-Von Stefan Nitschke- Für den Kupferbergbau bei Spremberg (Brandenburg) gibt es nach Angaben der KSL Kupferschiefer Lausitz GmbH (KSL) inzwischen konkrete Pläne. Der Geschäftsführer des als 100-prozentige Tochtergesellschaft des Bergbaukonzerns MINERA S.A. gegründeten Unternehmens, Volker Spieht, sagte, dass ab 2011 in Spremberg ein neues Bergwerk zur Kupfergewinnung errichtet werden soll. Nach dem Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe in Brandenburg hat inzwischen auch das Sächsische Oberbergamt der KSL die Bergbauberechtigung zur Gewinnung von Kupfer und Begleitmaterialien erteilt. Bei dem von der KSL geplanten Kupferbergbau Spremberg-Graustein-Schleife handelt es sich um ein länderübergreifendes Projekt. Die Genehmigung umfasst ein 22,7 Quadratkilometer großes Feld im Bereich der sächsischen Gemeinden Schleife, Weißwasser, Trebendorf und Groß Düben. Die Bewilligung ist bis zum Jahr 2051 gültig. Derzeit erarbeitet die KSL einen länderübergreifenden Betriebsplan, worin alle Belange des geplanten Kupferbergbaus entsprechend der genehmigungsrechtlichen Vorgaben abgebildet werden. Mit dem Beginn der Vorarbeiten zur Abteufung der beiden Schachtanlagen rechnet die KSL Ende 2012 oder Anfang 2013. Neuesten Untersuchungsergebnissen zufolge ist von einem Lagerstätteninhalt von 1.850 kt Kupfermetall-Inhalt auszugehen. Vorgesehen ist die Errichtung von zwei Schachtanlagen im Industriegebiet von Spremberg. In einem Schacht sollen Bergleute ein- und ausfahren. Der zweite Schacht ist zur Förderung des Kupfererzes und als Notschacht für Bergarbeiter vorgesehen. Außerdem soll über den Schacht der erzfreie Abraum in die Tiefe verbracht werden.
Die zwischen Spremberg und Weißwasser gelegenen Kupferschiefervorkommen wurden seit 1953 systematisch erkundet. Im Gebiet Spremberg-Weißwasser wurden nach anfänglich weiträumigen Erkundungsarbeiten im Bereich einer Gesteinsaufwölbung, der so genannten Mulkwitzer Antiklinale, Untersuchungsarbeiten auf ein Gebiet unmittelbar nördlich und östlich von Spremberg konzentriert. Nach Angaben des LfUG befindet sich der erzführende Horizont bestehend aus Kupfer-, Blei- und Zinksulfiden hier in einer Tiefe zwischen etwa 600 und 1.400 Metern unter der Erdoberfläche und taucht mit einem Winkel von etwa 10 Grad nach Nordosten ab. Dessen Mächtigkeit beträgt im Bereich der Mulkwitzer Antiklinale zwischen 0,3 Meter und 1,4 Meter, während der als abbauwürdig ausgewiesene Erzkörper in den beiden Feldern Spremberg und Graustein Mächtigkeiten zwischen 0,5 Meter und 8,2 Metern aufweist. Die geologischen Vorräte an elementarem Kupfer betragen hier 1.486 kt. Als Bei- und Nebenprodukte werden Blei (161 kt Metallinhalt), Zink (81,8 kt Metallinhalt), Silber (2,68 kt elementares Silber), Gold (15 Tonnen) sowie 25 weitere Sondermetalle wie Indium, Rhenium, Kobalt, Molybdän, Selen und Platingruppenmetalle (Platinoide wie Platin, Palladium und Rhodium) genannt. Probebohrungen (Vorschaubild; Quelle: Frank Sauer/KSL) hatten zudem den Nachweis von bedeutenden Mengen an Gold erbracht. Projektbeteiligte gehen von etwa 15 Tonnen Gold aus, die in den Kupfererzen der Lagerstätte enthalten sind. Der Vorsitzende der KSL, Thomas Lautsch, bestätigte, dass es bei Probebohrungen zum Fund von Goldvorkommen kam. Er berichtete davon, dass im Feld Sprember-Graustein-Schleife etwa 20 Prozent Platin, Blei, Zink, Silber und Gold enthalten sind. Jüngsten Schätzungen zufolge hat das gesamte Vorkommen einen Marktwert von 9 Mrd. Euro. Auf einer CDU-Veranstaltung verkündete Lautsch, dass die Planungen für das Kupferbergwerk bis zum Jahr 2012 abgeschlossen sein sollen. Das Kupferbergwerk soll an der Landesgrenze von Sachsen und Brandenburg, östlich der Spree-Neiße, entstehen. Die Förderung der Kupferschiefererze könnte im Jahr 2017 beginnen.
