In einer Passage der "Grundsatzrede" des Verteidigungsministers zu Guttenberg bekommt das Unternehmen EADS ordentlich was auf die "Backen". "Insgesamt dauert die Beschaffung auch dringend erforderlichen Geräts bedeutend zu lang und ist zu oft mit exorbitanten Mehrkosten verbunden. Sie sehen glühende Euphorie in meinem Gesicht, wenn ich etwa an den A400M denke, wenn die Begrifflichkeit TIGER im Raum zu stehen beginnt, wenn wir über NH90 sprechen und und und, die Liste liesse sich fortführen, ich nenne hier nur die prominentesten Beispiele", so der Minister. Ein Projekt fand keine Erwähnung, dass TLVS/MEADS (Medium Extended Air Defense System) mit einer nicht unerheblichen Beteiligung der EADS, das bereits in der Entwicklungsphase deutlich aus dem Kosten- und Zeitrahmen segelt.
- Mehrkosten für die Entwicklungsphase 246 Mio. EUR (deutscher Anteil) (d.h. zirka +29%)
- Die Rüstungsdirektoren der drei beteiligten Nationen (GER, ITA und USA) haben eine Verlängerung der Entwicklungsphase um 18 Monate beschlossen.
Die MEADS-Symphatisanten trommeln unterdessen munter weiter.
Berücksichtigt man aber folgende Punkte:
- Die Kabinettsklausur ist in eineinhalb Wochen, KTzG will bereits Ergebnisse aus der Arbeit seiner Staatssekretäre vorstellen ("Streichen von Einzelprojekten bzw. reduzierte Stückzahlen"). MEADS ist hier kein Thema, es liegt keine Beschaffungsentscheidung vor.
- Der Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten hat höchste Priorität, und die spärlichen HH-Mittel für einsatzrelevante Ausrüstung verwendet werden muss. (Übrigens, Luftverteidigung/Flugabwehr-Systeme für den Nah- und Nächstbereich - man denke nur an den Beschuss der Feldlager mit 122mm-Raketen - sind dringlicher. Eine seit 2004 als "erheblich" eingestufte Fähigkeitslücke - aber offenbar ohne Lobby.)
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Und, ein Ausstieg zum jetzigen Zeitpunkt - in der Entwicklungsphase - Unsinn wäre, da man gem. Vertrag die Kosten trotzdem am Bein hätte.
Mit Blick auf den "exorbitanten Schuldenberg" muss oder besser kann man folgendes erwarten:
- Die TLVS/MEADS Entwicklungsphase wird weitergeführt und abgeschlossen.
- Deutschland wird einfach nicht in die Beschaffung einsteigen. Thema durch.










Liebe Doro,
hier scheint es ein Missverständnis in unserer Diskussion zu geben. Die Frage war: Hat MEADS eine Kampfreichweite von 1.000 km, so wie es publiziert wurde. Antwort: Nein, die hat MEADS nicht. Die Lenkflugkörper, die MEADS bekämpfen kann, haben natürlich Kampfreichweiten, die leicht über 1.000 km oder mehr haben können. Dies ist unbestritten. Es ging um die Kampfreichweite des TLVS/MEDAS in der Diskussion und in besagten Veröffentlichungen. Diese Angaben sind falsch. Auf der Eurosatory waren die MEADS-Lenkwaffen in der Halle 6 bei Lockheed Martin ausgestellt. Auch die PAC-3 MSE. Diese ist noch in der Entwicklung und gilt als die derzeit modernste und bodengestützte Version einer Lenkwaffe, die bei einer ballistsichen Lenkflugkörperabwehr zum Zuge kommen könnte. Allerdings steht auch die schiffsgestützte und ameriakanische Standard Missile 3 (SM3) zur Verfügung, die in der Lage ist (wäre), anfliegende Raketen in der Luft mit einem Direkttreffer zu zerstören. Dies Variante eines seegestützten Abwehrsystems ist in Deutschland noch nicht diskutiert worden. Die Fregatte 124 Sachsenklasse ist in der Lage die SM3 zu verschiessen und verfügt heute schon über eine entsprechende Radartechnologie, die nur entsprechend modernisiert/angepasst werden müsste.
Ob es überhaupt zu einer Modernisierung im Rahmen eines TLVS-Programms in der Bundeswehr kommt ist sehr fraglich und muss abgewartet werden. Vor dem Hintergrund einer vier Mrd. Euro teuren TLVS-Entwicklung dürfte dies ein fast unmögliches Unterfangen sein.
