Die Waffenschmiede aus Oberndorf hat zugelegt. Wie das Geschäft in der Zukunft wird, ist aber nicht sicher, denn es scheint, dass Heckler&Koch Wettbewerb von einem Ex-Partner mit dem eigenen Ex-Geschäftsführer in einer Spitzenposition bekommt. Zudem gibt es Schwierigkeiten mit hochverzinslichen Anleihen. Diese betreffen zwar nicht den Waffenhersteller unmittelbar, sondern die Muttergesellschaft, die H&K Beteiligungsgesellschaft, aber das operative Geschäft ist als Sicherheit bei einem Spezialdarlehen hinterlegt. Aber alles der Reihe nach.
Das operative Unternehmen ist im Geschäftsjahr 2009 auf jeden Fall ertragreicher geworden. H&K Oberndorf ist der größte Anbieter von Gewehren und Pistolen und ein bedeutender Lieferant für Sicherheits- und Streitkräfte, unter anderem liefert das Unternehmen das Standardgewehr an die NATO Staaten Deutschland, Großbritannien, Spanien und Norwegen. Der Umsatz stieg, wie FTD meldete, auf vergleichbarer Basis um knapp 17 Prozent auf 234,7 Mio. Euro. Der Nettogewinn wuchs um 37 Prozent auf 17 Mio. Euro. Das Unternehmen selbst macht keine Angaben über die Stückzahlen der gelieferten Waffen. Dies alles wäre erfreulich, gäbe es nicht auch Probleme. Diese hat der Hauptgesellschafter Heeschen. Im Juli 2011 läuft bei dem Waffenhersteller eine hochverzinsliche Anleihe über 120 Mio. Euro aus, die zurückbezahlt werden mussund es gibt Schwierigkeiten in den USA, wo Kreditgeber eien frühzeitige Rückzahlung einklagen wollen.
Solche Nachrichten sind schon nicht wirklich gut, aber es gibt noch mehr Gründe zur Sorge. Diese erwachsen aus einem bisherigen Partnerunternehmen, das zudem pikanter Weise einen früheren H&K Geschäftsführer in der Führungsetage aufweist. Die Rede ist von Armatix. Ein kleines aber sehr spezielles Unternehmen, das in Zukunft selbst in die Produktion elektronisch gesicherter Pistolen und Revolver einsteigen möchte. Armatix-Chef und Mehrheitsgesellschafter Bernd Dietel kündigte dies an. Seine Begründung gegenüber der FTD: Heckler&Koch habe es jahrelang versäumt, eine Armatix-Lizenz für den Bau elektronisch gesicherter Waffen zu nutzen. Darüber sei es zum Rechtsstreit zwischen beiden Firmen gekommen. Warum ist dies bedeutsam? Experten sehen in elektronisch gesicherten Waffen einen riesigen Zukunftsmarkt, auch bei staatlichen Sicherheitskräften.
Mithilfe von Elektronik sollen Waffen so gesichert werden, dass Unbefugte sie nicht abfeuern können. Eine solche Sicherung war schon länger im der Diskussion, hat aber für den zivilen Markt spätestens mit einigen Amokläufen mit Waffen von Sportschützen Fahrt aufgenommen. Was lustig an dem Streit zwischen H&K und Armatix ist, liegt in dem Umstand begründet, dass der langjährige H&K-Entwicklungschef und frühere Geschäftsführer Ernst Mauch Anfang 2006 zu Armatix wechselte und dort jetzt auch als Geschäftsführer fungiert. Er vergab bei H&K den Auftrag zur Entwicklung von Waffenelektronik an die Münchner Sicherheitstechnikfirma Simons Voss, aus der dann Armatix abgespalten wurde.
Konkret brandet der Streit darum, das H&K einen noch bis 2012 laufenden, exklusiven Lizenzvertrag für elektronisch gesicherte Waffen nicht genutzt habe. Deshalb sei er zum Jahresende für das Behördengeschäft - also für Militärs und Polizei - gekündigt worden, so Armatix. Darüber hinaus soll es wohl auch noch eine Schadensersatzklage in zweistelliger Millionenhöhe gegen Heckler&Koch geben, weil Armatix seinen Markteintritt durch das Verhalten von H&K verzögert sieht. Man wird sehen.
geschrieben von ad am 21. Juni 2010
Zwischen Anleihen und Zukunftstechnologie










Gemeint ist wohl die umfangreiche Modifizierung der störanfälligen SA80. Zirka 200.000 Stück wurden durch H&K in einen einsatzfähigen Zustand gebracht. Sie laufen jetzt unter der Bezeichnung SA80A2. Der Auftrag soll ein Volumen von zirka 125 Mio. Euro gehabt haben.
Hallo,
ich wusste gar nicht, das H&K auch in Großbritannien das Standardgewehr liefert. Welches denn?
Gruß
Eric
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