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Internationale Afghanistan-Konferenz London

AFG/Exit-Konzept: übernehmen

Seit gestern liegt die 10-seitige "Ressortübergreifende Entscheidungsgrundlage zur Mandatsverlängerung und vor der internationalen Afghanistan-Konferenz" vor, die AA, BMVg, BMI und BMZ für die Bundesregierung mit dem Titel "Afghanistan. Auf dem Weg zur 'Übergabe in Verantwortung'" abgezeichnet haben: http://www.bundesregierung.de/Content/DE/__Anlagen/2009/11/2009-11-18-dokument-afgha nistan,property=publicationFile.pdf 

Löblich ist, dass die Bundesregierung überhaupt ihre Positionierung der Öffentlichkeit vorstellt; den Titel "Exit-Strategie" hat sie lieber mit der Verdeutschung des anglo-amerikanischen Fachbegriffes "Ownership" vermieden; "Abzugsstrategie" darf man das gar nicht nennen.

Wo sich die alte Bundesregierung vor Monaten noch fürchtete, konkrete Plandaten anzusprechen, bringt sich die amtierende Regierungskoalition mit ihrer "Übergabe"-Konzeption allerdings in erheblichen Zugzwang. Sie verspricht dort nämlich, ihren notwendigen Beitrag dazu zu leisten, dass die afghanischen Sicherheitskräfte in die Lage versetzt werden, auch einer Übernahme in Verantwortung gerecht werden zu können:

  • Welchen Umfang, welche Ausrüstung und welchen "Combat-Ready"-Status können die afghanischen Sicherheitskräfte auf der Zeitschiene nach 2010 erreichen?
     
  • Welche personellen und finanziellen Resourcen sind von den westlichen Geberstaaten dazu notwendig, und wie hoch ist angesichs der Kassenlage die Aussicht, dass sie tatsächlich auch bereitgestellt werden?
     
  • Wenn die Bundesregierung nur ihre dementsprechende Plan-Rechnung für den von ihr verantworteten Norden AFG anstellt, wird sie sie spätestens nach der AFG-Konferenz der Öffentlichkeit detailliert vorlegen müssen (in den Ministerien liegen die Daten und Fakten heute alle vor!). Anderenfalls nährt sie nur die berechtigte Vermutung, dass sie mit der politischen Lyrik von der "Übergabe" ohne Verwantwortung zum Notausgang flüchtet.

{Beim... Übergeben nicht übernehmen}
 

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Weitere Artikel

  • Die gestrige Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem U.S.-Parlament darf man schon als gelungene Werbeveranstaltung für die "Mittelmacht" Deutschland betrachten, so man überhaupt auf eine gewisse Reputation beim amerikanischen Bündnisführer Wert legt:
    http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Rede/2009/11/2009-11-03-rede-merkel-usa.htm l

    Wenige Randnotizen erlauben wir uns:

  • Es immer berückend, wenn man zu einem aktuellen Thema Literatur findet, die einfach exellent ist. Da das Thema "Aufbau der "Afghan National Army" (ANA) in den Mittelpunkt der Strategie der "Afghan Ownership" gerückt ist, und neben der Katastrophe des Aufbaus der afghanischen Polizei (ANP) noch am ehesten Erfolg verspricht, ist fachkundige Analyse der bisherigen Erfahrungen äusserst hilfreich.

  • Sorry, wir haben gestern in Bonn richtig Arbeitszeit verloren, was aber nicht heisst, dass es sehr schön war.

    Deshalb heute nur ein kurzer Hinweis auf eine 3-teilige Studie, die der grosse Meister Anthony H. Cordesman beim CSIS aufgelegt hat, über die "Uncertain Lessons" der U.S.-Kriege in Afghanistan und dem Irak:
    http://csis.org/publication/shape-clear-hold-and-build-uncertain-lessons-afghan-iraq-wars (im Text sind die Links zu dem Dreiteiler "verborgen").

  • Nach unserem Jury-Urteil verdient die australische Regierung (Kevin Rudd) mit ihrem Verteidigungsminister Joel Fitzgibbon den Politik-Oskar für ihren "Film" mit dem Titel
    "Defending Australia in the Asia Pacific Century: Force 2030:
    http://www.defence.gov.au/whitepaper/docs/defence_white_paper_2009.pdf

    U. E. ist es eine Weltpremiere, dass eine Regierung
    eine wirkliche und umfassende Strategie ihrer Sicherheitspolitik weltoffen darlegt und sich "exponiert" (Don't expose the boat),
     

  • Sorry, es muss erlaubt sein, sich zu strategischen Fragen ein wenig in der Nase bohren zu dürfen, vor allem, wenn es andere sind. Im AFPAK-Gürtel tummeln sich diverse, pashtunische "Opposing Militant Forces" (OMF), die, aufgrund der Macht-Phantasien ihrer jeweiligen Führer, natürlich schwer unter "einen Hut" zu bringen sind. Unterstellt, dass es eine letztlich für alle um eine einsehbare "strategische" Stossrichtung geht, gibt es Einsichten in die "wirkliche" Lage (abgegriffen von der aktuellen Medien-Lage):