GENAUER HINSEHEN:
(1) Sicherheitsvorfälle AFG-Nord Aug. 2010 – Anfang Mai 2011
zusammengestellt von Winfried Nachtwei, MdB a.D.
Absicht:
Gegenüber dem Einsatz/Engagement/Konflikt/Krieg in Afghanistan dominieren in der Öffentlichkeit Pauschal- und Zerrbilder sowie Tunnelblicke. Trotz inzwischen offenerer Informationspolitik (seit Februar 2011 wöchentliche „Zur Lage in den Einsatzgebieten der Bundeswehr“) verweigert die Bundesregierung weiterhin eine über die Berichterstattung von Einzelereignissen hinausgehende Sicherheitslage Afghanistans. Seit der offenkundigen Verschlechterung der Sicherheitslage sah ich mich in der Verantwortung, seit August 2007 laufend aktualisierte Materialien zur Sicherheitslage Afghanistans (bis 2009 auch Pakistans) herauszugeben. Sie sollen Hilfe sein beim GENAUER HINSEHEN, notwendige Voraussetzung für fundiertere Urteilsfähigkeit in einem höchst unübersichtlichen Konflikt.
(1) Sicherheitsvorfälle AFG-Nord
(2) Sicherheitsvorfälle AFG landesweit
(3) Sicherheitsvorfälle wöchentlich nach Regionen und Kategorien
Die Sicherheitslage ist ein fundamentaler Teil der afghanischen Wirklichkeit, aber längst nicht die ganze Wirklichkeit! Die „natürliche“ Dominanz der bad news verstellt den Blick auf die Teilfortschritte und Chancen, die es weiterhin gibt und die wahrzunehmen lebenswichtig für jede Stabilisierung und Friedensförderung ist. Deshalb sind meine Reiseberichte und die Parallelpublikation „Better News statt Bad News aus AFG“ unverzichtbare weitere Beiträge zum GENAUER HINSEHEN.
Vorbehalt:
Die Auflistung ist nicht lückenlos: Die täglichen „capture-and-kill“-Operationen von „combined Afghan + Coalition security forces“ und „combined special operations teams“ (vgl. ISAF Operational Updates) haben inzwischen einen solchen Umfang, dass sie diesen Berichtsrahmen sprengen und hier nur teilweise aufgenommen werden. Unbekannt ist das Dunkelfeld der CIA-Einsätze. Zusätzlich kann die Verlässlichkeit einzelner Angaben nicht garantiert werden. Nichts desto weniger zeigen die zusammengestellten Vorfälle Trends und Schwerpunkte der Sicherheitslage.
Quellen und Abkürzungen am Schluss.
Trends:
- Weiterer Anstieg der Zivilopfer landesweit, verursacht zunehmend durch Aufständische
(75%), abnehmend durch internationale Truppen und afg. Sicherheitskräfte/ANSF (16%)
- In Kunduz und Baghlan, den Schwerpunkten von Aufständischen und Aufstandsbekämpfung im Norden, erstmalig seit Jahren Rückgang von Sicherheitsvorfällen; veränderte Operationsführung und erhöhter Kräfteansatz zeigen Wirkung (ihre Nachhaltigkeit wird sich im Sommer zeigen müssen)
- Unverändert die höchst unterschiedliche Sicherheitslage (90% der Vorfälle im Süden und Osten) und Konfliktintensität in den Regionen und Provinzen, die Gleichzeitigkeit von Guerilla- und Terrorkrieg vs. militärische Aufstandsbekämpfung einerseits und relativ ruhigen Nichtkriegsgebieten mit Raum für Aufbau und Entwicklung andererseits
- Hohes Operationstempo von ISAF, täglich Operationen gegen Führungspersonen der Aufständischen in etlichen Distrikten
- Taktikveränderung der Aufständischen: weniger komplexe Angriffe, mehr Massaker-Anschläge (IED, Suizid) gegen Regierungsvertreter und afg. Polizei, Angriffe von ANSF-“Schläfern“ gegen internationale Soldaten/Polizisten
- Ausbildungslager der Aufständischen auch in einigen Nordprovinzen; zunehmend jüngere Suizidbomber, ihre „Produktion“ in Pakistan als Geschäft
- Auswirkungen des US-Teilrückzuges aus den östlichen Grenzprovinzen Kunar und Nuristan: Hinweise auf eine Rückkehr von Al Qaida
- Taliban und Mädchenschulen - Kulturwandel?
Mai
Am 3.5. mittags 14 km nordwestlich PRT Kunduz Anschlagsserie gegen dt. Patrouille: IED gegen „Dingo“, 20 Minuten später gegen 2. „Dingo“, ca. 20 Minuten später gegen einen „Fuchs“. Insgesamt 7 Soldaten und ein Sprachmittler verletzt, Fahrzeuge z.T. stark beschädigt.
Am 2.5. in Dakanah/Baghlan bei Clearance-Operation gegen save haven der Aufständischen einige Taliban getötet und zahlreiche gefangen.
Am 1.5. 300 km südwestlich Mazar ANSF und US-Kräfte mit Handwaffen und RPG beschossen, ein afg. Polizist getötet. In Baghlan-e Jadid/Baghlan ein höherer Talibanführer gefangen. Er soll mehr als 60 Kämpfer im Kandahari Belt geführt haben und verantwortlich sein für zahlreiche Suizidattacken in der Region.
April
Lt. ANSO in der 2. Aprilhälfte 2011 in der Provinz Kunduz 29 Sicherheitsvorfälle ggb. 37 in der ersten Aprilhälfte. In der 2. Aprilhälfte 18 IED-Vorfälle, davon 8 mit Explosion.
Am 30.4. in Doshti/Baghlan zahlreiche Aufständische bei Suche nach Talibanführer durch afg. und Koalitionskräfte getötet. In Pol-e Khomri/Baghlan Waffenlager mit 125 Antipersonenminen, 15 Antipanzerminen, 80 107-mm-Raketen, 200 30-mm-Flugabwehrraketen u.a.
Am 29.4. in Baghlan-e Jadid/Baghlan 4 mutmaßliche Aufständische bei Suche nach Talibanführer gefangen.
Armenien verstärkt seine Unterstützung des RC North von bisher einem Infanteriezug um zwei auf insgesamt 130 Soldaten.
Am 28.4. in Chahar Bolak/Balkh zwei mutmaßliche Aufständische gefangen.
Am 25.4. 12 km westlich PRT Kunduz dt. Patrouille mit IED angegriffen, keine Personenschäden, kaum Sachschäden.
(Teil)Zwischenbilanz ISAF Nord: Durch Operationen in November und Dezember 2010 wurden Aufständische aus ihren Hochburgen in Chahar Darreh und Imam Sahib/Kunduz verdrängt. (In Nord-Baghlan führten erst dt. QRF, dann Ausbildungs- und Schutzbataillon Mazar mit afg. und US-Kräften die ersten Clearance-Operationen seit Frühjahr 2010 durch.) In Charah Darreh, der no-go-area von 2009/2010 haben ISAF und ANSF seit Jahreswende Initiative und Bewegungsfreiheit zurück gewonnen. In den ersten Monaten des Jahres geschahen keine komplexen Angriffe auf ISAF mehr. Das Reintegrationsprogramm hat einen erheblichen Zulauf. Dass das Mobilfunknetz in der Provinz Kunduz seit Anfang Januar wieder rund um die Uhr aktiv ist, nachdem die Taliban im Frühjahr 2010 seine Abschaltung während der Dunkelheit erzwungen hatten, ist ein wichtiger Indikator.
Diese seit Jahren erstmalig positive Entwicklung zeigt sich auch im jüngsten Quartalsbericht von ANSO: Rückgang der Sicherheitsvorfälle im 1. Quartal 2011 ggb. 1. Q. 2010 in Kunduz von 79 auf 46, in Baghlan von 35 auf 16. Die Positiventwicklung wird überschattet durch eine Kette schwerer Selbstmordanschläge gegen ANSF und Regierungsvertreter in der Provinz Kunduz in den letzten Monaten. Diese regelrechte Massakertaktik wirkt massiv verunsichernd. Seit Februar wird eine „Re-Infiltration“ von Kämpfern beobachtet.
Schwerpunkt der Operationen von ISAF und ANSF ist weiterhin der strategisch bedeutsame Kunduz-Baghlan-Korridor.
Am 23.4. in Kunduz/Kunduz Gefangennahme zahlreicher mutmaßlicher Aufständischer: einer unter Verdacht, Führer einer 20-köpfigen Taliban-Zelle zu sein; ein zweiter Hersteller von IED`s.
In Sar-e Pul Beschuss verschiedener staatlicher Gebäude mit Handwaffen: ANA-Kaserne, Polizeiposten, Staatsanwaltschaft, im Bau befindliches Teacher Training College.
Am 21.4. spätabends in Dushti/Baghlan Beschuss eines zivilen Konvois mit Handwaffen und Panzerfäusten, 5 (3) Tanklaster für ISAF in Brand geschossen. Private Sicherheitsleute erwidern das Feuer.
