Russland gilt heute als ein treuer und zuverlässlicher Partner und Freund Deutschlands. Besonders die Einfuhren von Rohstoffen aus Russland, hier vor allem Erdöl und Erdgas, sind in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. Russische Erdgaslieferungen decken zurzeit rund ein Drittel des deutschen Erdgasbedarfs. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre beweist die Zuverlässigkeit der russischen Partner. Auch die politischen Umwälzungen zu Beginn der 1990er Jahre hatten keinerlei negativen Einfluss auf vertragliche Vereinbarungen zwischen Russland und Deutschland ausgeübt. Inzwischen gilt der russische Gasproduzent GAZPROM, der als weltgrößter Gasproduzent sehr bedeutende Gaslieferungen nach Deutschland durchführt, als ein Sinnbild für einen vertragstreuen Partner. Der Russland-Experte der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern, Johannes Huber, sagte in einem Interview mit dem RusslandJournal, dass Russland sehr stark vom Erdöl und Erdgas profitiere, weil die meisten Einnahmen hieraus zum Staat fließen. Dennoch ist Russlands Anteil am weltweiten Warenhandel trotz seiner bedeutenden Stellung als Rohstofflieferant jedoch vergleichsweise gering. Er beträgt nur etwa 2 Prozent, knapp ein Drittel des Anteils Deutschlands. Im Zuge der weltweiten Finanzmarktkrise wies die russische Wirtschaft seit Mitte 2008 deutlich negative Entwicklungen auf, was in hohem Maße auf ihre immer noch große Abhängigkeit vom Energiesektor zurückzuführen ist. Aufgrund des drastischen Preisverfalls beim Erdöl und Erdgas sanken die Staatseinnahmen, so dass der russische Staatshaushalt für das Jahr 2009 erstmals seit mehreren Jahren wieder ein Defizit aufweist.
An der Nahtstelle zwischen Russland und Deutschland
Eine Schlüsselposition im Bereich der russischen Öl- und Gaswirtschaft nimmt der 1990 gegründete Gaskonzern OAO GAZPROM ein, der zu den wichtigsten Unternehmen in Russland gehört. Für die Vermarktung von russischem Erdgas in Deutschland wurde das Tochterunternehmen GAZPROM Germania GmbH, eine 100-prozentige Beteiligung von OOO GAZPROM export, gegründet, das im Auftrag der GAZPROM-Gruppe Erdgas aus Russland und Zentralasien in Deutschland und Westeuropa vermarktet. Immerhin decken die Gaslieferungen von GAZPROM derzeit über ein Viertel des Erdgasbedarfs in vielen Staaten Westeuropas ab. Schon der Jahresabschluss der GAZPROM Germania GmbH weist für das Jahr 2009 das zweitbeste Ergebnis der fast 20-jährigen Unternehmensgeschichte aus. Der unter Beachtung der veränderten Bilanzierungsmethoden ausgewiesene Umsatz stieg von 5.582,8 Mio. Euro im Vorjahr auf 8.029,5 Mio. Euro im Berichtszeitraum an. Das Jahresergebnis der Unternehmensgruppe erreichte somit 496,5 Mio. Euro im Vergleich zu 537,1 Mio. Euro im Jahr 2008. Diese Zahlen verdeutlichen die außerordentliche Bedeutung der Unternehmensgruppe im Bereich der Vermarktung von Erdgas aus russischen und zentralasiatischen Lagerstätten. Zudem werden damit die Grundlagen geschaffen, das Unternehmen durch den weiteren Ausbau von Handelsaktivitäten und -beziehungen sowie Großinvestitionen in Gaskraftwerke und Erdgasspeicher international in eine starke Position zu bringen. Der ehemalige Hauptgeschäftsführer von GAZPROM Germania GmbH, Hans-Joachim Gornig, stellte klar, dass sein Unternehmen angesichts eines von Verwerfungen geprägten wirtschaftlichen Umfeldes mit dem erzielten Geschäftsergebnis sehr zufrieden sei. Durch Erschließung neuer Märkte, die Diversifizierung der Geschäftsfelder und vielfältige Investitionen in Infrastrukturprojekte arbeite das Unternehmen für die Ziele des Mutterkonzerns OAO GAZPROM, dies vor allem zur Verstärkung des Europageschäftes sowie zur Gewährleistung einer zuverlässigen und umweltfreundlichen Energieversorgung, so Gornig weiter. Somit wird GAZPROM Germania GmbH gemäß des Leitgedankens „Energie verbindet Menschen“ für die Kunden auch in der Zukunft einen berechenbaren Partner darstellen.
