Die FAZ beschäftigte sich aktuell mit der Rolle von Mahmud Dschibril. Der französische Präsident Sarkozy und die amerikanische Außenministerin Clinton empfingen Mahmud Dschibril schon, als wäre in Libyen Revolutionsführer Gaddafi nicht mehr an der Macht. Bisher war der 1952 geborene Wirtschaftswissenschaftler jedoch nur einer der beiden „Außenminister“ des nationalen Übergangsrats. Nun ernannte der Zusammenschluss der Gegner Gaddafis den Wirtschaftsreformer zum Chef der provisorischen Regierung, die bisher nur den Osten des Landes kontrolliert. Für sein neues Amt bringt Dschibril reichlich theoretische und praktische Erfahrungen mit. Nach dem Studium der Politik- und Wirtschaftswissenschaften in Kairo und in Pittsburgh lehrte er in den Vereinigten Staaten mehrere Jahre lang strategisches Planen und Entscheidungsfindung; fast ein Dutzend Bücher soll er zu diesem Thema veröffentlicht haben. Zudem unterrichtete er den arabischen Manager-Nachwuchs und beriet die Regierungen in Ägypten, Tunesien und Saudi-Arabien. Im Jahr 2007 kehrte Dschibril, der als ein Neoliberaler gilt, in sein Heimatland zurück. Es heißt, Gaddafis Sohn Saif habe sich dafür eingesetzt, dass er die Leitung des Nationalen Ausschusses für wirtschaftliche Entwicklung übernahm. Dessen Aufgabe war es, die Privatisierung der bisher staatlich gelenkten Wirtschaft voranzutreiben.
Was er in Libyen vorfand, muss Dschibril jedoch sehr ernüchtert haben: Die Chancen, das Wirtschaftssystem erfolgreich zu reformieren, habe er bald als gering bezeichnet, heißt es. Zugleich half Dschibril auch amerikanischen und britischen Firmen, in Libyen Fuß zu fassen. Besonders die Regierung in Washington forderte er immer wieder dazu auf, sich stärker in Libyen zu engagieren. Diplomaten schätzten Dschibril demnach als einen „ernsthaften Gesprächspartner“.










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