeit, wenigstens herauszufinden, auf welcher Seite wieviele Wähler stehen. {Besser stehe man uns bei, als das wir!} UK-Aussen-Politik: schön 30. Juli 2004 Sorry, wenn wir schon wieder unsere britischen Freunde loben. Die Aussenpolitiker haben einen 181-seitigen Bericht zu den "Foreign Policy Aspects of the War against Terrorism" vorgelegt, den wenigstens die "Experten" gelesen haben sollten: Auf 11 Seiten (S. 4 - 15) werden 74 "Schlussfolgerungen und Empfehlungen" gegeben, die man überfliegen sollte; immerhin werden die Themen-Bereiche Irak, Afghanistan, Pakistan, Russland, Israel/Palästina sowie internationale Fragen ausführlich abgehandelt. Durch - was auch immer - ist uns die Ziffer 228 (S. 81) aufgefallen: Der NATO-Test Afghanistan ist dem Fehlschlag gefährlich nahe. U.E. ist schon lange ein "NATO-Essay" fällig, welches den zu differenzierenden Abgang vom "alten Denken" zum "Irak"-Modell beschreibt (coalition of the willing). Gerade unter einem U.S.-Präsident John Kerry sollen die Alliierten an ihren Eselsohren in die unveränderte U.S.-Führungsrolle gezogen werden (haben wir gerade von seiner Nominierungs-Rede in Boston vernommen). Alles Gezerre und Geschreie hat ja seine Gründe: Oh weh, wenn man selbst nicht mehr so wichtig ist; es gelten die gleichen Gesetze wie im Show-Bizz. Von der "Grund-Formel" für die "einfache" Erklärung der Sicherheitspolitik sind wir noch immer entfernt - sie darf nur einfach sein - und ist schön. {Auch für die Weltformel gilt: Sie muss schön sein} UK-Defence: Hunde 29. Juli 2004 Die britischen Parlamentarier im Verteidigungsausschuss haben wieder belegt, dass sie ihr Geld wert sind. In ihrem 6. Report der Sitzungs-Periode 2003-04 (57 S.):
{Erst wach sein - dann bellen - und bitte nicht beissen} P.S. Sorry, wir finden schon selbst nicht mehr den letzten Beitrag zum Thema U.S./EU-Rüstungs-Kooperation; unter dem Stichwort DTSI haben wir aber dazu genug gekaspert. Nachtrag 30. Juli 2004: Noch eine britische "Ehrenrettung": Auf CNN haben wir aufgeschnappt, dass der britische Verteidigungsminister Geoffrey Hoon seinem amerikanischen Amtskollegen Rumsfeld einen sehr gepfefferten Brief in Sachen Rüstungs-Kooperation geschrieben hat (analog unserer o.a. "wecken Hunde"-Bemerkung). So sorry - oder Anerkennung: die Briten führen schon wieder, 1:0 Aussenminister Joschka Fischer: "globales Ressourcen-Management" 26. Juli 2004 Wenn Aussenminister Fischer den Sommer und den Wochen-Anfang so leicht nehmen, wie im "Sommer"-Interview mit dem ZDF dokumentiert, http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/20/0,1872,2147668,00.html ,
Wenn jemand in einem freien Interview das Mords-Konzept vom "globalen Ressourcen-Management" durch die Vereinten Nationen absondert, sollte man Nachsicht haben. Wer diese typisches Gut-Menschen-schlag-sie-tot-Argument aber mit Zeit zum Nachdenken propagiert, muss zur Strafe seine Doktor-Arbeit zum Thema "Spannungsbogen zwischen Art. 1, Abs. 2 und Art. 1, Abs. 3 der U.N.-Charta angesichts aktueller Krisen" verfassen. Der Trost bei der Übung ist, dass (zur Strafe) diese Ergüsse niemand liest. {Schreiben macht Spass - wenn es niemand liest} 9/11+: Imagination (+ Nachtrag 26.7.04) 23. Juli 2004 Heute ist es nicht damit getan, nur den Bericht der 9/11-Kommission abzuladen, sondern auch:
Die fernen Antipoden in Australien liefern auch guten Lesestoff:
