Am Freitag stellte Wassilis Aswestopoulos von Telepolis fest, dass während die türkische Diplomatie zum Ärger der USA einen Iran-freundlichen und Israel-feindlichen Kurs einschlägt, sich das bisher traditionell Palästinenser-freundliche Griechenland mit Israel verbündet. Seit vergangener Woche ist das finanziell angeschlagene Griechenland mit Israel verbündet. Die Israelis, einst enger Partner des griechischen Lieblingsfeinds, der Türkei, wollen zusammen mit den Griechen Rüstungsprojekte, Farmen und alternative Energiequellennutzung betreiben.
Der griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou II., der gleichzeitig auch Aussenminister ist, stellte eine Reihe von Projekten vor, auf die man sich in erstaunlich kurzer Zeit wohl geeinigt hat und die eine ziemliche Bandbreite abdecken. Man werde gemeinsam Innovationen in den Bereichen alternativer Energiequellen, der Landwirtschaft und auch im Bereich der Sicherheit vorantreiben. Dafür werde man eine gemeinsame Kommission gründen, die die Zusammenarbeit strategisch vorantreiben werde. Das kann man schnelle Ergebnisse nennen, das Abschied nehmen von der Türkei sieht bei Israel so stark nach zerrissenem Betttuch aus wie bei Griechenland die Hinwendung zu Israel wie die späte Entdeckung der wirklichen Liebe. Dabei mag auch der Umstand eine Rolle spielen, das den Israelis der Luft-Übungsraum Türkei verloren geht, der jetzt wohl durch den griechischen ersetzt wird.
Die Nutzung erneuerbarer Energiequellen ist eines der Wahlversprechen Papandreous, das bisher noch nicht umgesetzt werden konnte. Die Suche nach Rüstungsgütern gehört trotz finanzieller Schieflage zu den Lieblingsbeschäftigungen griechischer Politiker, wie wir von den zahlreichen Versuchen wissen, sich hinsichtlich des Kaufes deutscher U-Boote zu einigen. Bei der Agrarwirtschaft hoffen die Griechen, die ihre Landwirtschaft mit System heruntergewirtschaftet haben, vielleicht auf israelische Fähigkeiten, die immerhin selbst der Wüste einen gewissen Ertrag abgetotzt haben.
Benjamin Netanjahu seinerseits setzt wohl als erster Ministerpräsident Israels, der Griechenland besuchte, auf diplomatische Hilfe, um die etwas festgefahrene Kommunikation hinsichtlich des Palästinenserproblem's zumindest wieder in's trudeln zu bringen.
Das ist alles umso erstaunlicher, als der Name Papandreou bisher für eine pro-arabische Politik stand. Schon der Vater des jetztigen Ministerpräsidenten war zeitlebens ein Gegner der Anerkennung Israels durch Griechenland. Und auf der anderen Seite hätten die Voraussetzungen für den augenblicklichen Kuschelkurs auch nicht schlechter sein können, machten die Israelis doch selbst gemeinsame Militärmanöver mit den Türken und bedachten sie mit Rüstungstechnologie.
Man sieht also, was so ein einzelnes Schiff so alles auslösen kann, verbunden mit einem gerüttetem Maß an Egozentrik und Unvernunft. Am 31. Mai erstürmten die Israelis Gaza-Hilfskonvoi-Schiffe. Auf dem unter türkischer Flagge fahrenden Schiff "Mavi Marmara" wurden – nach türkischer Ansicht - unbewaffnete und in internationalen Gewässern fahrende Seeleute von israelischen Kommandotruppen getötet. Wir haben die Reaktion von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan noch im Ohr, der von "Staatsterror" sprach und umgehend die Beziehung zu Israel aufgrund des "Verbrechens gegen die Menschlichkeit" abbrach. Die folgende Diskussion war an Pikanterie kaum noch zu übertreffe, warfen die Isaelis doch in deren Verlauf der Türkei vor ein Besatzer zu sein, die Rede ist von Zypern.
Wie es nun weitergehen soll ist vielen unklar, ist doch Griechenland in seiner manischen Geldnot bislang im wesentlichen durch arabische Investoren davon gekommen. Bleiben diese, oder sind sie jetzt versäuert. Wir werden es abwarten müssen, denn eine wirkliche Prognose wagt kaum jemand und wenn, dann ist eher Kaffeesatz-Leserei.











Nun, diese Projekte kosten alle ausnahmslos viel Geld, das weder Griechenland, noch Israel (welches selbst ohne die großzügigen Spenden aus den USA und der EU, vor allem aus Deutschland, nicht zurecht kommen würde) besitzt. In Deutschland diskutiert man, aus Geldmangel, über die Einstellung von sicherheitspolitisch notwendigen Rüstungsprojekten und diese beiden Nehmerländer sprechen über neue Rüstungsprojekte. Ein schlechter Witz. Oder?
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