The Wall Street Journal (21.4.): „Ethnic Militias Fuel Tensions in Northern Afghanistan“. In zwei Distrikten bei Mazar (Chimtal und Charbolak) ließ Provinzgouverneur Mohammad Atta Noor zwei Milizen aufstellen. Da die Zentralregierung seine Forderung nach Verstärkung von Polizei und Armee sowie nach Einheiten der Afghan Local Police abgewiesen hätte, sollen 452 Milizionäre die 280 Polizisten ergänzen. Die Milizen nutzen ihre eigenen Waffen und bekommen keinen Sold. Tadschikische und usbekische Milizen werden immer wieder beschuldigt, paschtunische Dorfbewohner zu berauben.
Lt. jüngstem ANSO-Quartalsbericht gibt es offiziell in NO-AFG Afghan Local Police in 8 Distrikten (davon in Kunduz Archi, Imam Shahib, Kunduz, Chahar Darreh, in Baghlan Baghlan-e Jadid und Pol-e Khomri). „Irreguläre bewaffnete Kräfte“ werden gemeldet aus 23 Distrikten, davon aus allen Kunduz-Distrikten.
Am 20.4. in Khanabad/Kunduz Gefangennahme eines afg. Top-Kommandeurs der IMU (Islamic Movement of Uzbekistan) und zwei Gefährten durch ein Special-Operations-Team von Koalition und ANSF. Der 2010 aus einem pakistanischen Gefängnis entkommene Kommandeur sei ein Schlüsselverbindungsmann zwischen der hohen IMU-Führung in Pakistan und der hohen Taliban-Führung in Afghanistan. Lt. ISAF habe die IMU im letzten Jahr ihre Präsenz in Nord-AFG verstärkt, Selbstmordattacken gegen Regierungsvertreter und Angriffen mit Schusswaffen und IED`s auf afg. und Koalitionstruppen und Zivilisten gerichtet. In den letzten 50 Tagen hätten afg.-Koalitionskräfte mehr als 20 IMU-Aufständische getötet, vier von ihnen höhere IMU-Führer, darunter Bilal Konduzi, der AFG-Chef der IMU.
Am 18.4. in Kunduz-Distrikt Explosion eines IED vor dem Haus eines Gemeindeältesten, drei Zivilisten verletzt.
Am 17.4. in Burkah/Baghlan Mullah Abdul Fatah Haqqani, höherer IMU-Kommandeur, und ca. 10 Kämpfer durch Luftangriff getötet. (In Burkah seit Anfang März 11 Razzien durch Afghan & Coalition Special Operations Forces)
Mohnanbau im Norden: Lt. UNODC Winter Assessment wird erwartet: starker Anstieg in Baghlan, Badakhshan und Faryab, weiter mohnfrei Balkh, Samangan, Sar-i Pul, Takhar, Jawzjan, Kunduz.
Dt. Polizeiausbildung: In 2011 bisher 43 Ausbildungsvorhaben mit 1.685 Teilnehmern abgeschlossen. Zzt. laufen 10 Aus- und Fortbildungsmaßnahmen mit 463 Polizisten. 1.349 werden gegenwärtig durch FDD-Teams (Focused District Development Program) begleitet und betreut. An der Polizeiakademie betreuen 11 dt. Mentoren 65 afg. Trainer, die wiederum 450 Polizeischüler ausbilden.
Vergleich 1. Quartal 2011/2010 (ANSO QUARTERLY DATA REPORT Q. 1 2011, www.afgnso.org/2011/ANSO%20Q1%202011.pdf):
Von bewaffneten oppositionellen Gruppen initiierte Attacken nahmen landesweit um 51% von 1.791 auf 2.700 zu, in den Extremprovinzen Helmand (Südwest) um 76% auf 672, in Kunar (Ost) um 8% auf 338, in Khost (Ost) 122% auf 326, in Kandahar (Süd) um 9% auf 249.
Im Norden Zunahme Jawzjian um 175% auf 33, in Badakhshan um 175% auf 11, in Balkh um 121% auf 31, in Fayab um 45% auf 55, in Samangan von 0 auf 2.
Im Norden Rückgang in Takhar um 74% auf 5, in Baghlan um 54% auf 16, in Kunduz um 42% auf 46, in Sar-e Pul um 10% auf 19.
Zwei Trends in der Taktik der Aufständischen: „Schläfer“ bei ANSF, die mit geringem Aufwand Wirkung von strategischer Bedeutung erzielen (Misstauen zwischen int. Militär und ANSF), und Suizidangriffe auf militärische, politische und zivile Schlüsselpersonen.
Erstmalig seit 2006 im April Rückgang der Zwischenfälle ggb. März. (ANSO-Zweiwochenbericht 2. Aprilhälfte)
Zivilopfer (civilian casualties)
lt. UNAMA 2010 2.777 (2009 2.414/+15%), davon im Norden + Nordosten 308 (2009 230); verursacht von
- „Anti-government elements“ 2.080/75% (2009 1.631), davon IED 904 (779), Exekutionen 462 (225), Selbstmordanschläge 237 (280), Beschuss 253 (144), indirektes Feuer 95 (91)
- “Pro-government forces” (int. Militär, ANA) 440/16% (2009 596), davon Luftangriffe 171 (358), Razzien 80 (98), Beschuss 64 (32), indirektes Feuer 51 (27), Escalation of force 45 (39).
Lt. CIVCAS Datenbank von ISAF wurden 2009 und 2010 2.537 Zivilpersonen im Kontext des bewaffneten Konflikts getötet und 5.594 verwundet. 12% der Zivilopfer seien durch ISAF verursacht worden.
Auch wenn UNAMA und AFG Rights Monitor doppelt so viele Zivilopfer melden, sind die Trends bei allen Erfassungen dieselben. Ein Expertenteam wertete alle Daten für Science aus. Ihr Ergebnis: Für Zivilisten wurde der Krieg in den letzten zwei Jahren tödlicher (+20%), ISAF wurde zugleich eine sicherer kämpfende Truppe (-26% Ziviltote lt. UNAMA).
Am 16.4. in Meymaneh/Faryab 16 km entfernt vom PRT norwegische Kräfte mit Handwaffen angegriffen. Ein norw. Soldat verletzt. In Sayyad/Sar-i Pul zahlreiche Aufständische getötet. Zielperson sei der höchste Führer aller Talibanoperationen in der Provinz mit Verbindungen zu foreign fighters und Suizid-Trainingcamps gewesen. In Baghlan-i Jadid/Baghlan ein Unterstützer der Aufständischen gefangen.
Am 13.4. in Darzab/Jowzjan einige Aufständische, darunter ein Talibanführer der Provinzebene, bei von afg. und Koalitionskräften getötet. In Pul-i Khumri/Baghlan einige mutmaßliche Aufständische gefangen.
Am 12.4. in Ghormach/Faryab Talibanführer Haji Bahuddin und mehr als 10 Kämpfer bei Sicherheitsoperation getötet. In Bal Chiragh/Faryab bei Operation gegen Talibanführter 3 Kinder durch Aufständische getötet, 4 verletzt.
Am 11.4. in Sayyad/Sar-i Pul ein Aufständischer durch Luftschlag getötet.
Am 10.4. bei Ghormach/Badghis US-Kräfte mit Handwaffen beschossen, ein US-Soldat getötet.
In Baghlan-e Jadid/Baghlan mutmaßliche Aufständische bei Suche nach Taliban-Unterstützer gefangen.
Am 9.4. in Darzab/Jowzjan zwei angreifende Aufständische durch Luftnahunterstützung getötet.
Am 8.4. in Mazar/Balkh erneut Proteste gegen die Koranverbrennung in den USA, über 60 UNAMA-MitarbeiterInnen in Camp Marmal untergebracht, ANSF halten die Lage unter Kontrolle. Seit dem 10.4. arbeitet UNAMA wieder voll in Mazar.
In Gosfandi/Sar-i Pul Distriktpolizeichef bei Patrouille erschossen. In Darzab/Jowzjan ca. 18 Taliban bei Gefecht mit ANSF und int. Truppen getötet.
Am 7.4. im Raum Kunduz Zwischenfall zwischen ANA-Kräften und begleitenden dt. Mentoren und NDS an einem Lager des NDS, Eskalation rechtzeitig durch einen ANA Offizier gestoppt. Ein dt. Soldat beim Waffenreinigen im PRT Kunduz verletzt.
In Baghlan-e Jadid/Baghlan ein Talibanführer (IED-Experte, Schlüsselperson im „Baghlan suicide attack network“) und zwei Kämpfer gefangen.
In Gosfendi/Sar-i Pul ein Talibankämpfer getötet und 6 verletzt, als lokale Bevölkerung sich weigerte, den Taliban Steuer (zakat) zu entrichten.
6.4. Angriff eines Coalition + Afghan Special OperationsTeams auf einen Taliban safe haven in Qaisar/Faryab, einige Kämpfer getötet, zahlreiche gefangen. ISAF identifizierte safe haven und Ausbildungslager der Taliban und der Islamischen Bewegung Uzbekistans (IMU) in Baghlan (Burkah), Samangan und Sar-i Pul (hier angeblich auch Training von Selbstmordattentätern!). (LWR vom 7.4.)
Am 4.4. südwestlich des PRT Meymaneh/Faryab zwei US-Soldaten von einem afg. Grenzpolizisten in Polizeicamp erschossen.
Am 3.4. Generalmajor Samiullah Qatrah neuer Polizeichef in Kunduz. Sein Vorgänger war am 10.3. einem Selbstmordattentat zum Opfer gefallen. Qatrah war seit Herbst 2010 im Innenministerium für das Reintegrationsprogramm zuständig.
