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PR im BMVg

PR-"Dienst"-Hoheit: nachblättern

Die Öffentlichkeitsarbeit (ÖA) des Bundesverteidigungsministeriums steht schon sehr lange in der Kritik. Bestes Beispiel sind die vergangenen (grausigen) vier Jahre. Ex-Pressesprecher Thomas Raabe hatte intensiv gelernt (siehe Vita), dass ÖA schlicht Vorgesetzten-Marketing zu sein hat; jede dem Glanz des Ministers nicht dienliche Info muss ge-orwellt werden.

Den neuen (und vom Minister bestallten) Leiter des "Presse- und Informationsstabes des BMVg", Steffen Moritz, hat sein Stellvertreter, Kapitän zur See Christian Dienst (von Raabe bestallt, unvergessen in seinen ÖA-"Künsten" seit dem Tod des Marinesoldaten Samuel Scheffelmeier), gleich zu Amtsbeginn ein "Friendly Fire" beschert, das zumindest gewöhnungsbedürftig ist.

In seinem (undatierten) Rundschreiben an "die Leiter der Presse- und Informationszentren" der Presseorganisation der Bw erklärt KzS Dienst seinen Kameraden und Kollegen:
  Im zweiten Satz:
"Bundesminister der Verteidigung Karl-Theodor zu Guttenberg legt persönlich grossen Wert auf Transparenz - auch und gerade in schwierigen Bereichen - und unterstützt eine entsprechende Informationsarbeit. ("Wir stellen uns!")."

  Im "letzten" Satz stutzt er die persönliche Wertschätzung der Transparenz des Ministers kräftig:
"In einem Satz: Neue Transparenz ja, aber nicht zu Lasten von Schutz, Führungsfähigkeit und Erscheinungsbild."
(was natürliche eine Frage der "Dienst-lichen" Interpretation ist).

Weil wir das Bundesverfassungsgericht über alle Bundesorgane mögen, zitieren wir gern ellenlang aus der Entscheidung "BVerGE 44, 125 - Öffentlichkeitsarbeit" des Zweiten Senats vom 2. März 1977:
"Eine verantwortliche Teilhabe der Bürger an der politischen Willensbildung des Volkes setzt voraus, dass der Einzelne von den zu entscheidenden Sachfragen, von den durch die verfassten Staatsorgane getroffenen Entscheidungen, Massnahmen und Lösungsvorschlägen genügend (?!) weiss, um sie zu beurteilen, billigen oder verwerfen zu können. Auch dazu vermag staatliche Öffentlichkeitsarbeit einen wesentlichen Beitrag zu leisten. Je mehr der Einzelne auf diese Weise zur eigenen Beurteilung aufgerufen und in ihm das Bewusstsein wachgehalten wird, als selbstverantwortliches Glied der Rechtsgemeinschaft die Gestaltung, Ausformung und Konkretisierung der für alle verbindlichen Rechtsordnung zu beeinflussen und an den grundlegenden politischen Entscheidungen beteiligt zu sein, um so leichter wird es ihm, den vom Grundgesetz verfassten Staat, der ihm diese Möglichkeiten eröffnet, als seinen Staat anzunehmen."

Wenn Öffentlichkeitsarbeit immer als so "kriegsentscheidend" dargestellt wird, ist es an der Zeit, dass der Dienstherr noch einmal nachblättert.

{Gerade im Herbst ist die Zeit, nachzublättern}
 

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Weitere Artikel

  • Wenn man, wie Verteidigungsminister Freiherr zu Guttenberg derzeit, mit Lob überschüttet wird, sollte man rechtzeig dafür sorgen, dass das so bleibt. Es ist wie im Krieg - man muss seine Truppen so "aufstellen", dass man in den Gefechten siegt (oder zumindest keine Niederlage erleidet); der Krieg endet spätestens nach 4 Jahren.

  • Sorry, wir haben gestern in Bonn richtig Arbeitszeit verloren, was aber nicht heisst, dass es sehr schön war.

    Deshalb heute nur ein kurzer Hinweis auf eine 3-teilige Studie, die der grosse Meister Anthony H. Cordesman beim CSIS aufgelegt hat, über die "Uncertain Lessons" der U.S.-Kriege in Afghanistan und dem Irak:
    http://csis.org/publication/shape-clear-hold-and-build-uncertain-lessons-afghan-iraq-wars (im Text sind die Links zu dem Dreiteiler "verborgen").

  • Die gestrige Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem U.S.-Parlament darf man schon als gelungene Werbeveranstaltung für die "Mittelmacht" Deutschland betrachten, so man überhaupt auf eine gewisse Reputation beim amerikanischen Bündnisführer Wert legt:
    http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Rede/2009/11/2009-11-03-rede-merkel-usa.htm l

    Wenige Randnotizen erlauben wir uns:

  • Seit gestern liegt die 10-seitige "Ressortübergreifende Entscheidungsgrundlage zur Mandatsverlängerung und vor der internationalen Afghanistan-Konferenz" vor, die AA, BMVg, BMI und BMZ für die Bundesregierung mit dem Titel "Afghanistan. Auf dem Weg zur 'Übergabe in Verantwortung'" abgezeichnet haben: http://www.bundesregierung.de/Content/DE/__Anlagen/2009/11/2009-11-18-dokument-afgha nistan,property=publicationFile.pdf 

  • 10 Arbeitsgruppen haben die Koalitionsverhandler gebildet, um den Koalitionsvertrag mit konkreten Politik-Zielen für die nächsten vier Jahre zu unterfüttern; der Bereich Verteidigungspolitik ist u.E. dabei nicht vertreten (es gibt 14 "Fachminister") (siehe Nachtrag).

    Muss ja auch nicht, denn die einzige (vordergründige) Ideologie-Frage zwischen CDU/CSU und FDP ist die der Wehrpflicht; sie kann man mit einer charmanten Formulierung aushebeln.