Nach den derzeitigen Planungen bleiben 12 Eeinheiten im Beschaffungsplan. Allerdings ist diese Zahl nur noch sympolisch zu sehen.
Lieber Thomas, so sehr ich Dein Fachwissen schätze, hier muß ich nun leider Einspruch erheben, da Dein Informant leider paar falsche Infos geliefert hat. Einmal die 1.000 km. Die Flugkörper bzw. Raketen, die durch MEADS bekämpft werden können, dürfen durchaus eine Reichweite von weit über 1.000 km haben, zwischen 1.500 und 1.800 km kann hier als Maßstab genommen werden. Der PAC-3 MSE hingegen hat eine Reichweite von deutlich unter 1.000 km, etwa die Hälfte, wenn überhaupt. Wobei beide Höhen gerade in Bezug auf die Iskander ja keine Rolle spielen, die bleibt in ihrer Flugphase weit unter 100 km und hat eine Reichweite von weniger als 500 km. Der zweite Punkt betrifft den Doppelpulsmotor. Dieser verbessert vor allen Dingen die Manövrierfähigkeit in der Endphase, damit hier eben kein Gleiten vorherrscht. Diese hohe Manövrierfähigkeit in der Endphase ist das Besondere der PAC-3 MSE und spielt eben auch bei der Iskander die entscheidende Rolle, nicht die Reichweite. Und schließlich die Beschaffungsfrage, wobei mich die hier genannten Zahlen stark an das Papier des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik aus dem Jahr 2005 erinnern (http://www.dgap.org/midcom-serveattachmentguid-cb8598c4cebf11da89fb8d4e2743af4daf4d/DGAP-Analyse_MEADS.pdf). Von zwölf MEADS-Einheiten spricht doch heute kein Mensch mehr, höchstens von einer stückweisen Auswechslung, bei der die Systeme Patriot und MEADS für sehr lange Zeit parallel laufen werden. Wobei die Frage auch ist, wie werden die Einheiten definiert. Schließlich sind die bisherigen Einteilungen ja nur für die Testphase, durch das modulare System können sie beliebig zusammengestellt werden. Ich denke daher, es werden auf alle Fälle Teile von MEADS beschafft. Wie es mit dem ganzen System ausshieht, da könnte Geopowers Recht haben.
Einspruch, Euer Ehren!
Das alle großen militärischen Beschaffungsprogramme ihren preislichen Rahmen in der Vergangenheit sprengten, wissen wir alle seit der europäischen Entwicklung des Jagdbombers MRCA TORNADO. Das einzige derzeit laufende transeuropäische Programm mit der amerikanischen Industrie, dessen Umfang über der Milliardengrenze liegt, ist MEADS. Der technologische Kernpunkt des Programms ist, neben der Lenkwaffe, das Radargerät, welches leistungsstärker als vergleichbare Luftraumüberwachungsradare sind. An dieser Radartechnologie ist insbesondere die amerikanische Armee interessiert, die ein derartiges System derzeit nicht zur Abwehr von ballistischen Lenkflugkörpern hat. das Radarsystem muss sehr genau sein, mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen, klassifizieren und unter hohen Störeinflüssen erfassen können. Die MEADS-Radartechnologie stammt zu großen Teilen aus Deutschland. Genauer von der EADS in Ulm. Das Radarsystem kann später, vorausgesetzt dieses wird auch in Serie gebaut, auch auf Schiffen oder anderen Trägern eingesetzt werden. Die USA verfügen nicht über die technische Fähigkeit ein derartiges und leistungsfägiges Radarsystem selber zu konstruieren.
Aus politischen Gründen dürfte das MEADS-Programm, welches unter den heutigen wahrscheinlichen Bedrohungsszenarien eine eher untergeordnete Rolle spielt, nicht fallen gelassen werden auch wenn der Abgeordnete Jürgen Koppelin ein entschiedener Gegner dieses Projekts ist.
Ebenso könnte die Deutsche Marine auf das U-Boot 212 A verzichten, denn der Taliban kämpft nicht auf See. Da Koppelins Wahlkreis Kiel ist, wird sich dieser nicht gegen die Belange der HDW-Werft stellen, die diesesn U-Bootstyp bauen.
Zurück zu MEADS. Der Beschaffungsgang ist (lieder noch) nicht eingeleitet und die Entwicklung dauert an. Doch die USA haben schon mehrere MEADS-Flugkörper in der Entwicklung oder gar fertiggestellt. PATRIOT MSE ist vor wenigen Wochen verschossen worden. Dies ist die leistungsstärkte PATRIOT.
