Die 2. Sommerakademie des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) fand vom 19. - 31. Juli in Bad Neuenahr-Ahrweiler statt. In diesem Jahr besuchen 143 Studierende von 46 Universitäten aus zehn Staaten die BBK-eigene Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ). 68 Dozentinnen und Dozenten aus dem In- und Ausland weisen die zukünftigen Führungskräfte des Zivil- und Bevölkerungsschutzes in die Materie ein. Die Themenvielfalt reicht vom Erkennen von Risiken über Stabspsychologie bis Entscheidungsfindung in Gruppen auf den jeweiligen Verwaltungsebenen.
Auch Risiko- und Krisenkommunikation, Internationale Humanitäre Soforthilfe sowie Konzernsicherheit stehen auf dem Programm der Veranstaltung. BBK-Präsident Christoph Unger zeigte sich hoch erfreut über den Zuspruch aus dem Ausland: „Wir waren anfangs etwas skeptisch, ob junge Menschen anderer Nationen ihre vorlesungsfreie Zeit opfern, um in Deutschland Bevölkerungsschutz zu lernen. Eine Anreise aus Kanada oder dem Kongo zeigt jedoch die hohe Wertschätzung, die Deutschland auf diesem Gebiet genießt.“
Auf das Miteinander-Handeln-Lernen wird großer Wert gelegt. Die Studierenden schlüpfen in Planspielen in die Führungsrollen von Krisenstäben der staatlichen Verwaltung und der Wirtschaft bzw. von Nichtregierungsorganisationen. Der Unterrichtsstoff basiert auf bereits stattgefundenen Ereignissen wie beispielsweise einem Stromausfall in Westeuropa oder einem Erdbeben in Zentralasien. Die zukünftigen Führungskräfte erleben, wie hochkomplexe, interdisziplinäre und mehrdimensionale Probleme in internationalen Gruppen aus Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen gelöst werden. Dazu bringen sie ihr Wissen aus 37 verschiedenen Studienfächern ein.
„Welcome to Rabiatistan“
Ein Beispiel dafür, was die Studenten auf dem Plan hatten, war das Beispiel „Rabiatistan“. Das Szenario: Demokratische Republik Rabiatistan, Zentralasien. 9.00 Uhr Ortszeit. Der Innenminister des Landes erwartet die internationalen Hilfsorganisationen, die er zur Besprechung der aktuellen Hochwasserkatastrophe eingeladen hat. Er trägt Gewand und Kopftuch. Links und rechts neben ihm sitzen ein Vertreter der Polizei und des Nationalen Katastrophenschutzes. Hinter dem Innenminister hängt hochoffiziell die Flagge von Rabiatistan, an der Wand prangt ein Foto des Präsidenten.

Die Übung „Hochwasserkatastrophe in Rabiatistan“ ist in vollem Gange. Sie findet innerhalb des Moduls „Internationale Humanitäre Soforthilfe“ statt, Acht Gruppen aus Studierenden spielen die Delegationen internationaler Hilfsorganisationen. Alle sind vorab mit Hintergrundinformationen zur Hochwasserlage und zu Rabiatistan versorgt worden. Das Gelände der BBK-eigenen Akademie für Krisenmanagement, Notfallvorsorge und Zivilschutz (AKNZ) verwandelt sich für einen Tag in die fiktive Republik in Zentralasien. Der Theorie vom Vortag wich dem Üben von Handeln.
Pünktlich treffen die Delegationen der Hilfsorganisationen im Ministerbüro ein. Unsicher wandert der Blick der Helfer durch den Raum. Die Situation ist ungewohnt, die Landessitten auch. Der Innenminister begrüßt in einer Ansprache die Hilfsorganisationen, die angereist sind, um humanitäre Hilfe in seinem Land zu leisten. Es folgen Informationen zur aktuellen Hochwasserlage und eine Vorstellungsrunde. Das Englisch holpert hier und da, doch dann ist es geschafft. Alle schlüpfen für einen Moment aus ihren Rollen. Die Vertreter der Hilfsorganisationen sind wieder Studierende, die politischen Köpfe Rabiatistans wieder Dozenten der BBK-Sommerakademie.
„Ist nicht so toll gelaufen“ wird geraunt, ganz glücklich wirken die Studierenden nicht auf ihrem Rückweg vom Ministertermin. In der ungewohnten Situation konnten sie nicht alles umsetzen, was sie sich vorgenommen haben. Doch ihre Dozenten sehen das anders. Schlecht geschlagen haben sich die Neulinge in der Humanitären Soforthilfe bei ihrem ersten „Einsatz“ nicht. Beispielsweise haben die Frauen an Kopftücher gedacht. Das ist sehr wichtig, denn Rabiatistan ist ein islamisches Land. Dem Polizeichef hilfsbereit einen Kugelschreiber zuzuwerfen, war weniger geschickt, wenn auch nett gemeint. Doch Zeit zum Gedankenaustausch ist später. Jetzt müssen eine Pressekonferenz und ein Treffen mit den Sicherheitsbehörden des Landes vorbereitet werden.
Im Büro der internationalen Hilfsorganisation ADRA in Rabiatistan herrscht reges Treiben. An den Wänden hängen Lagekarten, eine Karte von Rabiatistan, Kontaktdaten und eine Auflistung möglicher Probleme und Aufgaben. Die Helfer diskutieren lebhaft darüber, was von den vorhandenen Informationen zu halten ist. Ist das Land wirklich so sicher wie der örtliche Polizeichef behauptet? Die historische Feindschaft zum Nachbarland hat er den internationalen Helfern verschwiegen. Wie demokratisch ist die Demokratische Republik Rabiatistan wirklich? Und wie kann man vor Ort helfen, ohne die kulturellen Gepflogenheiten des Landes zu verletzen?
Ein Anruf beim Auswärtigen Amt könnte weiter helfen. Der Dozent, der ein Stockwerk tiefer den Hörer abnimmt, gibt Tipps. Zwar werden die Studierenden immer wieder ins kalte Wasser geworfen, doch allein gelassen werden sie bei der Sommerakademie nicht. Die zukünftigen Führungskräfte im Bevölkerungsschutz sollen behutsam an die Sache herangeführt werden. Als Einzelkämpfer kommt man nicht weiter. Schnell haben die Übenden gemerkt, dass die komplexen Aufgaben nur im Team gelöst werden können.
Die Herausforderungen der Übungen denen sich alle stellen müssen und auch das allabendliche Rahmenprogramm der Sommerakademie haben zusammengeschweißt. Man spürt den Teamgeist, auch wenn die Studierenden sich erst wenige Tage kennen. Das ist gut so, denn der Tag in Rabiatistan ist noch lang. Die nächste knifflige Aufgabe wartet schon ehe die Dozenten ihre hochpolitischen Ämter ablegen, die Hochwasserkatastrophe sich in Luft auflöst und der Schauplatz einfach wieder heißt: Sommerakademie an der AKNZ, Ahrweiler.
Fotos und Text:BBK Mehr erfahren zum BBK? Hier geht's weiter.










Jetzt kommentieren: