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Informationspolitik des Verteidigungsressorts

Verschwörungstransparenz: Aua

Einen Begriff hat Verteidigungsminister Freiherr zu Guttenberg für die Informationspolitik des Verteidigungsressorts geschmiedet, der nicht mehr einholbar ist: TRANSPARENZ. Denkt man systemisch, muss der ihm auf die Füsse fallen.

Betrachtet man das Feld der Meldungen und Kommentare nach der BILD-Bombe von gestern
http://www.bild.de/BILD/politik/2009/11/26/bomben-video-kunduz-in-afghanistan/verschwieg -minister-jung-die-wahrheit-ueber-die_20bombardierung.html,

muss man sich u.E. lagegerecht sortieren:

  • BILD hat den Teil (oder noch mehr?) des 20. Kontingent-Lageberichts des deutschen Oberkommandierenden des Regionalkommandos Nord, AFG (RC North), ergattert, den nur die Feldjäger beigesteuert haben. Sie haben mit CD's und Videos und tausend Anlagen Zusammenhänge des von Oberst Klein auf die zwei von den Taliban gekaperten Tanklastzüge am 4./5. September 09 dokumentiert. Dieser 20. Kontingent/Feldjäger-Bericht lag ab dem 14. September 2009 dem Einsatzführungsstab im BMVg (Vorsitz Generalinspekteur) vor;   
  • Man muss sich jedoch vor Augen führen, dass diese 20. Feldjäger-Dokumentation nur die einzelnen Meldungen belegen, die die die Feldjäger nach dem 5. Sept. fast in Echtzeit nach Berlin gekabelt haben.

In manchen Kommentaren geistert nun schon die Verschwörungstheorie herum, dass die "führenden Militärs" der Politik vorsätzlich entscheidende Meldungen von der Front vorenthalten haben. Klar ist, dass diese Art von "Verschwörungstheorie" für das Ansehen der führenden Militärs tödlich wirken muss.

"Melden macht frei" - jeder Bw-Sozialisierte kennt diesen Spruch; und dass das "Meldewesen" der Bundeswehr (bis Berlin) absolut intakt und hervorragend ist, beweisen alle Kontingentberichte incl. des besagten 20ten. (dessen Gesamtfassung wir gerne hätten).

Sorry wegen der langen Vorrede:

  • Aus der Korrektheit des militärischen "Meldewesens" müsste man zwingend schlussfolgern, dass der Generalinspekteur seinem Minister sehr zeitnah (5. Sept.) die Feldjäger-Meldungen hinsichtlich ziviler Opfer nahegebracht haben müsste

(und man sollte bitteschön nicht jeden 15-Jährigen zum Taliban stilisieren, wenn man wissen muss, dass dieselben per Kalashnikow Betende aus der Moschee zum Benzinklau befohlen haben - könnten? Und diese durchschimmernde Häme, dass es schon die "Richtigen" getroffen habe, ist unerträglich);

  • Wenn herauskommen sollte, dass "die Militärs", aus wie auch immer deklarierten Gründen, politisch "brisante" Informationen absichtlich vorenthalten haben, könnte Ex-Verteidigungsminister Jung (zu unserem Leidwesen) unangefochten aus dem Ring steigen. Und der Schaden für das Label "Militärische Führung" wäre extraordinär.

Im Übrigen weiss Freiherr zu Guttenberg wohl sehr genau, dass er gerade an seiner ersten Klippe ganz elegant vorbeischrammt:

  • Frisch im Amt hatte er, nur aufgrund des "NATO-Berichtes", Oberst Klein die militärische Angemessenheit seiner Entscheidung attestiert (wie Schneiderhan); 
  • Seit gestern will er "selbstverständlich auch eine Neubewertung der Vorfälle vornehmen auf der Grundlage der Berichte, die mir einer Gesamtschau gegeben sind" ( www.bundeswehr.de - man ist gespannt).

In der Frage des soldatischen Selbstverständnisses kommt damit eine erhebliche (alte) Frage auf die Truppe zu:

  • Wann "kündige" ich meinem Kameraden die Gefolgschaft?  
  • Gestehe ich meinem Kameraden zu, dass er in einer unvorstellbar "brenzlichen" Situation einen "fahrlässigen" Fehler begangen hat? Und stehe ich ihm - nur in der gebotenen Distanz - so bei? 
  • Ist die Informationsarbeit des BMVg in der Lage, diese Zerissenheit kommunikativ zu vermitteln?

(komplizierte Sachverhalte sind der Feind jeglicher Informationsarbeit).

{Krisenkommunikation: gestehe Hilflosigkeit ruhig ein - aua}
 

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  • Wenn man, wie Verteidigungsminister Freiherr zu Guttenberg derzeit, mit Lob überschüttet wird, sollte man rechtzeig dafür sorgen, dass das so bleibt. Es ist wie im Krieg - man muss seine Truppen so "aufstellen", dass man in den Gefechten siegt (oder zumindest keine Niederlage erleidet); der Krieg endet spätestens nach 4 Jahren.

  • Sorry, es muss erlaubt sein, sich zu strategischen Fragen ein wenig in der Nase bohren zu dürfen, vor allem, wenn es andere sind. Im AFPAK-Gürtel tummeln sich diverse, pashtunische "Opposing Militant Forces" (OMF), die, aufgrund der Macht-Phantasien ihrer jeweiligen Führer, natürlich schwer unter "einen Hut" zu bringen sind. Unterstellt, dass es eine letztlich für alle um eine einsehbare "strategische" Stossrichtung geht, gibt es Einsichten in die "wirkliche" Lage (abgegriffen von der aktuellen Medien-Lage):

  • Die gestrige Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem U.S.-Parlament darf man schon als gelungene Werbeveranstaltung für die "Mittelmacht" Deutschland betrachten, so man überhaupt auf eine gewisse Reputation beim amerikanischen Bündnisführer Wert legt:
    http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Rede/2009/11/2009-11-03-rede-merkel-usa.htm l

    Wenige Randnotizen erlauben wir uns:

  • An seinem ersten Arbeitstag wird Verteidigungsminister Freiherr zu Guttenberg (FzG) sich eingestehen müssen, dass er nicht 100 Tage Schonfrist für sich beanspruchen kann, denn im Dezember steht die Verlängerung des Bw/AFG-Mandats durch den Bundestag an. 

  • Eigentlich wollten wir in Ruhe die Woche mit einer neuen SAATEG-Geschichte beginnen, aber der Tanker/Kunduz-Vorfall hat am Wochende beachtliche Fahrt aufgenommen. Die Diskussion im ARD-"Presseclub" (So., 12.00 - 12.45) haben wir fast ganz verpennt. Wenn bei Anne Will oder bei Maybritt Illner ein Thema aufgegriffen wird, erhält es erst den wirklichen Ritterschlag für den Eintritt in die allgemeine deutsche Wirklichkeit; "die Bundeswehr" ist angekommen.