Die Unternehmensgruppe ist inzwischen auch in zahlreichen Projekten zur Förderung der deutsch-russischen Freundschaft involviert. Die Unternehmensphilosophie von GAZPROM Germania GmbH beinhaltet somit nicht nur einen auf die umweltfreundliche und nachhaltige Energieversorgung ausgerichteten Gashandel, sondern bringt auch bedeutende Leistungen in die Bereiche Kunst und Kultur, Jugend und Bildung, Gesundheit und Soziales sowie Sport ein. Hierbei gilt es, ein vielfältiges Bild über das heutige Russland, seine Menschen und seine Kultur sowie um das Verständnis zwischen Deutschland und Russland zu fördern. So unterstützt das Unternehmen auch in diesem Jahr die Potsdamer Schlössernacht, die am 21. August 2010 bereits zum zwölften Mal stattfand und das weltberühmte Tschaikowsky-Symphonieorchester gewinnen konnte. „Das Open-Air-Konzert im Park von Sanssouci ist einer der Höhepunkte des diesjährigen Konzertsommers und bringt gleichzeitig traditionell russisches Kulturgut nach Deutschland“, begründet der neue Hauptgeschäftsführer der GAZPROM Germania GmbH, Vladimir V. Kotenev, das Engagement seines Unternehmens.
Vladimir V. Kotenev zum neuen Hauptgeschäftsführer berufen
Seit dem 1. Juli 2010 führt Vladimir V. Kotenev als Hauptgeschäftsführer die geschäftlichen Aktivitäten der GAZPROM Germania GmbH. Er wurde Nachfolger von Hans-Joachim Gornig, der das Unternehmen seit dessen Gründung 1990 leitete.
Davor war Kotelev im diplomatischen Dienst von 2004 bis 2010 außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland sowie von 2001 bis 2004 Direktor des Departments des Konsularischen Dienstes beim Außenministerium Russlands. Vladimir Kotenev absolvierte 1979 die Moskauer Hochschule für Internationale Beziehungen und war danach im Generalkonsulat der UdSSR in West-Berlin, in den Botschaften der UdSSR in der DDR und Österreich sowie in der Botschaft der russischen Föderation in der Schweiz tätig. Der Generaldirektor der OOO GAZPROM export, Alexander I. Medwedew, hob hervor, dass Vladimir V. Kotenev eine Persönlichkeit mit einer großen internationalen Erfahrung ist. „Er wird in Deutschland und anderen europäischen Ländern hoch geschätzt. Wir sind sicher, dass unser westeuropäisches Tochterunternehmen unter seiner Leitung auch weiterhin eine erfolgreiche Entwicklung erfahren wird."
Nord Stream setzt neue Maßstäbe in der Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und Russland
Die russischen Erdgasreserven, die größten weltweit, werden auf rund 48 Billionen Kubikmeter veranschlagt. Dies entspricht etwa 28 Prozent der nachgewiesenen Weltvorräte. Die wichtigsten Vorkommen befinden sich in Westsibirien, auf dem Schelf der Karasee, in der Barentssee und im Ochotsker Meer. Davon kontrolliert GAZPROM mehr als 33 Billionen Kubikmeter Erdgas, was einem Sechstel der weltweit gewinnbaren Reserven entspricht. Diese bilden die Grundlage für eine zuverlässige und langfristige Erdgasversorgung Europas. Jährlich werden nach Angaben von GAZPROM rund 550 Mrd. Kubikmeter Erdgas gefördert.