U.E. zeigt die Arbeit der 9/11-Kommission in den U.S.A. einen kulturellen Aspekt der politischen Kultur, der bedenkenswert ist. Nicht unbedingt während der Anhörungen, aber bei der Präsentation des Berichtes und im Bericht selbst zeigt sich ein deutliches Bemühen um Über-Parteilichkeit, sprich Sachlichkeit: Nachdrücklich wollte man niemandem die "Schuld" (blame) zuschanzen, weil man es aufgrund der Sachlage gar nicht vermag (nach der von uns mitgekoppelten deutschen TV-Bericht-Erstattung war natürlich wieder Präsident Bush der zu blamierende). Man sollte wenigstens die ca. 16 S. der "Executive Summary" lesen. Während der auf CNN übertragenen Presse-Konferenz wurde das "Baron"-Syndrom deutlich: Kein Mächtiger will zu Diensten der Sache auf seine "Pfründe" verzichten. Und das Titel-Schlagwort des Berichtes ist "Imagination". Es sollte wenigestens Schlagwort des Jahres werden. Ist "Imagination"
Ist fehlende Vorstellungskraft ein Kennzeichen der "modernen Welt"? Wahrscheinlich, weil die Fantasten auf die Millionen Aids-Kranken, die Waffen- und Drogen-Dealer, die Kinder-Soldaten und auf die Hungernden/Mordenden - derzeit Sudan - verweisen. Die Vorstellungs"kraft" für den globalen Situations-Report reicht nicht wirklich. {Stell Dir vor, wie es ist - dann gehst Du nicht hin - und es kommt nicht zu Dir} Nachtrag: Wie eine nicht ganz unwichtige Meldung von den Medien-Gesetzen plattgewaltzt werden kann, zeigt: Was gestern noch wochenlang die Welt erhitzt hat, soll nun ganz schmählich begraben werden. Gerry J. Gilmore vom vielleicht nicht ganz so unparteilich erscheinenden "American Forces Information Service" berichtet, dass "Army Secretary Les Brownlee" dem U.S. Senate, Armed Services Committee, einen Report über die Untersuchung der Misshandlungen/Folterungen - Stichwort Abu Grahib - präsentiert habe, der einige "bad apples" and a lack of proper supervision" für die ganze Aufregung ausmacht. Wir würden gern die "Public Diplomacy"-Strategen dieser Geschichte übers Knie legen: Weil sie den "IG-Report" nicht gleichzeitig ins Netz gestellt haben. Thank You, Gerry! Nachtrag 26. Juli 2004: Die absolute Referenz-Website www.globalsecurity.org des Ex-Machers von www.fas.org , John Pike, hat am vergangenen Freitag schon den IG-Report gehabt: Für die Abu Grahib-Geschichte ein Muss! {Laden, Lesen und?} Heimatschutz: Kuddel-Muddel? 22. Juli 2004 Der Bundesfachausschuss "Sicherheitspolitik" der CDU hat am 28. Juni 2004 unter Vorsitz von Friedbert Pflüger, MdB, sein 16-seitiges "Gesamtsicherheitskonzept zur Verzahnung der inneren und äusseren Sicherheit" vorgestellt:
Wer würde es wagen, aus dem gesammelten Kuddel-Muddel eine (r)evolutionäre Empfehlung abzuleiten? {Die Politik weiss alles - und ich bin so gnadenlos blöd} Weblog: frivol 21. Juli 2004 Gestern haben wir uns noch urlaubsreif gefühlt - heute glauben wir, uns nur noch mit WebLog-Technik helfen zu können:
Es ist so schön, dass man sich aus dem Lauf der Geschichte aussuchén kann, was man mag. Ob die frivole Wahl überlebt, wird sich zeigen. {Weblogging ist geil: G. ist dabei} U.K.-Intelligence: kocht 15. Juli 2004 Für 0,99 Megabyte Speicherplatz sollte man noch Raum finden, denn der Bericht des "Rt Hon The Lord Butler of Brockwell KG GCB CVO" über die "Review of Intelligence on Weapons of Mass Destructions" gehört zu den Referenz-Dokumenten des Irak-Krieges: Was wir in Stunden gelesen haben, ist für den britischen Geheimdienst doch recht schmeichelhaft:
Fragt sich nur, ob der deutsche Bundesnachrichtendienst jemals seine Ergebnisse gutachterlich untersuchen lassen muss. Lesenswert dazu ist der Bericht von Jochen Bittner in der ZEIT (29/2004), "Pullachs Saddam-Dossiers" ( www.zeit.de ). Immerhin ist erkennbar, dass der BND dann aktive Öffentlichkeitsarbeit betreibt, wenn die Chance zur Weisswäsche zu wittern ist. Nicht zu vergessen sind die Koch-Rezepte auf www.bundesnachrichtendienst.de . Daran kann man erkennen, was deutscher Vorsprung ist: {Der BND kocht - leider keine Buchstaben-Suppe} Web-Log: Idiot 14. Juli 2004 Was soll man heutzutage sicherheitspolitisch kommentieren (Web-Loggen)?:
Wohin man auch immer blickt: Der wahre Gegensatz in der (Sicherheits-)Politik liegt zwischen den die 100%-Lösung gesundbetenden Marketing-Clowns und den Ressourcen-Buchhaltern, denen ausserdem die menschlichen Herrschafts-Grenzen wohl bewusst sind. Medien-politisch korrekt lautet die Formel dann: Wer "Lösungen" von sicherheitspolitischen Problemen verspricht, ist ein Faschist. Analytisch korrekt wäre: er ist schlicht ein Idiot. {If in doubt, find it out} Airbus (A400M): Irrtum? 13. Juli 2004 Auf den Fluren des Verteidigungs- und des Wirtschaftsministeriums sowie der Zulieferer-Industrie diskutiert man derzeit die neue Strategie von Airbus Industries, augenscheinlich französischer Herkunft:
Für die analytische Beurteilung der Airbus-Strategie sind derzeit zwei Varianten festzustellen:
Es ist ja nicht so, dass wir uns intelligenteren Erklärungen des Vorgangs verschliessen würden. Darauf warten wir - nur zu. {Selten ist das Gegenteil des Irrtums die Wahrheit} EU-Rüstung: Unrecht? 12. Juli 2004 Wahrscheinlich ist es keine Epidemie, dass schon wieder eine Studie zur "Rüstung in Europa" erschienen ist. Joachim Rohde, Altmeister im deutschen Vorzeige-Denk-Panzer "Stiftung Wissenschaft und Politik" in Berlin ( www.swp-berlin.org ), hat sich dazu mit dem Untertitel "Zwänge und Optionen zur Optimierung euroäischer Rüstungsprozesse" über 28 Seiten ausgelassen. Natürlich kann man diese Arbeit nur dann kritisieren, wenn man sich selbst auf die Höhe der Gralshüter der Strategie der Sicherheitspolitik Europas (wenn nicht der Welt) positioniert; wir bringen das locker:
Gerade an diesem ungenannten Punkt fängt die Analyse an:
U. E. tut es noch nicht richtig weh. Alle Beteiligten sitzen noch in ihren Lehnstühlen, aus denen sich das entsprechende Getränk trefflich schlürfen lässt. Die Erklärung ist recht einfach: Wen interessiert das? Man ist unter sich - kein Wähler in Sicht. {Dem Wollenden geschieht kein Unrecht} ESVP-Studie: Action 8. Juli 2004 Über 288 Seiten hat das "Institut für europäische Politik" (IeP, Berlin) die "Möglichkeiten und Grenzen der Integration von Streitkräften in der Europäischen Union" untersucht. Beachtlich ist die Studie vor allem deshalb, weil die Autoren Diedrichs, Jopp und Sandawi sie im Auftrag des Planungsstabes des Bundesverteidigungsministeriums verfasst haben mit der Ziel-Beschreibung, "politisch operationalisierbare Vorschläge für den Planungsstab des Bundesverteidigungsministeriums zu erarbeiten, die dazu beitragen sollen, Impulse für den europäischen Integrationsprozess auch auf dem Gebiet der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) zu liefern." Im Kern verzeichnet die IeP-Studie auf 30 Seiten eher Möglichkeiten denn Grenzen:
