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Alltagsrealitäten

Fergusson in Chak

Der britische Journalist James Fergusson returns war aktuell in Chak,nur 40 Meilen von Kabul entfernt und musste feststellen, dass die Macht der Taliban viel größer ist, als die ISAF Führung und die Allianz zugeben möchte. Zwischen seinem aktuellen Besuch und seinem davorliendem waren drei Jahre vergangen. Damalsn traten die Taliban in dem Distrikt Chac mit seinen 112.000 pasthunischen Bauern nur im Schutz der Dunkelheit auf, das hat sich grundlegend geändert. Der örtliche Taliban Kommandeur, Abdullah, hat alles unter Kontrolle. Die Karzai Regierung hat den Dirstrkt aufgegeben und den Taliban überlassen. Abdullah zieht Steuern von den Bauern ein und nutzt die alten Stationen der Regierungstruppen, die Schriftzüge "Islamic Republic of Afghanistan" sind ausgewechselt gegen "Islamic Emirate of Afghanistan" in Anlehnung an den Emier, den geistigen Führer der Taliban, Mullah Omar.

Das erstaunliche daran und für das NATO Treffen in Lissabon beunruhigende ist, dass Chac eben nicht im umkämpften Kandahar oder Helmand liegt, sondern eben 40 Meilen vor Kabul. Führt man sich vor Augen, dass es hunderte solch abgeschotteter, ländlicher Bezirke gibt, klingt das nicht vielversprechend hinsichtlich der NATO Taktik. Sind Bezirke "gesäubert", verliert man sie aus den Augen und die Taliban kehren gemütlich zurück. Da hilft auch kein ausgesetztes Kopfgeld wie die 500.000 Us-Dollar bei Abdullah. "Kabul beherrscht nur einen Kreis um die Stadt, der rest gehört den Taliban", führte Abdullah gegenüber Fergusson aus. Die Situation scheint Wirkung zu haben, denn Abdullah erzählte auch stolz, dass 30 Mitglieder der Afghanischen Nationalen Polizei mit zwei LKWs, vollbeladen mit schweren Waffen, zu den Taliban übergelaufen sind.

Abdullah, so berichtet Fergusson weiter, war früher Student am Polytechnikum, hat sich aber dann zu einem der begabesten Bombenattentäter entwickelt. Auf dem Kabul-Kandahar Highway ist sein Revier. Unvergessen bleibt ihm eine Nacht auf dieser Haupttransportroute der ISAF Truppen, in der er 81 Tanklaster "geschafft" hat.


Immer mit dabei, sein Stellvertreter, der dem staunenden Fergusson ins Mikrofon sprach: "Am Anfang waren wir noch beunruhigt, weil man viel über die Macht und Technologie der US Truppen hörte, aber mit einigen Maßnahmen, wie sechs mal pro 12 Stunden die Position wechseln und jede Kommunikation per Funk oder Mobile Phone immer unter einer Minute kann man das Problem lösen."

Das Beunrugenste für Abdullah sind Spione, Verräter aus den eigenen Reihen. Deshalb wertet die Zentrale in Pakistan auch noch die wikileak Unterlagen aus, um den einen oder anderen auszufiltern und zu hängen. "Wir haben aus den Unterlagen allerdings schon jetzt viel gelernt hinsichtlich der Taktik von ISAF Truppen", freut er sich und lässt Fergusson weiter wissen, dass die Taliban nicht aufgeben werden, bis alle Westtruppen abgezogen sind. Was ihn am meisten verwirrt, so berichtet Fergusson, ist die Aussage von Petraeus, dass die NATO in Afghanistan die Re-Etablierung von al-Qaida verhindere. "Das ist verblüffend", sagt Abdullah. "Es hat bei uns ein paar fremde Kämpfer gegeben, Araber, Tschechen und Pakistani, aber sie kämpfen für uns, unter unserer Leitung. Aber einen al-Qaida Kämpfer habe ich in den sieben Jahren, die ich jetzt in allen Teilen des Landes gekämpft noch nicht gesehen, keinen Einzigen."

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