Am 2.4. in Imam Shahib/Kunduz Taliban-Kommandeur Shamsullah und andere Kämpfer durch afg. und US-Spezialkräfte getötet. Er soll ein Selbstmordattentäter-Netzwerk im Norden geführt haben. Er wird verantwortlich gemacht für drei große Angriffe Ende Februar (21.2. in Imam Shahib mit mehr als 30 Toten), den Anschlag auf den Polizeichef von Kunduz (7 Tote) am 10.3. und auf das ANA-Rekrutierungsbüro am 14.3. (mehr als 30 Tote). (LWJ 4.4.)
Am 1.-3.4. in verschiedenen Städten Demonstrationen gegen die Verbrennung eines Koran in den USA, in Taloqan und Meymaneh friedlich, in Mazar und Kunduz z.T. gewalttätig. In Mazar/Balkh zogen anfänglich 500, schließlich 3.000 Demonstranten von der Blauen Moschee nach dem Freitagsgebet zum regionalen UNAMA –Hauptquartier. Nach ersten Steinwürfen Sturm und Brandschatzung des Gebäudes: 7 UNAMA-Mitarbeiter getötet (vier Nepalesen, eine Norwegerin, ein Rumäne, ein Schwede) sowie drei Demonstranten. ANP wird überrannt. Ein Hilfegesuch an das RC North soll weder von den ANSF noch von UNAMA ausgegangen sein. Umstritten ist, inwieweit ISAF selbst hätte initiativ werden müssen. Es war innerhalb von anderthalb Jahren der dritte blutige Angriff auf UNAMA (UN-Gästehaus im Oktober 2009 mit 8 Toten, gerade noch abgewehrter Angriff auf das Regionalbüro in Herat im Herbst 2010).
Seit dem 1.4. unterstützt die Bundeswehr die Ausbildung der afg. Bereitschaftspolizei und Gendamerie (ANCOP) im Afghan Uniform Police Regional Training Center (AUP RTC) in Kunduz mit einem Team von 15 Soldaten (bis 30 Mann gebilligt).
März
Am 25.3. in Chahar Darreh/Kunduz 14 km westlich vom PRT IED-Anschlag auf Patrouille von Bundeswehr und ANP, ein afg. Polizist getötet, ein Polizeifahrzeug zerstört.
Bundestagsbeschluss zur dt. Beteiligung am AWACS-Einsatz in Afghanistan (Begründung: „Entlastung der Verbündeten“ wg. dt. Nichtbeteiligung an der Libyen-Intervention)
Am 21.3. in Sholgarah/Balkh ein IMU-Führer und zwei Kämpfer gefangen, ein Kämpfer durch afg. und Koalitions-Spezialkräfte getötet. (Seit dem 8.3. 6 Razzien gegen IMU-Führungskader in Burkhah/Baghlan, Ausbildungslager in Kunduz und Sar-i Pul)
Am 20. 3. in Burkah/Baghlan mehr als 10 Kämpfer getötet und einer gefangen bei Spezialoperation auf der Suche nach 4 IMU-Kommandeuren.
Am 17./18.3. in Sayyad/Sar-i Pul bei Spezialoperation ein Aufständischer getötet, mehrere gefangen bei der Suche nach Talibankommandeur, der in Verbindung zu Suizid-Training Camps stehen soll.
Am 18.3. in Chahar Darreh/Kunduz 9 km nordwestlich des PRT bei IED-Suchoperation von zwei dt. Infanteriekompanien ein Fahrzeug des US Route Clearance Package (speziell geschütztes IED-Räumfahrzeug/RCP) von >70 kg Sprengladung getroffen, 4 Soldaten (darunter ein dt.) und ein Sprachmittler verwundet.
Am 14.3. mittags Selbstmordanschlag auf das Rekrutierungsbüro der ANA in Kunduz, 4 ANA-Soldaten und 22 Zivilpersonen (darunter 4 Kinder) getötet, 40 Personen verletzt. Andere Quellen sprechen von mindestens 33 Getöteten.
Am 13.3. in der Provinz Kunduz IED gegen Zivilfahrzeug.
Am 12.3. 8 km nordwestlich Pol-e Khomri/Baghlan dt. Kräfte mit Handwaffen beschossen, Soldaten brechen durch, keine Personenschäden. IED-Angriff auf ANP in Kunduz.
Am 10.3. auf dem Markt von Kunduz Stadt der Polizeichef der Provinz und drei (zwei) Leibwächter durch Selbstmordattentäter getötet, zwei Polizisten verletzt. In Dara Soof Payan/Samangan IMU-Kommandeur Shad Mohammad und vier Kämpfer durch Luftangriff getötet. In Mazar/Balkh IMU-Militärkommandeur und einige Kämpfer gefangen genommen.
Am 9.3. 7 km südwestlich Kunduz Feuergefecht zwischen dt. Kräften und Aufständischen. Von zwei im Umfeld verletzten afg. Frauen stirbt eine im Rettungszentrum des PRT. Der Polizeichef von Chahar Darreh wirft der Bundeswehr vor, den Tod der Frau verschuldet zu haben (Querschläger). Die Bundeswehr bestreitet das und verweist darauf, dass die verletzte Frau anderthalb km vom Gefechtsort einer Patrouille übergeben worden sei.
Am 8.3. in Burkah/Baghlan bei Spezialoperation gegen einen Talibankommandeur mehrere Aufständische getötet, einer gefangen genommen. Der Kommandeur soll mit der IMU verbunden sein und ca. 80 foreign fighters befehligen.
Am 7.3. Wechsel des US-Leitverbandes im RC North von der 1st Brigade der 10th Mountain Division zur 170th Infantry Brigade aus Baumholder/Rheinland-Pfalz.
---------- Ab hier reduzierte Quellenauswertung ---------------------------------------------------------------
Das 209. ANA-Korps (eins von sechs Korps insgesamt): Die 2. Brigade (ca. 3.000 Soldaten) in Kunduz gilt als nahezu einsatzbereit und kann auf Verbandsebene operieren. Der Brigade mit ihren 6 Bataillonen (Kandaks) sind 7 Operational Mentor + Liaison Teams (OMLT) mit 308 Soldaten (163 DEU, 90 BEL, 43 HUN, 12 UN) zur Ausbildung + Beratung, Verbindung + Führung, Planungs- und Operationsunterstützung zugeordnet.
Die 3. Brigade in Mazar verfügt bisher über ein zum Partnering fähiges Kandak (Bataillon) und soll in 2011 um zwei weitere Infanterie-Kandaks und ein Unterstützungs-Kandak aufwachsen. Die 1. Brigade in Meymaneh befindet sich in der Aufstellung, Partnering mit einem Kandak soll bald möglich werden.
Mangels Masse können die OMLT die Kandaks nur eingeschränkt bei Operationen begleiten. Um die Schlüsselaufgabe „Erhöhung der Eigenständigkeit + Effizienz der ANA auf dem Weg zur Unabhängigkeit von ISAF“ bestmöglich erfüllen zu können, wird vor Ort die Verdoppelung der OMLT-Kräfte für notwendig gehalten.
Februar
Am 24.2. Kommandoübergabe ISAF RC North von Generalmajor Hans-Werner Fritz an Generalmajor Markus Kneip. (General Kneip war im Sommer 2006 erstmalig in Mazar Regionalkommandeur. Er hatte schon damals nachdrücklich vor einer Verschärfung der Lage gewarnt.) Damit Übergang vom 24. auf das 25. dt. Einsatzkontingent.
Am 22.2. in Baghlan-e Jadid/Baghlan nördlich vom OP North dt. Soldaten im Partneringeinsatz mit Handwaffen beschossen, Luftnahunterstützung, keine eigenen Personen- und Sachschäden. Am selben Tag ca. 10 km südwestlich Kunduz dt. Soldaten mit Handwaffen beschossen, Feuerwechsel, keine eigenen Schäden.
Am 21./22.2. Besuch einer Delegation des High Peace Council in Kunduz. Damit Bestätigung des Friedens- und Reintegrationsrates der Provinz, in dem der Anteil von traditionellen Führern erhöht wurde.
Am 21.2. im Gebäude der Distriktverwaltung von Imam Shahib/Kunduz ca. 30 Zivilpersonen durch Selbstmordattentäter getötet, mehr als 30 verletzt.
Am 20.2. in Baghlan-e Jadid/Baghlan Beginn der Operation NAWROZ der ANSF (400 Soldaten, 600 Polizisten), ISAF stellt nur „Mangelfähigkeiten“. Marco Seligers Reportage „Der Polizist, dein bekiffter Partner“ über die Erfolge und Hindernisse des Einsatzes im OP North/Baghlan in der FAZ am 25.2..
Am 18.2. in Baghlan-e Jadid/Baghlan im Oberservation Post (OP) North drei deutsche Soldaten durch einen ANA-Soldat erschossen, 6 verwundet. Der Attentäter war ein 19-jähriger Wachsoldat, seit 9 Monaten in der ANA. Die Gefallenen sind der Hauptfeldwebel Georg Missulia, der Stabsgefreite Konstantin Menz und der Hauptgefreite Georg Kurat, alle vom Panzergrenadierbataillon 112 in Regen. (Susanne Koelbl verweist im Spiegel 9/2011 auf die gegenüber vor 5 Monaten erheblich verbesserte Lage in Baghlan: Damals seien täglich Lkw`s überfallen worden, IED`s gelegt und Wegezölle an illegalen Checkpoints erhoben worden. Jetzt sei es in Baghlan relativ sicher.)