Was die europäischen Vorschläge angeht, darf man als kritischer Realist eher von einem visionären EU-Optimismus der Autoren ausgehen. Brisant politisch dagegen ist das Feld der Vorschläge zur "deutsch-französischen Initiativ-Funktion". Bettet man sie in die vermutete strategische Stoss-Richtung der französischen Sicherheitspolitik ein, müsste man um eine Übersetzung der IeP-Studie ins französische bitten, und dass das Bundeskanzleramt aus dem Vorschlags-Set eine Demarché ableitet, die die französische Regierung von ihrem hohen anti-deutschen Ross herunterholt (der deutsche "Einfluss" in Paris kann nur dann fruchten, wenn die Franzosen ihre eigene strategische Ressourcen-Finalität erkennen - die haben allerdings auch recht, wenn sie auf die deutsche Malaise hinweisen). Wenn man sich allerdings in den grossen Lehnstuhl der Strategen setzt, schaut man auf das als ewig erscheinende Gefecht der Atlantiker und Gaullisten, wobei man eine deutliche Zunahme der europäischen Deklaratoriker verortet. Fehlt bloss noch die Action! {Ich sage, also mach' ich} BMVg-Finanzen: verwirrend 7. Juli 2004 Die stille Freude der Verteidiger, dass die magische 24 für den Verteidigungshaushalt gerettet werden konnte, schmilzt schon dahin. Freunde wissen schon, dass der als "hässlich" geltende Einzelplan 60 (Allgemeine Finanzverwaltung) des Bundeshaushaltes 2005 eine "Globale Minderausgabe" in Höhe von 1 Mrd. EUR vorsieht. Logisch, dass der Betrag bei allen Fachministerien - rasenmäher-mässig - eingesammelt wird. Nun darf man analysieren, welchen Beitrag das BMVg für die Eichel-Kollekte zusteuern darf:
Irgendwann, wenn der Epl.60-Krieg zu Ende ist, Minister Eichel seinen schon jetzt avisierten Nachtrags-Haushalt präsentiert, wird man den Übergang zum Verteidigungshaushalt 2005 in neuen Zahlen erleben. Nur diese elenden Miesmacher werden behaupten, dass die Vierundzwanzig nicht überlebt. Aber gemach: Mit dem Totschlags-Begriff (buzz-word) "Transformation" kann man alles einfangen. {Sun Tsu sagt: "Du musst nur den Gegner verwirren!"} "Fahrenheit 9/11": Fleiss-Arbeit 7. Juli 2004 Einer unserer alten Freunde hat uns den Hinweis auf eine Fleiss-Arbeit gegeben, die sich intensiv mit Michael Moore's "Fahrenheit 9/11" auseinandersetzt: Vor einiger Zeit hat uns ein Moore-Fan, Oberst im Führungsstab des BMVg, gefragt, ob wir das Machwerk lesen würden - never ever. Wir bewundern diejenigen, die sich auch noch die Mühe machen, eine dezidierte Kritik zu schreiben - und glauben, dass das jemand liest. {Man muss nichts lesen, um etwas zu wissen} UK-Defence: Es ist 6. Juli 2004 Es ist nicht das erste Mal, dass wir der Arbeit britischer Parlamentarier in Sachen Verteidigungspolitik gern tiefen Respekt zollen. Das "Defence Committee" des "House of Commons" hat sein "Defence White Paper 2003" (74 S.) vorgelegt, welches zu der Zeit 2003 - 2004 Stellung nimmt: Ernsthaft und kritisch analysieren die britischen Verteidigungs-Politiker anhand der Grundsatz-Dokumente der Regierung und der Praxis, wo mögliche Defizite zu verorten sind. Dabei wird eine Sachlichkeit gepflegt, die in Defence-Intellektuallität auszuarten droht. Wer von deutschen Network-centric-Jubel-Vorträgen eher genervt ist, findet bestätigt, was "very british" bedeutet, vor allem in Kapitel 4:
Wenn britische Parlamentarier so Verteidigungspolitik diskutieren, fragt man sich nach der deutschen Debatten-Kultur. Welches - (un)heimlich von dem oder jenem finanzierten - Forum wäre wohl willens (und in der Lage), sich selbst auf diesen Prüfstand zu wagen? Es muss doch so etwas wie die kontinental-europäische Kultur geben. Während die Briten richtig laut nachdenken, wissen die Franzosen sowieso, was sie wollen. Und die Deutschen wissen halt alles besser. {Ät is, wie ät is - es ist, wie es ist}
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