Der Schutz von militärischen und auch zivilen Luftfahrzeugen vor dem Beschuss durch schulterverschossene infrarotgelenkte Lenkflugkörper (MANPADS wie beispielsweise STINGER, STRELA oder IGLA) steht heute auf der Prioritätenliste ganz oben. Derartige Bedrohungen werden durch hochspezielle Missile Warning Systeme frühzeitig erkannt und durch geeignete Abwehrmaßnahmen effektiv bekämpft.
So war zur Erhöhung der Überlebensfähigkeit der ursprünglich für CSAR-Missionen optimierten NH90 LTH/SAR der Luftwaffe neben ballistischem Schutz (einschließlich selbstdichtender Tanks mit Inertgassystem) auch eine Erweiterung des Selbstschutzes um Infrarot-Gegenmaßnahmen (DIRCM – Direct Infrared Countermeasures) vorgesehen.
Die Maßnahmen zur Erhöhung des Eigenschutzes bei Luftfahrzeugsystemen gewinnt vor dem Hintergrund von laufenden Auslandseinsätzen weiter an Bedeutung. Ein Beispiel sind Hubschraubersysteme, die in Auslandseinsätzen einem gewachsenen Bedrohungspotenzial ausgesetzt sind, das heute als unberechenbar gelten muss. Die 24 für das spanische Heer im Dezember 2005 bestellten Kampfhubschrauber des Typs TIGER HAD (Helicoptero de Apoyo y Destrucción) werden von MBDA mit dem Selbstschutzsystem SAPHIR-M ausgerüstet. MBDA wurde von dem spanischen Unternehmen Indra Sistemas, das als Hauptauftragnehmer für die Integration der Selbstverteidigungssysteme fungiert, mit der Lieferung der Selbstschutzeinrichtungen beauftragt. SAPHIR-M gewährleistet umfassenden Schutz vor wärmesuchenden und radargelenkten Flugkörpern. In solchen Szenarien kann das System sowohl vollautomatisch als auch teilautomatisch zusammen mit dem von Indra Sistemas bereitgestellten Missile Warning System ALR-400 eingesetzt werden.
EADS Defence & Security entwickelte das Flugkörperwarnsystem AN/AAR-60(V)2 MILDS-F (F = Fighter), welches als passives Missile Warning System für Kampfflugzeuge aus dem AN/AAR-60 MILDS für Hubschrauber und Transportflugzeuge (darunter NH90 TTH, TIGER, SH-60K/J, H-47, A-129 MANGUSTA, AB-205/212, SH-3D, UH-1, AH-1, AS-532 COUGAR/PUMA, EC-145/155/635, Mi-8/17, EADS-CASA CN-235/295, C-130, C-160, ORION P-3C) hervorgegangen, einen verbesserten Schutz gegen infrarotgelenkte Flugkörper bietet. Die Entwicklung und Fertigung von MILDS erfolgt in Kooperation mit dem dänischen Elektronikhersteller TERMA. MILDS stützt sich hierbei auf die Erfassung der Triebwerkssignatur von gegnerischen Lenkflugkörpern ab. Es offeriert hierbei eine deutlich vergrößerte Entdeckungsleistung von anfliegenden Bedrohern bei drastisch minimierter Falschalarmrate. MILDS-F erfüllt die von vielen weiteren militärischen Kunden spezifizierte Forderung nach einem im Solar-blind-Frequenzbereich von 230 bis 290 Nanometern arbeitenden UV-Detektorsystem mit hohem Auflösungsvermögen zur frühzeitigen Ortung von infrarotgelenkten Lenkflugkörper-Bedrohungen. MILDS-F gewährleistet hierbei die Rundumdetektion von bis zu acht simultan anfliegenden Lenkflugkörpern. Ein mit MILDS-F ausgerüstetes oder nachgerüstetes Luftfahrzeug in der Kategorie F-16 umfasst sechs Detektoren (adaptiert an Pylons und/oder unterhalb der Flugzeugzelle). Ursprünglich war eine Nutzung von MILDS-F am Joint Strike Fighter (JSF) vorgesehen, welches Dänemark als Level III-Partner erhalten sollte. Die Entscheidung Dänemarks über die Beschaffung des JSF wurde inzwischen jedoch verworfen.