Am selben Tag abends Beschuss einer Patrouille der Task Force Kunduz (Ausbildungs- und Schutzbataillon) nordwestlich des PRT Kunduz mit Handwaffen und Panzerfäusten. Vier dt. Soldaten verwundet, erstmalig ein Schützenpanzer „Marder“ in Brand geschossen und ausgefallen.
Am 17.2. in Chahar Darreh/Kunduz ein ANP-Polizist durch IED getötet. Im selben Distrikt Beschuss von dt. Kräften.
Am 15.2. südöstlich von Aybak/Samangan ein finnischer Soldat des PRT Mazar durch IED getötet.
Am 13.2. ca. 40 km nordwestlich Kunduz in Qal àh-ye Zal durch IED zwei dt. Soldaten leicht verletzt, Fuchs beschädigt.
Am 10.2. am Eingang der Distriktverwaltung von Chahar Darreh/Kunduz Distriktgouverneur Said Abdul Wahid Omarkhel und 6 Personen durch Selbstmordattentäter getötet, 7 weitere verletzt. Der Anschlag geschah bei einem Treffen mit örtlichen Milizenführern durch einen ca. 16-jährigen Jungen beim Überreichen eines Bittschreibens. Der Distriktgouverneur hatte schon mehrere Anschläge überstanden.
Ende Januar durch eigenständige Operation der afg. Polizei nördlich und nordwestlich von Kunduz und Vorstoß nach Dasht-e Archi Aufständische aus weiten Gebieten verdrängt. Erstmals seit 2009 sollen Aufständische in der Provinz Kunduz keine größeren Gebiete mehr kontrollieren. (!!!)
Januar
Am 31.1. nachmittags dt. Soldaten 17 km südlich PRT Kunduz mit zwei Mörsergranaten angegriffen, keine Schäden.
Am 29.1. in Chahar Darreh/Kunduz durch IED zwei dt. Soldaten verwundet, „Dingo“ beschädigt.
Am 28.1. Bundestagsabstimmung über die Fortsetzung der Bundeswehrbeteiligung an ISAF: 420 Ja-Stimmen, 116 Nein, 43 Enthaltungen.
Am 28.1. lehnt das niederländische Parlament einen Oppositionsantrag, der die geplante niederländische Polizeimission in Nord-AFG verhindern soll, ab. Schwerpunkte der bis 2014 terminierten Mission sind Kabul, Mazar und Kunduz.
Am 27.1. Eintreffen von zwei zusätzlichen Panzerhaubitzen 2000 als „Gerätereserve“ und Verlegung nach Kunduz und OP North. (insgesamt jetzt 5)
Am 19.1. in Doshti/Baghlan US-Konvoi mit Handwaffen und Panzerfäusten beschossen, ein US-Soldat getötet.
Anfang Januar im Norden des Distrikt Dahanah-ye Ghori/Baghlan (Highway-Triangle)Fortsetzung der Operation JADID, seit Ende Dezember in der Phase V (Hold). Erstmalig ist der Anteil der ANSF höher als der von ISAF. (Im November bei Operationsbeginn 650 ISAF, 250 ANSF; jetzt 750 ANSF, 300 ISAF) Ausbau weiterer Combat Outposts (Feldposten) im Dande-e Ghori Distrikt.
In Chahar Darreh/Kunduz Fortsetzung der Operation SHER CHESAN, Besetzung der Combat Outpost (COP) Quatliam und des OP Athen durch lokale Sicherheitskräfte (Milizen), US und TF Kunduz. (Großteil der IED`s wurden der ANA von der Bevölkerung gemeldet.)
Seit Anfang Januar in der Provinz Kunduz Handynetz wieder rund um die Uhr. Im letzten Frühjahr hatten die Taliban das Ausschalten der Handynetze bei Dunkelheit in der Provinz durchgesetzt. Die Reaktivierung des Handynetzes ist ein wichtiger Indikator für den Rückgang der Sicherheitsbedrohung durch die Aufständischen. (FAZ 15.1.2011)
Am 3.1. Einsetzung des neuen Gouverneur von Kunduz, Mohammad Anwar Jegdalek. Er war bis vor kurzem Minister für Parlamentsangelegenheiten. Sein Vorgänger Mohammad Omar war am 8.10.2010 durch Anschlag getötet worden.
2010
Dezember
Ende Dezember 2010 im nördlichen Charah Darreh/Kunduz („Zweistromland“) die vor hauptsächlich von US-Kräften getragene und durch TF Kunduz und ANSF verstärkte Operation DAARA-E WAADA in der Shape-Phase. In der FAZ v. 3.1.2011 berichtet Marco Seliger von der Operation TOWSE A GARBE II im Gebiet um Gor Tapa nordwestlich von Kunduz zwischen Weihnachten und Neujahr. US-Spezialkräfte und Kräfte der vom Innenministerium authorisierten „Afghan Local Police“ besetzten Gor Tepa. Got Tepa war seit Jahren ungestörtes Rückzugsgebiet für Taliban und ausländische Kämpfer der Islamischen Bewegung Uzbekistans (IMU). Bundeswehrsoldaten sichern Brücke an der Aufmarschstrecke.
Am 31.12. Taliban-Schattengouverneur von Kunduz, Mauilwi Bahadar, von afg. und US-Spezialkräften getötet.
Am 30.12. 19 km nordwestlich PRT Kunduz dt. Soldaten mit Handwaffen angegriffen, keine Personenschäden.
Am 29.12. 6 km westlich des PRT Kunduz dt. Kräfte mit IED attackiert, keine Personen- und Sachschäden. Ca. 18 km nordwestlich des PRT Kunduz dt. Soldaten mit Handwaffen angegriffen, keine Verwundungen.
Am 28.12. 13 km nordwestlich Kunduz dt. Kräfte mit Handwaffen und Panzerfäusten angegriffen, Luftnahunterstützung mit Waffeneinsatz und drei Schuss Mörser gegen aufgeklärte Stellung. Hierdurch keine zivilen Personen- und Sachschäden, auch keine eigenen Schäden.
Am 24.12. kurz nach Mitternacht in Taloqan/Takhar ca. 500 Meter vom Safe House des Provincial Advisory Teams (PAT) dt. Patrouille mit IED angegriffen, zwei „Dingos“ beschädigt, keine Verletzungen.
Am 23.12. 18 km nordwestlich PRT Kunduz Beschuss dt. Kräfte mit Handwaffen, Anforderung von Luftnahunterstützung, Weiterfahrt zum PRT, keine Schäden.
Inzwischen 1.093 geschützte Fahrzeuge beim dt. Einsatzkontingent. Noch in 2010 sollen erste acht „Dingo“ 2 mit der fernbedienbaren Waffenstation 200 (FWL 200) eintreffen. Abschluss eines Beschaffungsvertrags über 20 „Dingo 2“ (Variante Operative Information) am 31.12..
Am 19.12. in Kunduz Angriff auf ein Rekrutierungsbüro der ANA, 3 ANA-Soldaten und zwei afg. Polizisten getötet, 6 weitere Soldaten, 11 Polizisten und mindestens 15 Zivilpersonen verwundet.
Am 17.12. 6 km nordwestlich PRT Pol-e Khomri/Baghlan dt. Kräfte mit Mörsern beschossen, keine Personenschäden. Am Abend in einem Außenposten des PRT Pol-e Khomri dt. Soldat mit Schusswunde aufgefunden, nach Notoperation gestorben. (Schussabgabe durch Kameraden)
Am 11.12. in Chahar Darreh/Kunduz bei Selbstmordanschlag mit Kfz (gestohlenes Polizeifahrzeug) an einem Kontrollpunkt 6 ANA-Soldaten und mehr als 10 Zivilpersonen verwundet.
Am 6.12. bei Pol-e Khomri/Baghlan dt. Kräfte mit Maschinengewehren und Panzerfäusten angegriffen, zwei dt. Soldaten verwundet.
6. AFG-Umfrage von ARD, ABC, BBC und Washington Post: Im Nordosten ist die positive Einstellung gegenüber Deutschland von 75% in 11/2007 auf jetzt 46% (landesweit 56%) gesunken. Umgekehrt ist die Zahl der Befürworter von Anschlägen auf NATO-Einheiten auf 39% gestiegen (landesweit um 19 auf 27%). Zugleich werden aber Taliban und andere Aufständische als größte Bedrohung im Land wahrgenommen. (Wie 1.691 in allen 34 Provinzen befragte Afghaninnen und Afghanen ein „repräsentatives“ Meinungsbild der Bevölkerung ergeben sollen, erscheint angesichts der enormen Fragmentierung der afghanischen Gesellschaft rätselhaft. Eine gewisse Aussagekraft haben solche Umfragen aber im Vergleich über die Jahre. Methodisch auf viel solideren Beinen steht die Untersuchung von Ja Koehler u.a., SFB 700/FU Berlin, vom März 2007/2009/2011 in den Provinzen Takhar und Kunduz.) www.die-tagesschau.de/ausland/afghanistanumfrage190.html
SWP-Aktuell 84: Eskalation im Raum Kunduz – Wer sind die Aufständischen in Nordostafghanistan? Von Guido Steinberg und Nils Wörmer
Am 1.12. nachmittags 24 km nordwestlich des PRT Kunduz dt. Kräfte mit Mörser beschossen, keine Verletzten. Am selben Tag gegen 22.00 Uhr 10 km westlich des PRT Kunduz dt. Patrouille mit Handwaffen angegriffen, „Marder“ getroffen, keine Personenschäden.