Eine geologisch ähnliche Lagerstätte befindet sich etwa 100 Kilometer weiter östlich in Niederschlesien. Aus mehreren Schächten in dem etwa 550 km² großen Lagerstättenrevier Sieroszowice-Lubin-Glogów förderte das Bergbauunternehmen KGHM Polska Miedz S.A. 2005 aus einem 0,2 Meter bis 19 Meter mächtigem Erzkörper etwas mehr als 30 Mio. Tonnen Erz mit einem durchschnittlichen Kupfergehalt von 1,89 Prozent. Unter Berücksichtigung diverser Verluste wurden daraus etwa 500 kt Kupfermetall sowie 1,47 kt Silber als Nebenprodukt gewonnen. Mit geologischen Vorräten von über 50.000 kt Kupfermetall gehört dieses Lagerstättenrevier zu den größten weltweit.
Durch die KSL erfolgt zurzeit eine Neubewertung der Lagerstätte Spremberg-Graustein-Schleife. Planmäßig wurden inzwischen die seismischen Erkundungsarbeiten im Bereich der Gemeinden Spremberg, Graustein und Schleife abgeschlossen. Im Rahmen der Erkundungen des tiefen Untergrundes, die der vollständigen Darstellung des Erzkörpers dienen sollen, waren insgesamt fünf Vibrationsfahrzeuge der Unternehmens DMT GmbH & Co. KG in einem Gebiet von 80 Quadratkilometern im Bereich der Lagerstätte Spremberg-Graustein-Schleife eingesetzt, um Messkabel über eine Gesamtlänge von 345.000 Metern zu verlegen. An 6.800 Punkten wurden mittels Vibration Signale in den Untergrund abgegeben. Mit diesen Untersuchungen können die wesentlichen Bestandteile des späteren Grubengebäudes wie Schächte, Strecken und Abbaubetriebspunkte geplant werden. Genaue Ergebnisse werden im Spätsommer erwartet.
Zudem soll mittels einer Studie zur Prüfung der technischen Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit die Grundlage für die Entscheidung über einen möglichen Abbau des Kupfererzes getroffen werden. Wenn die Neubewertung der Lagerstätte weiterhin positiv verläuft, so Beteiligte im Untersuchungsprogramm, könnte mit der Errichtung der Anlagen für ein Kupferbergwerk schon im Jahr 2012 begonnen werden. Nach dem derzeitigen Sachstand könnten die im europäischen Maßstab als sehr bedeutenden Kupfervorräte eine Lebensdauer des Bergwerks für 20 bis 40 Jahre sicherstellen. Nach Unternehmensangaben sollen etwa 1.500 Arbeitskräfte unter und über Tage beschäftigt werden. Mit nochmals 3.000 bis 3.500 Beschäftigten rechnet die Geschäftsleitung der KSL bei den späteren Zulieferern und mitarbeitenden Industriebetrieben. Die Gesamtinvestitionen für die Errichtung eines Kupferbergwerks und weiterer Infrastrukturen sollen nach Angaben des Unternehmens zwischen 700 und 800 Mio. Euro betragen.




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