Die Operationen in Afghanistan haben die Schwäche des Kalibers 5.56 mm vielfach bewiesen. Untersuchungen zeigen, dass etwa fünfzig Prozent der Kampfhandlungen jenseits einer Entfernung von 300 Metern stattfinden. Auf diese Distanzen zeigt das Kaliber kaum noch Wirkung. Die Taktiken der Aufständischen, mit mittleren und schweren Waffen, oft auch mit Mörser offensive Operationen bei Entfernungen von bis zu 500 Metern durchzuführen zeigen, dass sie diesen Umstand offenbar ebenfalls erkannt haben. Major Thomas P. Ehrhart, United States Army, hat sich mit diesem Problem auf 70-Seiten auseinander gesezt. Für Ehrhart gibt mehrere Möglichkeiten, um die Letalität der Infanterie zu verbessern. So könnte ein wirksameres 5.56 mm Geschoß für Kampfentfernungen bis zu 500 Meter entwickelt werden. Eine bessere Option sei allerdings der Wechsel zu einem größeren Kaliber. Eine Studie aus dem Jahr 2006 zeige, dass das ideale Kaliber zwischen 6,5 und 7 mm zu liegen scheint. Übrigens eine allgemeine Schlussfolgerung aller militärisch-ballistischen Untersuchungen seit dem Ende des Ersten Weltkriegs.
Ehrhart-Untersuchung (.pdf)









Wenn der Feind sich aus dem Bereich 300m lieber heraushält kann es um die Effektivität der Munition ja nicht so schlecht bestellt sein. Zu fordern, dass die Gewehrmunition jedes einzelnen Soldaten in puncto Reichweite mit feindlichen "mittleren und schweren Waffen" mithalten kann ist doch Unfug, dafür haben die Armeen ihre eigenen mittleren und schweren Waffen, und mit ziemlicher Sicherheit mehr davon als z.B. die Taliban.
In diesem Fachbeitrag wird behauptet, dass es KEINE Probleme mit der Letalität des Kalibers 5,56 mm gäbe.
Interessante Gegenstimme.
http://www.dtic.mil/ndia/2010armament/WednesdayLandmarkBPerArvidsson.pdf
Der Link ist schon diverse Monate alt und die Diskussion kommt noch aus Zeiten des Vietnamkrieges.
Der wesentliche Punkt wird aber nicht getroffen (leider): Wer muss wann auf welche Distanz welche Ziele bekämpfen. Die eine "Soldatenwaffe" als System gibt es ebensowenig wie den sofort passenden Stiefel.
Die heutigen Ereignisse erfordern zunächst einmal drastisch bessere Optiken bzw. Zielsysteme, denn man muss immer deutlich besser und weiter sehen können als man wirken will. Wenn ich dann von Distanzen über 300m mit einem G36 lesen muss, fällt mir nichts mehr ein. Das ist mit seriöser und überzeugender Wirkung im Ziel nicht drin und auch nie so geplant gewesen.
Kaliber ist aber nicht alles. Der logistische Faktor, die Traglast, die Geschossauslegung und dann erneut die Frage des Zielmittels bilden rund um die Waffe ein komplexes Geflecht, das sich - wie damals beim Basissystem IdZ - nur durch flexible Modularität beherrschen lässt. Und dabei entscheidet der Führer vor Ort, was er jetzt braucht und mitnimmt.
Die Untersuchung von Major Ehrhart ist sehr interessant, da die geschichtliche Entwicklung des Infantrie-Munition sowie die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Geschoßgrößen dargelegt werden.
Aber:
Diese Erkenntnisse sind schon seit langem bekannt - insbesondere in den USA. Aus meiner Sicht müssen alle Einheiten, die in Kampfhandlungen in Geländetypen wie Afghanistan verwickelt werden können, mit Waffen des alten Kalibers 7,62 mm ausgerüstet werden. Erprobte Gewehre in diesem Kaliber gibt es. Aus Kostengründen könnte man es vielleicht bei den 2 Kalibern belassen: 7,62 mm für Afghanistan ähnliche Kampfumgebungen, 5,56 mm für die anderen Umgebungen. Die Anbaugeräte konnten dann wechselseitig verendet werden (System Picatinny Schine).
Sicherlich werden die USA einen neuen Geschoßtyp entwickeln, der dann wieder NATO-Standard wird. Bei dieser Entwicklung sollten aber die europäischen Technologieführer unbedingt mit einbezogen werden.
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