12 Nationen haben die PATRIOT in unterschiedlichen Systemausführungen. Doch hier die Fakten Euer Ehren: Alle diese Staaten warten derzeit auf eine mögliche Kampfwertsteigerung des Systems, welche dann auf die kommenden 25 Jahre ausgelegt ist, um Bedrohungen abzuwehren. Und diese Bedrohungen, angefangen von Marschflugkörpern, ballistischen Lenkwaffen und so weiter nimmt zu. Immer mehr Staaten geraten in den Besitzt von weitreichenden Lenkwaffen, die heute schon Europa erreichen. Und starfverschärfent kommt hinzu, dass Europa noch nicht einmal einen flächendeckenden Schutzschirm hat, um sich im Falle eines Angriffes effektiv zu wehren. Das Risiko sollten wir nicht eingehen. Oder wollen wir wieder mit der Aktentasche herumlaufen und diese als mobiles und leichtes Deckungschild verwenden, um uns gegen ballistische Lenkwaffenagriffe zu schützen?
Der Schutz gegen solche Angriffe, auch wenn diese heute noch unwahrscheinlich erscheinen ist kostspielig und er wird noch teurer, wenn wir nicht bald beginnen uns eine Abwehrfähigkeit zuzulegen. Noch teuer wird es, wenn erst einmal eine Rakete eingeschlagen ist. Selbst wenn diese Rakete nur geringen Sachschaden in Berlin anrichtet, wenn sie dort einschlägt, wird es eine Massenpanik geben, wenn der Angreifer zum Beispiel über Internet behauptet, da waren radioaktive Stoffe im Sprengkopf enthalten. Massenpanik würde den Industriestaat Deutschland lahmlegen. Wie schnell wird die Politik und die Öffentlichkeit dann eine Abwehrstrkutur gegen solche Angriffe fordern? Sehr schnell, dies ist sicher.
Hier ein interessanter Beitrag zum Sachstand MEADS aus dem Newsletter Verteidigung, Ausgabe 20, den ich empfehle zu lesen. Dann kann man auch mitreden.
>> Nach Angaben des BMVg werden die Mehrkosten für Deutschland maximal 246 Mio. €betragen. In Konkurrenz zu MEADS wird nun ein Upgrade des Systems PATRIOT diskutiert, bei dem die Gesamtkosten nach Angaben des amerikanischen Herstellers Raytheon weit unter denen von MEADS liegen würden. Hierbei soll es sich nach Angaben
des Handelsblattes um eine, so wörtlich, »extrem schnellere, billigere und risikoärmere« Lösung handeln. Ob diese Lösung allerdings die anspruchsvollen Anforderungen der MEADS-Partner erfüllt, ist offen.
Und zu den Kosten von MEADS im Vergleich zu PATRIOT äußerte sich unlängst Gregory Kee, General Manager der NATO MEADS Management Agency (NAMEADSMA): »Wir gehen davon aus, dass die zukünftigen Produktionskosten für MEADS vergleichbar sind mit den
Kosten anderer Luftverteidigungs- und Flugabwehrsysteme. Darüber hinaus werden die voraussichtlichen Betriebs- und Instandhaltungskosten für MEADS nahezu um die Hälfte geringer sein als die Instandhaltungskosten für PATRIOT«.
In der aktuellen Debatte kommen die bislang bei der Entwicklung des Systems MEADS erzielten richtungsweisenden Ergebnisse oftmals zu kurz. Die am trinationalen Entwicklungsvorhaben MEADS beteiligten Unternehmen Lockheed Martin, MBDA Deutschland und MBDA Italien haben vier Jahre nach Beginn der Entwicklungsphase erhebliche Fortschritte hinsichtlich der Realisierung des Luftverteidigungssystems erreicht. Der Fortschritt im Programm wurde mittlerweile beiderseits des Atlantiks von Kundenseite anerkannt: Im März 2010 stellte der US-Rechnungshof (GAO – Government Accountability Office) in seinem Statusreport fest, dass die entscheidenden Technologien aller fünf
Hauptkomponenten der MEADS-Feuereinheit (Überwachungs- und
Feuerleitradar, Werfer, Nachladevorrichtungen sowie Führungs- und
Feuerleitzentrale) voll entwickelt sind. Deutschland, Italien und die USA haben diese bereits abgenommen. Auch das BMVg bestätigte in seinem Bericht zum Sachstand MEADS, dass das trinationale Programm »zeitlich und finanziell im Plan« liegt. Im Juni 2009 wurden die Kritischen Design Reviews (Critical Design Reviews oder kurz CDRs) auf der Ebene der Großgeräte, der Major End Items, erfolgreich abgeschlossen. 75 Prozent der CDRs sind bereits erfolgreich absolviert. Die damit verbundene
Freigabe der Hardware-Fertigung beziehungsweise Software-
Kodierung erfolgt planmäßig mit sehr guten Ergebnissen. Daneben wird bereits in allen Bereichen Hardware produziert und Software kodiert. Mit der Integration der Großgeräte (Multifunktions-/Feuerleitradar/Startgerät) für Testzwecke wurde begonnen. Im August 2010 wird der Abschluss der CDR-Phase erreicht.
