Gegenüber der SZ äußerte sich jetzt EADS-Gesamtbetriebsratschef Thomas Pretzl. Bis zu 30.000 Arbeitsplätze in der militärischen Luftfahrtindustrie sieht er, stellvertretend für die die IG Metall in Deutschland in Gefahr, wenn die Sparpläne von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg umgesetzt würden. Ein Großteil der hochqualifizierten Jobs würde in Manching bei Ingolstadt verlorengehen. Dort arbeiten mehr als 5.500 Ingenieure, Techniker und Facharbeiter im größten militärischen Luftfahrtzentrum Europas - der EADS-Zentrale von Military Air Systems.
Nach den kürzlich bekanntgewordenen Sparplänen bei der wehrtechnischen Ausstattung für die Bundeswehr ('Priorisierung Materialinvestitionen', siehe auch in der rechten Spalte unter "Analysen, Punkt 4) wären zahlreiche Projekte betroffen, an deren Entwicklung und Herstellung der Standort Manching massiv beteiligt ist. So soll unter anderem auf den Bau von 37 neuen Kampfflugzeugen, der Tranche 3b des Eurofighters, verzichtet werden. Erst kürzlich hatte EADS-Manager Stefan Zoller vor dem Verlust von Arbeitsplätzen gewarnt, wenn das sowieso vor dem Abschluss stehende Eurofighter-Großprojekt ohne Nachfolger auslaufen würde (siehe auch unter "Weitere Artikel den Beitrag Sicherheit made in Germany). Genau danach sieht es in den Guttenberg-Plänen aus: Auf den Bau der unbemannten Drohne Talarion, in deren Entwicklung der Konzern schon Millionen gesteckt hat, soll verzichtet werden. EADS-Gesamtbetriebsratschef Thomas Pretzl: 'Dieses Projekt ist unsere Zukunft.' Wenn der Bau der Drohne nicht komme, verliere man das Know-how an Amerika und Israel. Auch die geplante Ausmusterung zahlreicher Militärmaschinen von Typ Transall und Tornado sowie die Anschaffung einer geringeren Stückzahl des Transporters A400M würde Manching treffen, in das erst vor knapp zwei Jahren 2.000 Arbeitsplätze aus Ottobrunn verlegt worden sind: Die Flugzeuge werden in den dortigen Hallen und auf dem Flughafen gewartet. Pretzl: 'Wenn das alles eintritt, geht das an die Existenzgrenze eines Flugzeugwerkes.'
Auch in Donauwörth, wo EADS mit rund 3000 Mitarbeitern Transport- und Kampfhubschrauber produziert, sieht Pretzl Arbeitsplätze gefährdet: 'Wenn die insparungspläne so umgesetzt werden, wird es in Deutschland in Zukunft keine militärische Luftfahrtindustrie mehr geben.' Insgesamt arbeiten derzeit 80.000 Menschen in der deutschen Rüstungsindustrie; in den achtziger Jahren waren es noch fast 300.000.










Das Militär muss die Technik bekommen, die es wirklich benötigt. Und dies mit möglichst geringem finanziellen Aufwand. Und möglichst schnell. Auch andere Staaten stellen gute Militärtechnik her. Wirtschaftsförderung ist nicht die Sache des Verteidigungshaushaltes. Man kann nicht gleichzeitig die Sicherung von Arbeitsplätzen und Einsparungen bei den Militärausgaben fordern. Auch die Rüstungsindustrie sollte sich der Marktwirtschaft stellen und keine sozialistische Planwirtschaft fordern. Wenn dort unzählige verteidigungsfremde Leistungen finanziert werden müssen ist es kein Wunder, dass die Höhe des Verteidigungshaushaltes kritisiert wird. Da werden einige "Rüstungsgegner" schon mal eine gewisse Zeit mit Arbeitslosengeld leben müssen. Wir leben nun einmal nicht im Sozialismus, sondern im Kapitalismus. Wirtschaftsförderung ja, aber nicht aus dem Verteidigungshaushalt. Auch nicht benötigte Standorte sollten geschlossen werden. Es ist nicht die Aufgabe der BW die Existenz von "Tante-Emma-Läden" oder die Ausbildung von Schülern zu Facharbeitern für die Wirtschaft zu sichern. Darum müssen sich andere Bereiche kümmern.
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