November
Am 30.11. 3 km nordöstlich des PRT Feyzabad/Badakhshan dt. Patrouille mit Handwaffen angegriffen, keine Verletzten. Im OP North in Baghlan bei Schießausbildung zwei dt. Soldaten durch ungewollte Schussabgabe leicht verletzt.
Am 29.11. Operation Base südöstlich Pol-e Khomri/Baghlan mit drei Raketen beschossen, zwei schlagen im Stützpunkt ein, eine detoniert, keine Verletzten.
Am 28.11. in Taloqan/Takhar zwei Zivilpersonen durch IED getötet, eine verletzt.
Am 24.11. in Bal Chiragh/Faryab Panzerfaustbeschuss eines Zivilfahrzeuges mit Dorfältesten und Polizisten, zwei Polizisten und fünf Dorfälteste getötet, vier Älteste verletzt.
Am selben Tag in Khwajaj/Takhar durch Selbstmordattentäter an Polizeistation eine Zivilperson getötet.
Am selben Tag in Pol-e Khomri/Baghlan ISAF-Patrouille mit Handwaffen und Panzerfäusten beschossen, 5 US-Soldaten z.T. schwer verletzt, zwei Fahrzeuge schwer beschädigt, Einsatz von Luftnahunterstützung
Im Norden der Provinz Takhar Operation der ANSF ohne ISAF-Beteiligung.
Am 22.11. letzter Einsatz der dt. RECCE-Tornados.
Am selben Tag morgens 6 km nordwestlich des PRT Kunduz drei dt. Soldaten durch IED verletzt, zwei davon schwer, „Fennek“ beschädigt.
Am 18.11. dt. Kräfte 38 km nördlich PRT Pol-e Khomri/Baghlan dt. Kräfte bei technischem Halt mit Handwaffen angegriffen, Luftnahunterstützung und Kräfte des OP North angefordert, keine eigenen Verletzten.
Am 16.11. in Khanabad/Kunduz IED-Anschlag bei Beerdigung, offenbar gegen den Bürgermeister von Kunduz. Der Bruder des Bürgermeisters und ein Polizist getötet, neun Personen verletzt.
5 km südwestlich von Camp Marmal/Mazar Verkehrsunfall zwischen dt. Dingo und zivilem Motorrad. Ein Kradfahrer getötet, der zweite erliegt später seinen schweren Verletzungen.
Am 15.11. Beendigung der Operation HALMAZAG im südlichen Chahar Darah/Kunduz. Seit dem 30.10. mehrere heftige und andauernde Gefechte um Quatliam, wo dt. Pioniere einen COP an der Line of Communication Little Pluto errichteten. Auf Seiten der Aufständischen Handwaffen, Panzerfäuste, IED und Mörser im Einsatz. Die länger geplante Elektrifizierung von Quatliam kann jetzt angegangen werden. Aus der Bevölkerung vermehrt Meldungen über mutmaßliche IED-Orte.
Am 14.11. bei Angriff auf einen ANP Checkpoint in Qalai Zal/Kunduz gegen 6.30 Uhr 8 afg. Polizisten getötet, alle Waffen und Munition geraubt.
Erfolgreiche Abwehr eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs aus Stellungen mit Handwaffen und Panzerfäusten auf das PRT Feyzabad/Badakhshan, dabei auch Einsatz von Scharfschützen. Ein getöteter Aufständischer und Panzerfäuste geborgen. Keine eigenen Personenschäden.
Am 13.11. gegen Mitternacht verdächtige Annäherung eines Traktors mit zwei Personen an den COP Quatliam 6 km westlich PRT Kunduz, gezielte Blendung der Sicherungskräfte. Vergebliche Kontaktaufnahme, Warnschüsse, Flucht der Personen, Beschuss der Scheinwerfer.
In Imam Shahib/Kunduz 10 (andere Quelle 7) Personen, darunter ein Dorfpolizeichef und sein Leibwächter, durch Selbstmordattentäter auf Motorrad getötet, 19 Zivilpersonen verletzt.
Am 11.11. abends ca. 15 km nordwestlich Kunduz verdächtige IED-Grabungsarbeiten an einer Fahrpiste, Bekämpfung durch Luftangriff.
Am 10.11. vormittags in Qal`ah-ye Zal/Kunduz dt. Kräfte mit Handwaffen und Mörsern angegriffen, Dingo stark beschädigt, Gefecht mit ca. 50 Aufständischen. Diese können beschädigten Dingo in Brand setzen, Explosion der Munition an Bord. Gezielte Zerstörung des „Dingo“ durch Luftnahunterstützung. Keine eigenen Personenschäden.
Am 5.11. in der Provinz Faryab der Vorsitzende des Provinzrats und 11 afg. Zivilpersonen durch Selbstmordattentäter getötet, über 30 verletzt.
Am 3.11. im Rahmen von HALMAZAG Feuergefechte, wobei wieder Panzerhaubitze und Luftnahunterstützung zum Einsatz kommen. Angriff auf das Polizeihauptquartier von Chahar Darreh/Kunduz abgewehrt. . Ein dt. Soldat bei Gefecht leicht verletzt. Lt. ISAF 4 Aufständische getötet.
Am Morgen desselben Tages 93 km südwestlich des PRT Maymaneh/Faryab Angriff auf US-Kräfte mit Handwaffen und Panzerfäusten, ein US-Soldat getötet.
Am 2.11. im Rahmen von HALMAZAG Angriffe von Aufständischen mir Handwaffen, Panzerfäusten und Mörsern. Bekämpfung der Stellungen durch Bodentruppe, Panzerhaubitze und mehrfacher Luftnahunterstützung. Lt. ISAF 5 Aufständische getötet.
Am 1.11. in Kunduz/Kunduz bei IED-Anschlag auf das Fahrzeug des Distriktgouverneurs von Ali Abad/Kunduz zwei Personenschützer, ein Polizist und ein Kind verletzt. Distriktgouverneur nicht im Fahrzeug.
Im Rahmen von HALMAZAG mehrere Feuergefechte, Panzerhaubitze gegen aufgeklärte Mörserstellungen, einmal Einsatz von Luftnahunterstützung. Lt. ISAF-Erkenntnis ein Aufständischer getötet.
Umstrukturierung der dt. Einsatzkräfte: Seit 1.11.2010 Ausbildungs- und Schutzbataillon (ASB) Mazar (Task Force Mazar) einsatzbereit. Damit ist die Umstrukturierung der dt. Einsatzkräfte abgeschlossen. 2011 sollen die bisher acht dt. Operational Mentor + Liaison Teams (OMLT) wg. des ANA-Aufwuchses um zwei Teams aufgestockt werden. Im Rahmen von Partnering, Mentoring und Unterstützung der lehrgangsgebundenen Ausbildung an Truppenschulen zzt. ca. 1.500 Bundeswehrsoldaten.
DEU inzwischen Leitnation bei der Einsatzunterstützungsschule (Combat Service Support School CSS-S), ehemals Logistikschule, in Kabul. DEU stellt von 89 internationalen Mentoren aus 7 Ländern 33 Soldaten. 40 verschiedene Lehrgänge stehen zzt. 600 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Bis 2014 ist eine Ausweitung auf 100 Lehrgänge und 1.200 Plätze geplant.
Die Aufgabe der dt. PRT-Kommandeure verlagert sich vermehrt Richtung Unterstützung von Aufbau/Entwicklung und Regierungsführung. Die Frage einer zivilen Leitung des PRT rückt näher.
In Badakhshan Anstieg der Sicherheitsvorfälle auf das Niveau von 2008, Anschlagsschwerpunkte und Rückzugsgebiete der Aufständischen in den westlichen Distrikten Kishim, Darayim, Tashkan und Tagab. Hier inzwischen vermehrte ANSF-Präsenz. In Feyzabad liegt das 2. Infanterie-Kandak der 2. Brigade des 209. ANA-Korps. Das seit Abzug dänischer Soldaten im Juli rein dt. PRT Feyzabad wird mit US-Soldaten und einem mongolischen Zug wieder etwas multinationaler. Unterstützung des FDD anlassbezogen vorrangig durch das dem ANA-Kandak zugeordnete OMLT. Reduzierung der Bundeswehr in Feyzabad auf 280 Stellen.
US-Verstärkung der Foward Air MedEvac durch UH-60 MedEvac-Hubschrauber seit Frühjahr 2010, die an 5 Standorten stationiert sind. Damit Abdeckung aller operativen Schwerpunkte. Die US-Hubschrauber werden ggfs. durch dt. Sanitätspersonal verstärkt. Zusätzliche amerikanische Operationsgruppen arbeiten auch in dt. Einrichtungen. Die US-Hubschrauber fliegen ihre Rettungseinsätze auch bei erheblicher eigener Gefährdung, z.B. am 7.10. bei Pul-i Khumri.