MEADS ist derzeit das einzige vollwertige transatlantische
Entwicklungsprogramm innerhalb der NATO und hat entsprechenden
politischen Symbolcharakter. An dem Vorhaben ist Deutschland
mit 25,2 Prozent beteiligt. Die Industriekooperation zwischen
Deutschland, Italien und den USA führte deswegen zu den erwarteten positiven Ergebnissen, weil der vertraglich fixierte Austausch von Daten und Informationen zwischen den Partnern unter Wahrung von Sicherheitsgesichtspunkten gelang. Vor allem haben die USA frühzeitig eingewilligt, eigene Technologien, etwa zum PAC-3-Effektor und zum Multifunktions-/Feuerleitradar (MFCR) freizugeben.
Technologietransfer erweist sich so als eine der tragenden
Säulen des MEADS-Vorhabens und stellt die Chance zur erfolgreichen Weiterführung des Vorhabens zur Schaffung einer integrierten Luftverteidigung der NATO dar.
Die Arbeitspakete, die der deutschen Industrie zugeordnet sind, umfassen Arbeiten zu allen Aspekten des Systems (System Engineering)sowie weitere Entwicklungsarbeiten in den kritischen Bereichen Führungs- und Waffeneinsatzsystem, Werfer (Gesamtverantwortung)und Effektor. Dies hilft der deutschen Industrie, den technologischen Anschluss an die USA zu halten und auf Augenhöhe mit den USA zu bleiben und an der zukünftigen Generation von Luftverteidigungssystemen beteiligt zu sein.
In der Natur von modernen Luftverteidigungssystemen liegt die
Tatsache begründet, dass diese zumeist technisch komplex sind und
daher lange Planungs-, Entwicklungs- und Einführungsphasen durchlaufen, bis diese als Systeme mit langen Lebensdauerzyklen dem militärischen Bedarfsträger bereitstehen. Somit hatte sich das Konzept einer Aufteilung des Entwicklungsvorhabens in zwei Phasen, der CDR-Phase und der Post-CDR-Phase, als sinnvoll herausgestellt.
Letztere beinhaltet die verbleibenden Entwicklungs-, Integrations und Testaktivitäten des Design & Development (D&D)-Vertrages sowie zusätzliche Leistungen, die auf Wunsch der Kunden erbracht werden sollen. Die am Entwicklungsprogramm MEADS beteiligten Unternehmen führen die Arbeiten auf der Grundlage des existierenden Entwicklungsvertrages planmäßig fort. Somit gilt als sicher, dass ein Verzicht auf die Fortführung des trinationalen Entwicklungs- und Beschaffungsvorhabens besonders für Deutschland Konsequenzen nach sich ziehen würde.
MEADS ist Bestandteil einer künftigen integrierten
Luftverteidigung der NATO
Trotz der Forderungen des Koalitionspartners FDP im letzten
Entwurf der jüngsten Koalitionsvereinbarungen, das Vorhaben aufzugeben, hält die Luftwaffe als künftiger Nutzer des Systems entgegen, dass es eine militärische Notwendigkeit gebe, das Vorhaben in den kommenden Jahren zu realisieren. Zwar wird von Kritikern des öfteren der Vorwurf eingebracht, dass das technologische Konzept des Systems MEADS auf die Bekämpfung von ballistischen Flugkörpern mit einer Reichweite von lediglich 1.000 km beschränkt bleibt.
