Skip to main content

Auftrag für TALARION?

Nationale UAV-Fähigkeit: Los

Weil wir den "Koalitionsvertrag" der die neue Bundesregierung bildenden Bundestagsfraktionen von CDU, CSU und FDP zunächst fachidiotisch gelesen haben, wäre uns beinahe eine wichtige Passage aus dem Kapitel 4.3, "Neue Technologien, Industrieland Deutschland" (S. 25) abhanden gekommen:

  • "Wir werden die Luftfahrtindustrie und ihre innovativen Technologien nachhaltig fördern, um so zum Erhalt und zur Steigerung der technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands beizutragen. Die nachhaltige Sicherung und der weitere Ausbau der eigenständigen nationalen (!!) Fähigkeiten auch im Bereich der Luftfahrtindustrie - insbesondere zukünftiger unbemannter Luftfahrtsysteme - sind unabdingbar."
    Zunächst läuft man Gefahr, als naiv eingestuft zu werden, wenn man die Aussagen des Regierungsprogramms für die nächsten 4 Jahre allzu ernstnehmen würde. Wir meinen aber, dass man die Wirklichkeit hinter diesem ambitiösen Text so decodieren kann:
  • Was hier im Koalitionsvertrag als "unabdingbare" Technologieförderung am Standort Deutschland beschrieben wird, hat überwiegend militärische Bedeutung (wer bezahlt? BMVg oder BMWI);
     
  • Schamhaft versteckt sich die triviale Erkenntnis, dass nicht nur die U.S.A., sondern der "Zwerg" Israel seit langem die Technolgie unbemannter Luftfahrtsysteme (UAV = Unmanned Aerial Vehicles) souverän beherrschen, während die gesamte europäische Luftfahrtindustrie rein gar nichts zu bieten hat.

Man kann lange darüber diskutieren, ob die Europäer (speziell die Deutschen) in dieser "Nische" auch unbedingt auf "Augenhöhe" präsent sein müssen. Man kann das bejahen, muss sich aber der Konsequenzen im Klaren sein. Wenn angesichts knapper Kassen "High-End"- Technologie gefördert werden soll, muss sie aber wenigstens "state of the art" sein.

U.E. kann man den Zusammenhang aus dem Text des Koalitionsvertrages ganz konkret in die Wirklichkeit herunterbrechen:

  • Im Januar 2007 präsentierte Karl-Friedrich Weitzel erstmals öffentlich das Konzept eines "Advanced UAS" der EADS (nachzulesen in dem "Kompendium" der DWT). Einige Änderungen hat dieses Konzept seit dem schon erfahren;
     
  • Mit einer mit knapp 60 Mio. EUR dotierten "Risk Reduction"Study", beauftragt von D, F und Sp., reüssierte das Projekt 2009 zur Nr. 1 der europäischen UAV-Szene (zumindest in D - weil es eigentlich ein "deutsches" Projekt ist);
     
  • Beim 100. Pariser Aerosalon (Juni 2009) hing ein 1:1-Mockup des nun auf den Namen TALARION getauften UAS im EADS-Stand. Stefan Zoller, Chef der Militär-Abteilung der EADS, versprach, für 1,5 Mrd. EUR die Entwicklung und die Lieferung von 15 Systemen an D, F und Sp bis 2015/16 abzuwickeln;
     

Mitte nächsten Jahres wird die EADS in Sachen "zukünftiger unbemannter Luftfahrtsysteme" ganz konkret mit einem TALARION-Vertrag auf der Matte stehen.
Bis dahin sollten sich die Koalitionsfraktionen aber in Ruhe überlegen, ob (und welche) Vorbedingungen sie ihrem Haus- und (weniger Hof) -lieferanten stellen sollten.

