-Stefan Nitschke- Die Angebotslage bei Seltenen Erden ist besorgniserregend. Trotz der Auswirkungen der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise auf die Industriebranchen in den Vereinigten Staaten, in Europa und in Asien werden die Preise für Seltenerdoxide (im englischen Sprachgebrauch als Rare Earth Elements oder kurz REE bezeichnet) bereits mittelfristig weiter kräftig ansteigen. Die weltweit verwertbare Förderung hatte 2006 immerhin 108 kt REE betragen, von denen 98 kt aus zwei der weltweit größten produktiven Lagerstätten, darunter die Lagerstätte Baiyun Obo (Innere Mongolei, geografische Koordinaten 41-45N, 109-58E), erbracht wurden. Nach neuesten Angaben werden die sicheren und wahrscheinlichen Reserven dieser an Karbonatitgesteine gebundenen Lagerstätte auf über 800 Mio. Tonnen Erz mit einem durchschnittlichen Gehalt an Oxiden der Seltenen Erden von 6,0 Prozent veranschlagt. Die wichtigsten dort derzeit ausbringbaren REE, darunter Cer, Yttrium, Terbium, Gadolinium, Europium und Samarium, sind an die wirtschaftlich gewinnbaren Trägermineralien Bastnaesit, Monazit, Allanit, Aeschynit, Fergusonit, Fersmit, Xenotim und Parisit gebunden.
Begrenzte Möglichkeiten: Der weltweite Bedarf an Oxiden der Seltenen Erden lag 2006 bei 110.000 Tonnen im Gesamtwert von etwa 1,3 Mrd. US-Dollar. Schätzungen in den Industrienationen gehen indes davon aus, dass der Bedarf bis 2012 auf 185 kt bis 195 kt REE steigen wird. China könnte dann durch Nutzung zusätzlicher Lagerstätten seine Förderung auf 125.000 Tonnen steigern, diese aber selbst benötigen. Der in vielen Industrie- und Schwellenländern steigende Bedarf müsste in den kommenden Jahren somit aus neuen Lagerstätten gedeckt werden, von denen die meisten in Nordamerika, Südamerika (Brasilien), Afrika (Südafrika) und Südost-Asien oder Ozeanien (Australien und auch Neuseeland) liegen. Bei der Beurteilung von potenziell wirtschaftlichen Lagerstätten muss jedoch deren geologischer Rahmen, die Zusammensetzung der Trägerminerale und letztlich auch die geografische Lage zu vorhandener Infrastruktur in Betracht gezogen werden. Viele große Lagerstätten, wie eine Reihe von räumlich weit auseinander gezogenen Strandseifenvorkommen in Bangladesh (Cox’s Bazaar mit 5,119 Mrd. Tonnen schwermetallhaltigen Sanden zu 0,04 Prozent REE (Monazit) und Badarmokam mit 1,76 Mrd. Tonnen zu 0,28 Prozent REE) und sowie solche, die sich als niedrighaltige Anreicherungen in Gangvorkommen und metamorphen Gesteinen finden (Beispiel Serra Negra, Brasilien) bieten nicht immer die Gewähr, wirtschaftlich genutzt werden zu können. Letzteres Vorkommen gilt wegen seiner vorherrschenden Titan-Führung mit durchschnittlich immerhin 27,7 Prozent TiO2 zwar als eine wirtschaftlich interessante Lagerstätte für Titan-Vorstoffe, jedoch sind in den dort gewonnenen TiO2-Konzentraten nur rund 3 Prozent REE enthalten. Als wirtschaftlich interessantester Lagerstättentyp hatten sich in der Vergangenheit vor allem Karbonatitkomplexe und damit assoziierte residuale Anreicherungen erwiesen. Letztere bilden die produktive Lagerstätte Araxá in der Provinz Minas Gerais in Brasilien, die einen Cluster aus mehreren Einzelvorkommen mit einem Gesamtdurchmesser von 4,5 km repräsentiert Dieser Lagerstättenkomplex (geografische Koordinaten 19-38S, 46-56W) weist zurzeit Reserven von 450 Mio. Tonnen mit einem Durchschnittsgehalt von 4,4 Prozent REE und 2,5 Prozent Nb2O5 sowie Lateriterze mit bis zu 13,5 Prozent REE und 2 Prozent Nb2O5 auf. Damit gilt diese Lagerstätte auch als die weltgrößte zurzeit bekannte Reserve an Vorstoffen zur Gewinnung von Niob-Metall.