Oktober
Ab 31.10. in Raum Kunduz die Operation HALMAZAG (Dari für Blitz) mit insgesamt 480 Soldaten, v.a. des ASB/Task Force Kunduz (zwei Fallschirmjägerkompanien u.a.), eine US- und eine ANA-Infanteriekompanie sowie 30 afg. Polizisten. Ziel ist die Verbesserung der Sicherheitslage und des Schutzes der Bevölkerung südlich der Stadt Kunduz. 6 km westlich des PRT bei der Ortschaft Quatliam soll ein neuer Feldposten errichtet werden. Parallel findet Keyleader Engagement statt. Bei den Gefechten mehrfach Einsatz von Luftnahunterstützung und der Panzerhaubitze 2000. (Verlauf 31.10.-4.11. auf der Bundeswehr-Website; vgl. auch Marco Seliger „Der Sieg von Isa Khel“, FAZ 15.11.2010, und „Revanche für Karfreitag“, in :LOYAL 12/2010)
Operativer Schwerpunkt des COM RC North in der Provinz Baghlan. Hier soll nach TAOHID III die Operation JADID folgen.
Am 31.10. 7 km westlich des PRT Kunduz in der Anmarschphase zu HALMAZAG erste Feuergefechte, von Seiten der Aufständischen Handwaffen und Panzerfäuste. Bei drei Sprengstoffanschlägen auf US- und dt. Kräfte zwei Bundeswehrsoldaten leicht verletzt, ein Marder leicht, ein zweiter schwer beschädigt. Weiterer Beschuss nahe Quatliam, Feuerunterstützung durch die Panzerhaubitze 2000 im PRT. Zwei Aufständische getötet.
Am 29.10. Ernennung von Dr. Mohammad Alam Ishaqzai, bisher stv. Gouverneur von Nangarhar, zum neuen Gouverneur von Kunduz und von Dr. Shaha Waliollah Adib zum Gouverneur von Badakhshan.
Am 27.10. 75 km südwestlich des PRT Meymaneh/Faryab ein US-Soldat durch IED getötet.
Am 26.10. frühmorgens Beschuss eines CH-53 Hubschraubers 40 km nordöstlich des PRT Kunduz mit Panzerfaust, keine Personen- und Sachschäden. Am Nachmittag 10 km westlich des PRT Kunduz bei IED-Explosion in Nähe eines „Fuchs“ zwei dt. Soldaten leicht verletzt, „Fuchs“ leicht beschädigt.
Am 19.10. Beschuss des Hauptquartiers der Polizei in Feyzabad/Badakhshan mit Panzerfäusten, keine Personen- und Sachschäden.
Am 18.10. ca. 80 km südlich Mazar in der Provinz Samangan zwei schwedische Soldaten durch Angriff von Militanten schwer verletzt.
Am 17.10. 10 km westlich des PRT Kunduz dt. Kräfte mit Handwaffen und Panzerfäusten angegriffen. Im Laufe des Gefechts auf ISAF-Seite Einsatz von Mörsern, Panzerhaubitze, „Marder“ mit Panzerabwehrlenkkörper „Milan“, Luftnahunterstützung durch eine F-16. Ein dt. Soldat verletzt, lt. Gespräch mit dem Dorfältesten keine Opfer unter der Zivilbevölkerung.
Am 16.10. in Chemtal/Balkh 50 km westlich des PRT Mazar bei Angriff mit Handwaffen und IED ein schwedischer Soldat getötet, ein weiterer schwer verletzt.
Am 11.-13.10. internatiomale Truppenstellerkonferenz für das RC North in Budapest unter Leitung des dt. Einsatzführungskommandos mit Vertretern aus Albanien, Armenien, Belgien, Bosnien & Herzegowina, Deutschland, Finnland, Kroatien, Lettland, Mazedonien, Montenegro, Norwegen, Schweden, Ungarn, und USA. Fast alle Staaten bestätigten ihr Engagement in Nord-AFG. Die meisten schlossen mit Verweis auf innenpolitische Zwänge eine Verstärkung ihres Beitrags aus.
Am 11.10. 4 km nördlich des PRT Pol-e Khomri/Baghlan Verkehrsunfall eines dt. Transportpanzers „Fuchs“, 6 dt. Soldaten leicht verletzt.
Am 10.10. 7 km östlich des PRT Kunduz IED-Anschlag auf dt. Kräfte, keine Personen- und Sachschäden.
Am 8.10. in Taloqan/Takhar der Gouverneur der Provinz Kunduz, Mohammad Omar, beim Freitagsgebet in der Hauptmoschee zusammen mit 25 weiteren Menschen durch IED getötet, 45 Personen z.T. schwer verletzt. Unter den Getöteten sind mehrere Mitglieder des Provinzrates von Takhar.
Am 7.10. 6 km nordwestlich es PRT Pol-e Khomri/Baghlan dt. Soldat, der 26-jährige Oberfeldwebel Florian Pauli, durch Selbstmordattentäter getötet. Dt. Patrouille des ASB Kunduz überwachte Übergangsstelle am Baghlan-Fluss. Danach über vier Stunden Feuergefecht 14 dt. Soldaten verletzt, zwei „Dingo“ beschädigt. Zeitgleich Angriff von Aufständischen gegen den Kontrollposten Shahabuddin 4 km nordwestlich. Luftnahunterstützung zwingt Militante zum Ausweichen.
(Florian Pauli ging nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr und drei Jahren Ausbildung zum Rettungssanitäter freiwillig zur Bundeswehr, wurde Sanitätsfeldwebel. Der Attentäter soll als angeblich Hilfsbedürftiger auf ihn zugekommen sein.)
Am 6.10. in Baghlan-e Jadid/Baghlan IED-Anschlag auf Konvoi mit dt. und US-Fahrzeugen, ein US-Bergepanzer beschädigt, keine Personenschäden.
In Qalay-i Zal/Kunduz dt. Soldaten beschossen, Feuerwechsel, keine Personen- und Sachschäden.
In Chahar Gol, 38 km nordwestlich des PRT Kunduz dt. Kräfte mit Handwaffen beschossen, Feuergefecht. Unterstützung durch US-Hubschrauber und dt. Aufklärungsdrohne „Heron“. Wahrscheinlich mehrere Aufständische getötet, keine eigenen Personen- und Sachschäden.
Seit 6.10. im Raum Kunduz die Operation DAARA-E WAADA gegen ein Rückzugsgebiet und Hochburg der Aufständischen, getragen vor allem von lokalen afg. Polizeikräften (Milizen), die von US-Infanterie unterstützt wird. Bundeswehr unterstützt mit Pionieren (z.B. Brückenlegepanzer) und Panzerhaubitze.
In Darqad, Yangi Qala und Khwaja Bahawuddin/Takhar 16 Militante bei Gefechten und Luftangriffen getötet.
Am 2.10. 14 km nordwestlich des PRT Pol-e Khomri/Baghlan ein US-Soldat bei Beschuss getötet, einer verletzt.
Am 1.10. 10 km westlich des PRT Kunduz dt. Kräfte mit Handwaffen und RPG angegriffen, Feuergefecht, Panzerhaubitze in Kunduz unterstützt mit Leucht- und Nebelmunition, keine eigenen Personen- und Sachschäden.
September
Am 30.9. 14 km nördlich des PRT Pol-i Khomri/Baghlan dt. Kräfte auf der LOC Pluto mit Handwaffen angegriffen, nur leichte Sachschäden. Beschuss einer dt. Transall im Landeanflug in Mazar mit einer RPG, keine Personen- und Sachschäden.
Ab 28.9. Verlegung des 1. ANA-Kandaks der 1. Brigade des 209. Corps nach Kandahar.
Am 25.9. bei Shahabuddin/Baghlan dt. Soldaten beschossen, kein Personen- und Sachschaden.
Am 22.9. nachmittags bei Shahabuddin/Baghlan dt. Kräfte mit Handwaffen und Raketen beschossen, Feuererwiderung auch mit Mörsern, keine eigenen Personen- und Sachschäden.
In Balkh/Balkh 5 km westlich von Mazar Selbstmordanschlag mit Kfz gegen ISAF-Konvoi: Eine Zivilperson in nachfolgendem Bus getötet, ca. 30 verletzt, Konvoifahrzeuge nur leicht beschädigt.
Auf Initiative des COM ISAF Neubewertung der dt. RECCE Tornados. Da im Norden etliche unbemannte Aufklärungsmittel zur Verfügung stehen, entscheidet dt. Verteidigungsminister die Rückverlegung der Tornado nach Deutschland. Freiwerdende 90 Dienstposten werden für Aufbau und Ausbildung der ANSF eingesetzt.
In diesen Wochen Aufwuchs des ASB Mazar, das die bisherige QRF in Baghlan-e Jadid ersetzt.
Am 21.9. in Feyzabad/Badakhshan Eröffnung des Erweiterungsbaus des Police-Training-Centers des GPPT. Dadurch Kapazitätserhöhung um 80 Teilnehmer/Kurs. Ziel: 200 Ausbildungsplätze.
Übergabe der ANA-Kaserne in Feyzabad durch Parl.Staatssekretär. Kossendey an die ANA.
Am 20.9. bei Shahabuddin/Baghlan dt. Kräfte mit Mörsern und Handwaffen angegriffen, Feuergefecht, keine eigenen Personen- und Sachschäden. Wahrscheinlich mehrere Militante getötet.
Am 18.9. gegen 7.00 Uhr mehrere Raketeneinschläge im Raum des Flugplatzes Kunduz, einer im Flugplatzgelände.