Dazu ist jedoch zu sagen, dass MEADS wegen der leistungsfähigen
Radare und der Reichweite des Abwehrflugkörpers auch ballistische
Mittelstreckenraketen mit Reichweiten von deutlich über
1.000 km in der unteren Abwehrschicht abwehren kann. Zudem
könnten die Radare nach einer Modifikation so vernetzt werden,
dass Detektionsreichweiten erzielt werden, die auch für eine Abwehr in der oberen Abfangschicht ausreichend sind. Dazu müsste lediglich über die MEADS Plug & Fight-Schnittstelle ein entsprechender Abwehrflugkörper für die obere Abfangschicht integriert werden, was die entsprechende Erweiterung der Feuerleitfunktion im Führungs und Waffeneinsatzsystem einschließt. Neueren Untersuchungen zufolge erscheint im unteren Abhaltebereich, wo MEADS in der aktiven Flugkörperabwehr am wirkungsvollsten eingesetzt werden kann, eine Direkttrefferwahrscheinlichkeit von über 85 Prozent und
eine Zielzerstörwahrscheinlichkeit von nahezu 95 Prozent bei einem Doppelverschuss von MEADS/PAC-3 MSE (Missile Segment
Enhancement) als realistisch.
Mit dem bereits am 18. Februar 2010 erfolgten Testverschuss eines
Abwehrflugkörpers PAC-3 MSE auf der White Sands Missile
Range in New Mexico (USA) wurde ein weiterer wichtiger Meilenst ein für das Projekt MEADS erzielt. Bei diesem Erprobungsschießen
wurde ein taktischer ballistischer Flugkörper erfolgreich bekämpft.(!)
Der MSE-Lenkflugkörper verfügt im Vergleich zum PAC-3 CRI
(Cost Reduction Initiative) über ein Doppelimpulstriebwerk, das
ihm eine größere Reichweite, verbesserte Flugeigenschaften und
eine deutlich höhere Manövrierfähigkeit im Endanflug verleiht. Als Weiterentwicklung von PAC-3 CRI kann PAC-3 MSE somit auch
zur Bekämpfung derzeitiger und künftiger Luftbedrohungen, die
sich durch eine hohe Agilität auszeichnen, eingesetzt werden. Die
gesteigerte Leistungsfähigkeit des MSE-Lenkflugkörpers kann nur
mit den im Vergleich zu anderen Systemen leistungsstärkeren und
reichweitengesteigerten Radarsensoren voll ausgenutzt werden. Um
die nötige Präzision für ein direktes Abfangmanöver zu gewährleisten, enthält der MSE-Lenkflugkörper daher einen aktiven Puls-Doppler-Radarsensor. So wird sichergestellt, dass MEADS aus großen Entfernungen anfliegende Flugkörperbedrohungen detektieren, klassifizieren, von Täuschkörpern unterscheiden und wirksam bekämpfen kann. Gregory Kee sagte hierzu: »Der durchgeführte Nachweis zur Bekämpfung taktischer ballistischer Raketen mit PAC-3 MSE ist ein entscheidender Meilenstein für das MEADS-Programm. Das Erprobungsschießen hat gezeigt, dass PAC-3 MSE die technischen Voraussetzungen für den Einsatz in Verbindung mit MEADS erfüllt.
MEADS nutzt den MSE-Flugkörper als Hauptbewaffnung. Der Test ist
damit auch ein weiterer wichtiger Schritt zum erfolgreichen Abschluss der Kritischen Design Reviews des MEADS-Programms auf Systemebene«.
Aus veröffentlichten Informationen hinsichtlich der Manövrierfähigkeit in Verbindung mit dem geringen Radarquerschnitt von ballistischen Flugkörperbedrohungen wie dem russischen System SS-26 ISKANDER wird angenommen, dass der gegenwärtig eingeführte PAC-3-Effektor unter der Führung des PATRIOT-Feuerleitradars Probleme aufweisen würde, Bedroher dieses Typs zu bekämpfen.
Mit der Weiterentwicklung des PAC-3-Effektors zur Rüststufe
PAC-3 MSE, die ein verbessertes Raketentriebwerk für eine höhere
Querbeschleunigungsfähigkeit aufweist, wird sichergestellt, dass
der Abfangpunkt in größeren Höhen liegen wird als bei eingeführten Systemen, also dort, wo ballistische Flugkörper wie die SS-26 ISKANDER ihre volle Manövrierbarkeit noch nicht zu entfalten vermögen.