Die Referenz-Adresse für UAV ist zweifelsohne GENERAL ATOMICS. Nach den Modellen PREDATOR und REAPER haben sie im April dieses Jahres den AVENGER (PREDATOR C) auf den Erstflug geschickt. Für uns sind seine Daten Referenz für die Beurteilung des TALARION:

  • Die Quintessenz der Konzeption schlägt sich u.E. in der schlichten Grösse der "Pay Load" nieder (Aufklärungs- und Datenlink-Paket, und Waffen?), die einen überbordenden Bedarf in die Zukunft haben):
    - TALARION sagt: "Internal Payload > 800 kg" (external 1.000 kg);
    - Über AVENGER wird berichtet: "Internal Payload": 1.360 kg.
     
  • Endlos palavern könnte man darüber, ob ein weit in die Zukunft reichendes UAV nicht wenigstens im Ansatz seine Radarsignatur (stealth) reduziert (hat ein "state-of-the-art-Flugmuster" nicht wenigstens ein V-Leitwerk?), ganz zu schweigen von klappbaren Flügeln der Spannweite von 28 m (BOEING 737) oder einem blöden Fanghaken für die mögliche Verkürzung von Landungen auf seltsamen Plätzen?).

So man der EADS-Lobby weiter hinterher trotten will, unterschreibt man das Zoller-Begehren; ambitiös ist das keinesfalls.

{Gehe nicht über Los - ziehe keine 1,5 Mrd. EUR ein}
 

Jetzt kommentieren:

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen

Weitere Artikel

  • Zum (wahrscheinlich) wohlverdienten Wochenende sollte man sich leichte Literatur mitnehmen, um sie ordentlich einzuspeisen:

    • Hugh White hat in "The Australian" eine ansehnliche 5-Punkte-Kritik am McChrystal-Papier geschrieben (nur 2, aber dichtgepackte Seiten):

    http://www.lowyinstitute.org/Publication.asp?pid=1162

    • Die Darstellung des "Government Accountability Office" (GAO) über die Sicherheitslage in Afghanistan gibt grundlegende Fakten:

    http://www.gao.gov/new.items/d10178r.pdf

  • Sorry, wir haben gestern in Bonn richtig Arbeitszeit verloren, was aber nicht heisst, dass es sehr schön war.

    Deshalb heute nur ein kurzer Hinweis auf eine 3-teilige Studie, die der grosse Meister Anthony H. Cordesman beim CSIS aufgelegt hat, über die "Uncertain Lessons" der U.S.-Kriege in Afghanistan und dem Irak:
    http://csis.org/publication/shape-clear-hold-and-build-uncertain-lessons-afghan-iraq-wars (im Text sind die Links zu dem Dreiteiler "verborgen").

  • Die gestrige Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem U.S.-Parlament darf man schon als gelungene Werbeveranstaltung für die "Mittelmacht" Deutschland betrachten, so man überhaupt auf eine gewisse Reputation beim amerikanischen Bündnisführer Wert legt:
    http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Rede/2009/11/2009-11-03-rede-merkel-usa.htm l

    Wenige Randnotizen erlauben wir uns:

  • Wenn es einen Dauerbrenner der sicherheitspolitischen Debatte gibt, dann ist es der über die transatlantischen Beziehungen. Was Jeremy Shapiro und Nick Witney für das "European Council on Foreign Relations" aufgeschrieben haben - passend zum heutigen EU/US-Gipfel -, ist ganz sicher die volle Aufmerksamkeit und gebührende Anerkennung wert:
    http://www.ecfr.eu/content/entry/towards_a_post-american_europe_a_power_audit_of_eu-us _relations_shapiro_whi

  • Sorry, es muss erlaubt sein, sich zu strategischen Fragen ein wenig in der Nase bohren zu dürfen, vor allem, wenn es andere sind. Im AFPAK-Gürtel tummeln sich diverse, pashtunische "Opposing Militant Forces" (OMF), die, aufgrund der Macht-Phantasien ihrer jeweiligen Führer, natürlich schwer unter "einen Hut" zu bringen sind. Unterstellt, dass es eine letztlich für alle um eine einsehbare "strategische" Stossrichtung geht, gibt es Einsichten in die "wirkliche" Lage (abgegriffen von der aktuellen Medien-Lage):