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Grenzwertige Vorschläge

Oder eher über die Grenzwerte hinaus

Dass besondere Situationen besondere Ideen verlangen, ist an sich nichts Neues. Dass aber die derzeitige Ahnungs- und Hilflosigkeit der USA und ihrer NATO-Partner in Afghanistan, mit einer Strategie, von der  niemand weiß, ob es eine ist und ohne einen Plan B, zu einigen Ideen führt, die eher an  Dr. Strangelove erinnern, der in Stanley Kubricks Film von 1964 lernte "die Bombe zu lieben", ist eklatant, meint Thomas Ruttig.  Der prominenteste Plan dieser aberwitzigen Art ist ohne Zweifel die "de-facto-Teilung Afghanistans".

Er kommt von George W. Bush 's ehemaligem stellvertretenden Nationalen Sicherheitsberater Robert D. Blackwill. Seine Idee: er möchte eine Übergabe von Afghanistan's "nördlichen und westlichen Regionen" an einen Verband von Warlord-geführten Milizen aus Nicht-Paschtunen, unterstützt von 40, 000 bis 50.000 Soldaten der US-Truppen. Der überwiegend paschtunischen Rest, im Süden und Osten, soll dann dort in einer Art "Feuer freien Zone" mit Unterstützung leben.

Weil es aber so natürlich zu einfach wäre, führt er seine Pläne noch ein wenig aus: "Der Himmel über dem Paschtunen Afghanistan wäre dunkel von bemannten und unbemannten Flugzeugen der Koalition. Man würde nicht nur nach Terroristen suchen, sondern, soweit erforderlich, auch die neue Taliban-Regierung in all ihen Facetten überwachen. Beamten, Gouverneure, Bürgermeister, Richter und Zöllner würde  jeden Morgen aufwachen ohne zu wissen, ob sie den Tag in ihren Büros überleben." (Hier der ganze Blackwill Artikel)

Sollte diese komplexe Drohnen Strategie von Blackwill aber nicht funktionieren (was so verwunderlich ja nicht wäre), naht Rettung in Person der Associate Professorin Cora Sol Goldstein von der California State University, auch eine Anhängerin der Teilung Afghanistan's. Sie ist aber bereits einen Schritt weiter und bedauert, dass "die nationalen und internationalen politischen Gegebenheiten es derzeit den USA nicht ermöglichen einen totalen Krieg in Afghanistan und Pakistan zu führen" und führt weiter aus, dass der "Einsatz von Atomwaffen in der Region AfPak noch nicht gerechtfertigt sei." Noch nicht!!!! Das ist dann mal der Realvorschlag Kandahar oder Quetta oder Karatschi nuklear auszulöschen!! Irgendwer sollte die Dame mal beraten. Wenn Sie das ganze Papier von "Nuklear-Cora", wie sie von manchen schon genannt wird, lesen wollen: hier

Lassen wir die Atombomben also mal aussen vor und halten, wenn denn, das Blackwill-Szenario für realistischer. Teil eins der Idee, also Nord-und West, würde eine Eskalation durch die weitere Stärkung der "lokalen Maklern" sein, ein Euphemismus für Warlords und Kommandanten. Blackwill ist nicht gegen einen Aufbau der Nation Afghanistan, aber er will ihn im imaginären Nordwesten, weil er denkt, die Menschen könnten die Hilfe und den Einfluss der USA dort nicht ablehnen, getrieben davon nicht in die Hände der Taliban zu fallen. Übrigens hat sich Professorin Cora hierzu auch geäußert, allerdings "klarer": "Jede Politik, die dazu beiträgt, die Ausbildung von Menschen in einer von Taliban regierten Gesellschaft zu verbessern, erhöht die Macht des Feindes. Ergo: Lassen wir die Paschtunen als Analphabeten sterben". Dem ist nichts hinzuzufügen, Frau Professor bleiben ihrer Linie treu.

Das Problem, aus dem heraus die ganzen Blackwill Idee sich nährt, ist seine Annahme, dass die Nicht-Paschtunen inklusive der früheren Mujahedin Führer immer noch treue Freunde der USA, wie im Stellvertre terkrieg gegen die UdSSR,  wären, gleichwohl dem nicht so ist. Die Unfähigkeit der USA nach dem Abzug der sowjetischen Truppen und dem Sturz des Nadschibullah Regimes dem Land zu Strukturen zu verhelfen, war der Nährboden der Taliban.


Im zweiten Teil seines Szenario (Paschtunen) schlägt Black sich im Prinzip selbst. Die Taliban sind auch bei den Paschtunen nicht rundum beliebt und es wäre deshalb sinnvoller diese Kritiker zu unterstützen und zu fördern, weil dies langfristig der Weg in eine sichere Zukunft wäre, aber genau hier setzt das Problem an. Langfristigkeit zum Aufbau von Institutionen und Regierungsstrukturen ist im Portefolio der USA nicht vorgesehen.

Einweiterer Knackpunkt ist, dass die korrupte Hamid Karzai Regierung fast noch unbeliebter als die Taliban ist, denn sonst würden sie sich nicht den Taliban zuwenden. Dabei geht es nicht um politische Differenzen, sondern darum, dass Regierungsbeamte ein Kartell der Macht zur Verfolgung von Stammesgruppen aufgebaut haben und dazu ihre special-forces benutzen. Natürlich ist die Betroffenheit durch Korruption nicht für alle Afghanen gleich zu empfinden, Realität ist aber, dass Polizisten an Kontrollstellen Geld verlangen, Richter erwarten "bakshish" für jede normale Dienstleistung, fast jeder Stempel auf ein Papier muss bezahlt werden. Kann man aber seitesn der ISAF gegen diese Korruption hart vorgehen? "Nein" sagt ein US-Analystenteam, denn damit würde man gut ausgebildete Männer in die Arme der Taliban treiben. Also: kontrollierte Korruption, die es den Beamten noch erlaubt, sich die Taschen ein wenig zu füllen.


Dieser Ansatz hieße aber zu akzeptieren, dass die kleinen Fische leiden und die großen sich bereichern und Milliarden an Dollar unter den Augen der gebeländer auf Privatkonten in den Golfstatten verschwinden. Unterdessen startet Blackwill einen Versuch den UN-Sicherheitsrat für seine Idee zu gewinnen und die Realitäten könnten sich in seine Richtung entwickeln. Verliert Obama die "Midterm-Wahlen" und Petraeus setzt auf die Zeitachse, könnte manches unter einem republikanischem Nachfolger Obama's im Jahr 2012 Wirklichkeit werden.

 

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