Der US Geological Survey (USGS) betont, dass sich die technologischen Anwendungen von REE in den vergangenen Jahrzehnten multipliziert haben. Die Nachfrage hatte sich weltweit nahezu verdreifacht. Das PDF-Dokument "Rare Earth Element Mines, Deposits and Occurrences" von Greta J. Orris und Richard I. Grauch, Open-File Report 02-189, USGS, Denver, Colorado 2002, gibt einen umfassenden Überblick über die weltweit bekannten Vorkommen von Seltenerdenoxiden. Wichtige westliche Industrieländer wie die drei führenden Nationen innerhalb der Europäischen Union spüren jedoch bereits, dass sie keine neuen Vorkommen erschlossen haben. Indes hatten verschiedene Aufsuchungsprogramme der Industrie in den zurückliegenden Jahren mehrere neue oder seit längerem bekannte wirtschaftlich interessante Vorkommen für eine bergbauliche Nutzung identifiziert. Als Beispiele hierfür werden neu untersuchte Vorkommen in der Nähe von Storkwitz (Sachsen) und bei Portalegre im Südosten Portugaöls genannt. Die bereits seit mehr als zehn Jahren durch den Staatlichen Geologischen Dienst IGM untersuchten Vorkommen in der Nähe von Portalegre im Südosten Portugals enthalten nach neueren Angaben aus Lissabon Konzentrationen von Schwermineralen (darunter zu mehr als 15 Prozent Rutil und Zirkon) mit bedeutenden Gehalten an Seltenerdoxiden. Die bislang durchgeführten Erkundungsarbeiten konnten bedeutende Konzentrationen von Monazit, einem monoklin kristallisierten Phosphat (chem. (Ce, La, Nd) [PO4] nachweisen. Monazit ist das zurzeit wichtigste Wertmineral zur Gewinnung von REE (zumeist Cer sowie auch Praseodymium, Yttrium, Terbium und Europium und weiterer Seltene Erden-Verbindungen). Im Untersuchungsgebiet – etwa 250 Meter nördlich des Gesteinskontaktes zu oberproterozoischen Serien der Ossa Morena Zone – überlagern die stark radioaktiven Trägergesteine mächtige quarzitische Gesteine der Zentraliberischen Zone. Die Gehalte des dort gezogenen repräsentativen Probenmaterials variieren indes stark. Es wurden Variationsbreiten von 6-9 Prozent ZrO2, 18-26 Prozent TiO2 nebst nicht unbedeutenden Gehalten an Uran gefunden. Jenseits der in der Nähe des Untersuchungsgebietes gelegenen spanischen Grenze wurden in analogem Material durchschnittlich 0,07 Prozent U3O8 und 0,03 Prozent ThO2 gefunden. Neueste konservative Schätzungen gehen von Vorräten und Reserven aller Kategorien (sicher, wahrscheinlich und möglich) von etwa 2,4 Mio. Tonnen Material aus, das sich in einer etwa 5,5 Kilometer langen Zone konzentriert. Die Durchschnittsgehalte im Bereich des Vorkommens Vale de Cavalos sollen 0.435 Prozent ∑REE and 0.465 Prozent ∑REE plus Scandium and Yttrium betragen. Dies würde einem Inhalt von etwa 11,15 kt REE entsprechen.





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