Frühmorgens 11 km westlich des PRT Kunduz in Chahar Darah dt. Kräfte mit Handwaffen und RPG angegriffen, ebenso das Polizeihauptquartier Chahar Darah. Bei dem Gefecht wahrscheinlich mehrere Militante getötet, keine eigenen Personen- und Sachschäden.
Am 17.9. in Imam Shahib/Kunduz zwei US-Soldaten bei IED-Entschärfung schwer verletzt, zwei weitere verletzt. 50 km westlich des PRT Mazar/Balkh schwedischer Soldat durch IED schwer verletzt.
In Dahna-e Ghori/Baghlan US-Kräfte mit Handwaffen beschossen, Gefecht. Dt. und afg. Verstärkungskräfte geraten 23 km nördlich des PRT Pol-i Khomri/Baghlan unter Beschuss, zwei „Dingo“ beschädigt.
Schwerste Gefechte in Nord-Baghlan beim OP North: Ein Feldposten (COP) bei Shahabuddin von den Aufständischen besetzt. Ehemalige HIG-Kämpfer hielten bisher diesen COP im Rahmen des Reintegrationsprogramms und nach Beschluss der Ortsshura. Am frühen Morgen des Folgetages Brückenschlag im Kampf erzwungen mit gepanzerter Truppe, Beschuss des besetzten COP, Einnahme am späten Vormittag. Ein ANA-Soldat getötet, ein US-Soldat verletzt. Mehrfacher Einsatz von Luftnahunterstützung. (Ulrike Demmer berichtet im Spiegel 41/2010 ausführlich von den Rückschlägen und Erfolgen im „Highway Triangel“ zwischen LOC Uranus nach Mazar und LOC Pluto nach Kunduz. Bei den insgesamt vier Tage dauernden Feuergefechten kamen auch fünf verbündete afg. Kämpfer unter Commander Sher im COP Shahabuddin um`s Leben. Es heißt, dies sei das größte Gefecht gewesen, in dem Bundeswehrsoldaten bisher gestanden hätten.)
Am 16.9. spätnachmittags 6 km südwestlich des PRT Pol-i Khomri/Baghlan Angriff mit Handwaffen und Panzerfäusten auf eine ANP-Patrouille, die von US- und dt. Soldaten begleitet. Zwei US-Soldaten verletzt, zwei US-Fahrzeuge beschädigt.
Am 14.9. 11 km westlich des PRT Kunduz IED-Anschlag auf dt. Patrouille, ein Soldat verletzt.
Am 11.9. in Ghormach/Faryab zwei afg. Soldaten durch IED getötet, 4 verletzt.
Seit 10.9. volle Einsatzbereitschaft des ASB (Task Force) Kunduz mit zwei Infanteriekompanien, Stabs- und Unterstützungskompanie, Aufklärungskompanie und Pionierkompanie.
Imame aus Feyzabad/Badakhshan rufen zu Protesten gegen die geplante Koranverbrennung in Florida auf. Nach dem Freitagsgebet Demonstration mit ca. 400 Personen zum PRT, Steinwürfe Richtung PRT, schließlich Angriffe auf äußeren Bereich des PRT. ANSF geben neben Warnschüssen auch gezielte Schüsse in die Menge ab. Mehrere verletzte Demonstranten und afg. Polizisten. Tod eines Demonstranten nicht bestätigt. Nach Abzug der bis zu 1.000 Demonstranten einzelne Vorfälle im Stadtgebiet. PRT-Leiter nehmen auf Pressekonferenz am Folgetag deutlich gegen die beabsichtigte Koranverbrennung Stellung. Am Abend des 10.9. zwei Raketeneinschläge im PRT, zwei Zelte getroffen, niemand verletzt.
Am 6.9. in Baghlan-e Jadid/Baghlan der Distriktmanager und sein Fahrer in einem Hinterhalt getötet.
Am 5.9. 8 km nordwestlich Kunduz dt. Kräfte mit Handwaffen und RPG angegriffen. Bei dem anschließenden Gefecht wahrscheinlich 4 Militante getötet. Keine eigenen Personen- und Sachschäden.
Am 4.9. in Kunduz 10 Menschen, darunter 5 ANSF-Angehörige, durch IED getötet. Der Anschlag geschah vor einem Fleischerladen, der viel von Sicherheitskräften besucht wurde.
Am 3.9. in Faryab 50 km nördlich des PRT Meymaneh drei ANSF-Angehörige bei Gefecht getötet, 4 verletzt.
Am 2.9. 38 km nordwestlich PRT Kunduz dt. Soldaten bei Gesprächsaufklärung mit Handwaffen und RPG angegriffen, Feuerwechsel. Keine eigenen Personen- und Sachschäden.
Am 1.9. vormittags dt. Kräfte 40 km nordwestlich PRT Kunduz mit Handwaffen und RPG angegriffen. Gegenfeuer mit Handwaffen und Mörsern. Keine eigenen Personen- und Sachschäden-. Nachmittags 10 km nordwestlich des PRT Kunduz dt. Kräfte mit Handwaffen und RPG angegriffen. Nach 30-minütigem Feuerwechsel unversehrt Weiterfahrt.
August
31.8. 40 km nordwestlich PRT Kunduz dt. Kräfte mit Handwaffen und Panzerfäusten angegriffen, Feuererwiderung mit Handwaffen und Mörsern, keine eigenen Personen- und Sachschäden.
Am 30.8. nahe Charah Darreh/Kunduz IED-Angriff auf dt. Patrouille, keine eigenen Personenschäden, „Dingo“ leicht beschädigt.
Am 29.8. in Khanabad/Kunduz IED-Angriff auf eine ANP-Patrouille, drei afg. Polizisten getötet, zwei verletzt.
Am 27.8. zwischen Flugplatz und PRT Feyzabad/Badakhshan „Fuchs“ mit Handwaffe beschossen, keine Verletzungen.
Am 26.8. frühmorgens in Kunduz/Kunduz ANP-Kontrollposten von ca. 25 Militanten auf Motorrädern überfallen, mindestens 8 Polizisten getötet. Am frühen Abend in Archi/Kunduz zwei afg. Polizisten und 15 Zivilpersonen durch Selbstmordattentäter getötet.
Am 25.8. abends Beschuss des PRT Kunduz mit drei Raketen, ein Einschlag im Lager, keine Personen- und Sachschäden.
In Shebergan/Jowzjan Arbeitsaufnahme des neuen türkischen, zivil geleiteten PRT.
Am 24.8. in Charah Darreh/Kunduz dt. Patrouille mit Mörsern und Panzerfäusten attackiert, keine eigenen Personenschäden.
Am 23.8. frühmorgens 15 km nördlich des PRT Pol-i Khomri/Baghlan ungarischer Konvoi mit IED, Handwaffen und Panzerfäusten angegriffen, die Soldatin Judith Abraham getötet, 6 Soldaten verletzt. Die Soldaten waren auf dem Rückweg in die Heimat.
Am 22.8. mittags 10 km westlich des PRT Kunduz zwei „Dingo“ durch IED beschädigt, keine Verletzten.
Am 21./22.8. im südlichen Baghlan bei einer Operation neuseeländischer ISAF-Kräfte angeblich 10-12 Militante getötet, ein neuseeländischer Soldat verwundet.
Am 21.8. abends 13 km westlich des PRT Kunduz dt. Patrouille mit Handwaffen beschossen, nach 40 Min. erneut beschossen, Weitermarsch zum Polizeihauptquartier in Charah Darah, keine eigenen Verletzten.
Nach Beendigung der Operation TAOHID III in Nord-Baghlan zu Beginn des Ramadan (11.8.) mit verminderten Kräften die Überbrückungsmission MAHTAP-E KAMAL ab 20.8., Schwerpunkt Informationsgewinnung.
Am 16.8. in Qal-Ah-Ye-Zal/Kunduz ein Kind durch IED getötet, 3 verwundet. In Zar-Khaid-e Olya/Kunduz 6 Militante, darunter ein ausländischer Kämpfer getötet.
Am 15.8. im Dorf Mullah Qolie in Dasht-i Archi/Kunduz Liebespaar von Taliban zu Tode gesteinigt. Der 28-jährige Abdul Qayom und die 23 (20)-jährige Sedeqa seien seit Tagen wegen „unsittlicher Beziehungen“ von Taliban gesucht worden. Lt. Spiegel online (16.8.) kamen ca. 100 Taliban auf Motorrädern ins Dorf. Die Dorfbewohner seien über die Lautsprecher der Moschee zusammengerufen worden. Auf dem Marktplatz seien die beiden eine Stunde lang gesteinigt worden. Der noch lebende Mann sei durch drei Kopfschüsse getötet worden. BBC berichtet von 1.000 Zuschauern. Lt. Amnesty International ist dies der erste belegte Fall einer Steinigung in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban 2001.
In Farkhar/Takhar 13 Personen einer Familie getötet, als ihr Kleinbus in einen Fluss stürzt.
Am 14.8. in Kunduz Feuerposition der Taliban durch Panzerabwehrrakete zerstört, nachdem die Stellung durch eine LUNA in einem Compound identifiziert worden war. 8 m nordwestlich des PRT Kunduz Beschuss deutscher Kräfte des neuen Ausbildungs- und Schutzbataillons mit RPG und Handwaffen, keine eigenen Personenschäden. Anfängliche Meldung von 2 getöteten Militanten nicht bestätigt.