Die Fördermengen konnten in den zurückliegenden Jahren gesteigert werden, um den wachsenden Bedarf der europäischen Absatzmärkte zu decken. Für den europäischen Erdgasmarkt wird bis zum Jahr 2030 sogar ein Bedarfsanstieg von etwa 30 bis 50 Prozent erwartet. Freilich wird dies mit einem Rückgang der Erdgasförderung aus Produktionsfeldern in der Nordsee und auf dem Festland (Beispiel Niederlande) infolge der Erschöpfung der eigenen Vorkommen einhergehen. Dies führt zwangsläufig dazu, dass viele der europäischen Länder den Bezug von Erdgas aus anderen Regionen – somit auch aus Russland – konzentrieren werden. Russland erweist sich hierbei seit Jahrzehnten als ein zuverlässiger Erdgaslieferant. So verfügt GAZPROM über ein Haupterdgasleitungsnetz mit einer Länge von über 150.000 Kilometern, das in zuverlässiger Weise für die Versorgung der Absatzgebiete in Europa genutzt werden kann. Über eine über 5.000 Kilometer lange Trasse von Westsibirien bis zu den Abnehmern in Deutschland, Frankreich, Italien und weiteren westeuropäischen Ländern könne der für die kommenden Jahre prognostizierte steigende Bedarf nach Angaben von GAZPROM zuverlässig bedient werden. So investiert das Unternehmen gemeinsam mit den Partnern BASF, E.ON Ruhrgas und Gasunie in den Bau der Nord Stream-Pipeline. Inzwischen haben die Arbeiten an der Nord Stream-Erdgaspipeline durch die Ostsee in der Ausschließlichen Wirtschaftszone Schwedens begonnen. Geführt werden diese durch das Unternehmen Nord Stream AG, einem Konsortium von OAO GAZPROM, BASF SE/Wintershall Holding GmbH, E.ON Ruhrgas AG, N.V. Nederlandse Gasunie und GDF Suez S.A. Das Verlegeschiff „Castoro Sei“ (C6) hatte im April nahe der Insel Gotland die Arbeiten aufgenommen – 675 Kilometer entfernt vom Startpunkt der Pipeline in der Nähe der russischen Stadt Wyborg. Nach der Fertigstellung wird die Nord Stream-Pipeline, die Russland und die Europäische Union durch die Ostsee direkt verbinden wird, jährlich 55 Mrd. Kubikmeter Erdgas zur Energieversorgung von Unternehmen und mehr als 26 Mio. Privathaushalten transportieren.
Flüssigerdgas – eine Kernkompetenz der Gazprom-Gruppe
Als ein Geschäftsfeld mit großem Zukunftspotenzial und hohen Zuwachsraten wird die Verflüssigung von Erdgas durch die GAZPROM-Gruppe kontinuierlich vorangetrieben. Die Bedeutung von Flüssigerdgas – im englischen Sprachgebrauch als Liquefied Natural Gas oder kurz LNG bezeichnet – für die Energieversorgung der meisten europäischen Staaten kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. So hat das Unternehmen im Jahr 2005 über das 100-prozentige Tochterunternehmen GAZPROM Marketing & Trading Ltd. (GM&T) erste Geschäfte im Bereich LNG realisiert. Vorgesehen ist, zukünftig bedeutende Mittel in die Errichtung von LNG-Anlagen zu investieren. So vereinbarten GAZPROM und Russlands größter privater Gasproduzent Novatek während des Sankt Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums (SPIWF) im Juni dieses Jahres eine Kooperation, die die Errichtung von LNG-Anlagen im Bereich des Yuzhno-Tambeyskoye-Gasfeldes auf der Jamal-Halbinsel vorsieht. Die Jamal-Halbinsel (auch als Samojeden-Halbinsel bezeichnet), in Nordwest-Sibirien gelegen, gehört zum Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen und beherbergt einige der weltgrößten Erdgasvorkommen. Erdgas wird über die Jamal-Europe-Pipeline auch nach Deutschland geliefert. Weitere Gasfelder, wie etwa das Shtokman-Feld, das in der Barentssee gelegen für den europäischen Markt eine weitere wichtige Bezugsquelle für LNG darstellt, werden von GAZPROM als strategisch bedeutsam beurteilt. Der russische Ministerpräsident Vladimir Putin unterstützt GAZPROM in den Bemühungen, weitere internationale Partner – darunter Shell (Großbritannien/Niederlande), Total und GDF Suez S.A. (Frankreich), StatoilHydro (Norwegen) und E.ON (Deutschland) – für die Entwicklung von Gasvorkommen auf der Jamal-Halbinsel zu finden. Im Jahr 2008 wurden nach Unternehmensangaben sämtliche LNG-Aktivitäten an eine eigenständige Gesellschaft, die GAZPROM Global LNG (GGLNG) als Tochtergesellschaft der GM&T, übertragen. Hierbei liegt der Fokus im weltweiten Handel mit LNG und in der stetigen Weiterentwicklung dieses Geschäftsfeldes. Damit trägt letztlich auch die GAZPROM Germania Gruppe einem weltweit beobachteten Trend Rechnung. Sowohl die Staaten, von denen die Unternehmensgruppe LNG bezieht, darunter Algerien und Ägypten in Nordafrika sowie weitere im Mittleren Osten (Oman) und in Asien (Malaysia), als auch die Abnehmerländer wie Frankreich, Großbritannien, Japan, Mexiko, Südkorea, die USA und möglicherweise künftig auch Deutschland sind regional breit gefächert.
Das PDF-Dokument gibt eine Übersicht über das zu den europäischen Abnehmerländern führende Leitungsnetz für Erdöl und Erdgas aus russischen Lagerstätten.







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