Für die Deutsche Luftwaffe stellte TERMA außerdem den Modular Countermeasures Pod MCP-8F bereit, der seit dem Sommer 2007 durch sechs Aufklärungs-(Recce)-Flugzeuge des Typs Tornado von Mazar-e Sharif (Afghanistan) aus eingesetzt wird. Der Bedarf für ein Dispensersystem (Special Dispenser System oder SDS) war ein sofortiger, weil die für den Afghanistaneinsatz vorgesehenen Luftfahrzeuge seinerzeit über keinen hinreichenden Schutz gegen MANPADS verfügten. Bereits am 9. März 2007 billigte der Deutsche Bundestag die Entsendung von sechs Aufklärungs-(Recce)-Flugzeugen nach Afghanistan. Die Luftfahrzeuge sind seither Teil der deutschen Beteiligung an der NATO-geführten internationalen ISAF-Mission in Afghanistan und werden im Rahmen der Beschlüsse des NATO-Rates und des Mandats der Vereinten Nationen vom ISAF-Hauptquartier zur abbildenden Aufklärung aus der Luft eingesetzt.
Bei hochspeziellen DIRCM-Flugkörperwarnsystemen arbeitet THALES Optronique mit dem deutschen Unternehmen Diehl BGT Defence zusammen. Das gemeinsam entwickelte Countermeasures-System DIRCM FLASH wurde für das europäische Transportflugzeug A400M vorgeschlagen. Mit der Gründung einer deutsch-französischen DIRCM-Gesellschaft hat Diehl Defence außerdem den Weg bereitet für eine europäische Kooperation im Bereich von Schutzsystemen zur frühzeitigen Detektion von infrarotgelenkten Flugkörpern, die militärische und zivile Luftfahrzeuge gleichermaßen bedrohen können. Dieses Vorhaben und eine Reihe weiterer in der Vergangenheit erfolgreich begonnener und abgeschlossener Projekte reflektiert die Bedeutung von internationaler Rüstungszusammenarbeit. Diehl Defence hält hierfür hochspezielle Kernkompetenzen bei der Prototypen-Entwicklung, der Herstellung und Erprobung von Versuchsträgern und Seriengeräten sowie der logistischen Betreuung von Systemen während der Nutzungsphase, einschließlich kampfwertsteigernder und lebensdauerverlängernder Maßnahmen, bereit, die nicht nur im europäischen Raum von Industriepartnern und Kunden als außerordentlich zuverlässig und zukunftsweisend eingeschätzt werden. Somit verwundert nicht, dass Diehl Defence einen beträchtlichen Teil seines jährlichen Umsatzes regelmäßig in Arbeiten im Bereich von Forschung & Entwicklung (F&E) investiert. Dies unterstreicht die Bedeutung und Zukunftsfähigkeit der Entwicklungs- und Fertigungsstandorte von Diehl Defence in Deutschland und darüber hinaus.

Das Selbstschutzsystem SAPHIR-M wurde von den vier Nutzerstaaten des
deutsch-französischen Kampfhubschraubers TIGER ausgewählt, um den Schutz
der Luftfahrzeuge gegen infrarotgelenkte Flugkörper zu verbessern.
(Foto: MBDA)

Die dänischen Luftstreitkräfte, welche 30 Muster des amerikanischen Kampfflugzeuges F-16A/B
nutzen, erhalten insgesamt 30 Flugkörperwarnsysteme des Typs MILDS-F.
(Foto: EADS Defence & Security)

Der dänische Hersteller TERMA wurde 2007 beauftragt, sechs in Afghanistan
eingesetzte Tornado-Aufklärungsflugzeuge vom Aufklärungsgeschwader 51
“Immelmann” mit dem Special Dispenser System (SDS) – auch bekannt als
MCP-8F – auszurüsten. Das System (hier zu sehen an dem Unterflügelpylon
außen links) wurde Mitte desselben Jahres innerhalb von nur drei Monaten für
die Nutzung am Kampfflugzeug Tornado und den Einsatz in Afghanistan entwickelt
und qualifiziert.
(Foto: Bundeswehr)










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