Am 13.8. Angriff von 80 Militanten auf Polizeistation/Distriktverwaltung in Ali Abad/Kunduz, einstündiges Feuergefecht, ein Polizist und 5 Militante getötet. Anschließend Abu Baquir, „dual hatted Taliban sub-commander and Al Qaida group leader„in Kfz zusammen mit anderem Militanten durch ein „air weapon team“ (US-Kampfhubschrauber) getötet; anfänglich war die Rede von einem Sub-Kommandeur der IMU. Zum 2. Mal innerhalb eines Monats berichtet ISAF von einem solchen „Doppel-Hut“-Kommandeur. Abu Baquir soll 4 Selbstmordattentäter beherbergt haben, in Planung und Durchführung von zwei Selbstmordattentaten involviert gewesen sein (2. Juli in Kunduz gegen USAID-Partner, 5.8. 7 tote Polizisten in Imam Shahib). Al Qaidia-Zellen sollen in drei der 7 Kunduz-Distrikte aktiv sein: Ali Abad, Chahar Darreh, Kunduz. (LWJ 16.8.2010)
Am 12.8. in Chahar Darreh/Kunduz bei Suche nach stellv. Taliban-Distriktkommandeur mehrere Aufständische gefangen genommen.
Am 11.8. in Chahar Darreh/Kunduz 5 verdächtige Taliban gefangen genommen. In Imam Shahib/Kunduz der Geistliche Mawlawi Akbar in einer Moschee erschossen.
Am 9.8. im Raum Kunduz dt. Drohne (Kleinfluggerät Zielortung KZO) abgestürzt.
Am 8.8. im Raum Mazar CAS mit Show of Force.
Am 7.8. abends in Imam Shahib/Kunduz der Chef der Bereitschaftspolizei der Provinz Kunduz zusammen mit 4 Gästen und einem Leibwächter in seinem Haus von Unbekannten erschossen. 76 km südwestlich PRT Meymaneh US-Kräfte mit Mörsern, RPG und Handwaffen beschossen, 3 US-Soldaten lebensgefährlich, 2 schwer verwundet. Um 17.40 Ortszeit dt. CH-53 (MEDEVAC) bei Flug von Meymaneh nach Mazar mit Handwaffen beschossen, keine Schäden.
Am 6.8. in Kuran van Munjan (Keran) im Südzipfel Badakhshan zehnköpfiges Ärzteteams der christlichen International Assistance Mission IAM erschossen und ausgeraubt aufgefunden: die Ärztin Karen Woo aus Großbritannien, eine Ärztin (Cheryl Beckett, 32) und 5 Ärzte aus USA (darunter der 25-jährige Brian Carderelli), die 35-jährige deutsche Dolmetscherin Daniela B. aus Chemnitz, zwei afghanische Begleiter (Mahram Ali, 50, der Koch Jawed, 24). Zwei Afghanen überlebten. Taliban und HIG reklamieren die Tat für sich, was aber angezweifelt wird. Die Gruppe war auf dem Rückweg von Nuristan nach Kabul. Die IAM arbeitet seit 1966 in Afghanistan und betreibt Augenkliniken in Kabul, Mazar, Herat und Kandahar, darüber hinaus mobile Nooe Eye Camps in entlegenen Gebieten. Der ermordete Optiker Tom Little, lt. Thomas Ruttig Spiritus Rector des Programms, arbeitete seit 1976 im Land und lebte mit seiner Familie in Kabul. 2009 behandelte die IAM nach eigen Angaben fast 180.000 Patienten, 11.000 wurden operiert. Die erhobenen Missionierungsvorwürfe sind nicht glaubwürdig. (taz 9.8.) Dies ist der bisher schwerste Angriff auf ausländische Helfer in Afghanistan. ANSO hatte für das erste Halbjahr 2010 einen Rückgang von Angriffen auf Helfer um 35% ermittelt. (2. Quartalsbericht)
Um 11.00 Uhr Ortszeit 12 km westlich PRT Kunduz dt. Patrouille mit Handwaffen beschossen, keine Schäden. Um 22.00 Uhr 8 km nordwestlich PRT dt. Kräfte mit IED, RPG und Handwaffen angegriffen, keine eigenen Schäden. Am Vormittag dt. Kräfte 12 km westlich PRT Kunduz mit Handwaffen beschossen, keine Schäden.
Am 5.8. in Imam Shahib/Kunduz 7 (6) Polizisten getötet, 6 Polizisten und 5 Zivilpersonen verwundet, als ein Selbstmordattentäter einen Polizeikonvoi rammt.
Die Entschädigung der Opfer des Luftschlages von Kunduz am 4.9.2009 soll nach Aussage der Bundesregierung geregelt sein. Jede Familie von Todesopfern erhält 5.000 Dollar auf ein Konto der örtlichen Kabul-Bank. Die Bundesregierung geht inzwischen auch von 91 Toten und 11 Schwerverletzten aus. Diese Opferzahl hatte vor Monaten Christoph Reuter vom STERN recherchiert. Damit wären wochenlange Verhandlungen beendet, die der Interkulturelle Einsatzberater und der Rechtsberater der Bundeswehr mit den Familien in den Räumen der Afghanischen Menschenrechtskommission führten. (stern-online 5.8.) Der Bremer Rechtsanwalt Karim Popal bezeichnete die Zahlungen als „beschämend niedrig“. Er hatte von 179 zivilen Opfern und 33.000 Dollar pro Todesfall gesprochen. Der Anwalt arbeitet inzwischen mit den Berliner Anwälten Reiner Geulen, Remo Klinger und Wolfgang Kaleck zusammen. (SZ 12.8. sowie ausführlich SPIEGEL 9.8.)
Am 4.8. in Chashandi/Balkh bei Angriff auf Parlamentskandidaten ein Leibwächter erschossen.
Am 3.8. in den frühen Morgenstunden Überfall auf die Kabul Bank in Mazar/Balkh, 6 Sicherheitsmänner zunächst vergiftet, dann geköpft, Täter mit 200.000 Dollar und 3,5 Mio. Afghani (75.000 Dollar) entkommen. Es soll der erste Banküberfall in Mazar gewesen sein. Gegen 17.00 2 US-Hubschrauber auf Flug von Pol-e Khomri nach Mazar mit RPG beschossen, keine Schäden. Im Raum Kunduz Luftnahunterstützung mit Show of Force. (nach einigen Wochen fehlendem Airpower Summary auf www.globalsecurity.org)
Anfang August Wechsel 22. zum 23. ISAF-Kontingent der Bundeswehr abgeschlossen.
Am 2. 8. in Faryab 4 Zivilpersonen bei IED-Anschlag gegen Grenzpolizisten getötet.
Am 1. August in Kunduz Ausbildungs- und Schutzbataillon (ASB) in Dienst gestellt (2 Infanteriekompanien des PRT), volle Einsatzbereitschaft im Laufe August. Am Vormittag Rakete gegen das PRT Kunduz, Einschlag 200 m außerhalb ohne Detonation.
Quellen: ISAF (ISAF Joint Command Morning/Evening Operational Updates, www.isaf.nato.int, www.dvidshub.net/news/afghanistan), Bundesministerium der Verteidigung (www.einsatz.bundeswehr.de), The Long War Journal/LWR (www.longwarjournal.org) mit Agenturmeldungen (Pajhwok, Xinhua „Afghanistan Situation“), www.globalsecurity.org, Afghanistan NGO Safety Office ANSO mit Halbmonats- und Quartalsberichten (www.afgnso.org), Science Magazine: Zivilopfer in AFG: Daten + Dokumente von ISAF, UNAMA, Afghanistan Rights Monitor (http://scim.ag/afghandata), Afghanistan Conflict Monitor (www.afghanconflictmonitor.org), Brookings Afghanistan Index (www.brookings.edu/foreign-policy/afghanistan-index.aspx). Vgl. auch „ISAF-Operationsführung im Raum Kunduz seit 2009“ bei Wikipedia.
Abkürzungen:
ANA Afghan National Army
ABP Afghan Border Police
ANCOP Afghan National Civil Order Police (Bereitschaftspolizei)
ANP Afghan National Police
ANSF Afghan National Security Forces
ASB Ausbildungs- und Schutzbataillon (Kunduz, Mazar), vor Ort Task Force Kunduz/Mazar
CAS Close Air Support (Luftnahunterstützung) durch Show of Force/SOF (Präsenz/Abschreckung) bzw. Waffeneinsatz
COIN Counterinsurgency
COM ISAF/RC North Kommandeur ISAF/Regionalkommando Nord
COP Combat Outpost
GPPT German Police Project Team
IED Improvised Explosive Device (unkonventionelle Sprengmittel)
IMU Islamic Movement of Uzbekistan
LOC Line of Communication
NDS National Directorate of Security (Geheimdienst)
OMF Opposing Militant Forces
OMLT Operational Mentoring + Liaison Team (Ausbildungs- und Beratungsteams beim Militär)
OP North Oberservation Point
PRT Provincial Reconstruction Team, PAT Provincial Advisory Team (Mini-PRT)
QRF Quick Reaction Force
RPG Rocked Propelled Grenade (Art Panzerfaust)
UNAMA United Nations Assistance Mission in Afghanistan










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