MEADS deutlich leistungsfähiger als PATRIOT
Eine durch das Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für
Auswärtige Politik (DGAP) erarbeitete Analyse[1] stellt heraus, dass MEADS voll vernetzbar in eine umwölbende Struktur aus zusätzlichen Sensoren und Effektoren eingebettet über die (erforderlichen) Effektivitätsmultiplikatoren, etwa bei der Entdeckung, Voreinweisung,Zielvermessung und im Sensorverbund, verfügen wird, die den eigentlichen Unterschied zwischen MEADS und PATRIOT in der Leistungsfähigkeit ausmachen. Um den von MEADS allein abgedeckten Schutzbereich verteidigen zu können, so die Studie weiter, würde das bisher genutzte System PATRIOT die vierfache Systemanzahl benötigen.
Aufgrund der höheren Leistungsfähigkeit könnten entsprechend
weniger Systeme als beim derzeit genutzten System PATRIOT
(heute noch 24 Feuereinheiten) beschafft werden. Die derzeitigen
Beschaffungsplanungen sehen zwölf Feuereinheiten mit 216 PAC-3
MSE-Flugkörpern und 504 Zweitflugkörpern (IRIS-T SL/Surface
Launched) vor.
MEADS wird letztlich das System PATRIOT ersetzen und mit
IRIS-T SL als Zweitlenkflugkörper ein vernetztes Kräftedispositiv
herstellen. Letzterer wird weiteren Risiken entgegenwirken, welche von der Bedrohung durch taktische und substrategische/strategische aerodynamische Angriffswaffen, so genannte Cruise Missiles, ausgehen.
Die Proliferationsentwicklung bei solchen Waffensystemen
kann heute als bedenklich bewertet werden. Der Iran hat beispielsweise in den 1990er Jahren eine kleine Anzahl sowjetischer Marschflugkörper aus dem Bestand der Ukraine bezogen, die leicht nachgebaut werden können. Diese Marschflugkörper haben eine Reichweite, die den ballistischen Mittelstreckenraketen vergleichbar ist und Massenvernichtungswaffen tragen können. Zu deren Abwehr sind prinzipiell nur Luftverteidigungssysteme für die untere Abfangschicht wie zum Beispiel MEADS geeignet. Die Bedrohung, welche durch solche Offensivwaffen ausgeht, ist der Öffentlichkeit bislang aber weitgehend verborgen und vorenthalten geblieben.
Darüber hinaus werden in der Debatte zwei Szenarien mit zunehmend
größerer Relevanz für die Bundeswehr vollkommen ausgeblendet:
der Einsatz von MEADS im Rahmen der NATO-Bündnisverteidigung
und der Schutz eigener Kräfte in Auslandseinsätzen, wenn andere
verfügbare Verteidigungssysteme dazu nicht oder nicht mehr
in der Lage sind. Zwar sind die Kapazitäten der bodengebundenen
Luftverteidigung bei der Luftwaffe derzeit nur auf eine eingeschränkte
Bekämpfung von Punktzielen in der unteren Abfangschicht durch
Nutzung des Systems PATRIOT PAC-2/PAC-3 zugeschnitten, jedoch
wird mit der Einführung des Systems MEADS davon ausgegangen,
dass sich dieses als die künftig wichtigste Komponente einer
integrierten Luftverteidigung dadurch auszeichnen wird, dass es
sich problemlos in eine vernetzte Systemarchitektur aus modernsten Führungs- und Informationssystemen einbinden lässt und die Bekämpfung von so genannten »Leakers« (Flugkörper, die den höheren Abhaltebereich durchbrochen haben) ermöglichen wird.
Außerdem wird MEADS dazu beitragen, das Fähigkeitspotenzial in
einem weiteren entscheidenden Transformations-Fähigkeitsbereich,
nämlich der strategischen Mobilität, über die die Bundeswehr
heute nicht oder nur teilweise verfügt, signifikant zu verbessern.Durch die Befähigung zur 360 Grad-Rundumverteidigung und zur Bekämpfung von taktischen ballistischen Flugkörpern sowie
durch die Verlegefähigkeit im Lufttransport und durch wesentliche
Kostenvorteile im Betrieb bietet MEADS unbestreitbare
Vorteile gegenüber anderen Luftverteidigungssystemen. Mit diesen
Leistungsmerkmalen gilt MEADS als eines der leistungsstärksten
Luftverteidigungssysteme weltweit. Im Rahmen der künftigen
Erweiterten Luftverteidigung eingesetzt, wird somit kein anderes
System der bodengebundenen Luftverteidigung durch die mögliche
Einbindung weiterer Sensoren und Effektoren über ähnliche
Integrationsmöglichkeiten in die Vernetzte Operationsführung
(NetOpFü) verfügen wie MEADS.<<
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