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Von wegen Wahrheit und Klarheit

Rainer Arnold (MdB) zur "Grundsatzrede" des Verteidigungsministers

Zur selbsternannten Grundsatzrede von Verteidigungsminister zu Guttenberg erklärt der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Rainer Arnold:

 Gestern hat Verteidigungsminister zu Guttenberg vor hohen Offizieren an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg eine selbst erklaerte "Grundsatzrede" gehalten. Es sollte nicht nur um die Sparzwänge seines Ressorts gehen, die durch das astronomische Haushaltsdefizit notwendig geworden sind. Nein, es sollte um Grundsätzliches gehen: Um Mut, um Opferbereitschaft, um die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte. Um die Wehrpflicht und den Auftrag der Bundeswehr. Um Mittel, Fähigkeiten und Strukturen. Und natürlich um notwendige Einsparungen. Lässt man all die hehren Worte, die militärgeschichtlichen Zitate beiseite, bleiben als Essenz der Rede drei Punkte übrig:

 

  •  Die bisherige Kategorisierung der Streitkraefte in Stabilisierungs- Unterstuetzungs- und Eingreifkräfte lässt sich angesichts der Realitäten der Einsätze nicht mehr durchhalten,
  • Kleine Standorte sind nicht wirtschaftlich
  • Umfang und Strukturen der Bundeswehr werden verändert.


Das hilft nicht weiter. Was ist denn ein kleiner Standort, fragen sich nervöse Bürgermeister. Will er die Wehrpflicht jetzt abschaffen, fragt sich die FDP? Mit dem Entwurf des neuen Wehrrechtsgesetzes wurden bereits Fakten geschaffen, die mit seiner Analyse überhaupt nicht übereinstimmen. Durch die Verkürzung auf W 6 werden die Wehrpflichtigen für die Bundeswehr nur teurer, sie hat aber nichts von ihnen. Das passt nicht zusammen.

Wo will er konkrete Sparmassnahmen ansetzen, welche Investitionen will er streichen? Wo bleiben grundsätzliche Anmerkungen zur neuen NATO-Strategie; zu Rolle der EU mit ihrer gemeinsamen Aussen- und Sicherheitspolitik? All das kann man doch nicht isoliert betrachten.

Nein, was als Grundsatzrede angekündigt wurde sind nichts als verschwurbelte, hohle Phrasen mit geringer Aussagekraft. Die Fragen seines Hauses sind richtig, aber sie sind nicht neu. Wir fordern seit zweieinhalb Jahren, die Streitkräftekategorisierung zu verändern, weil sie nicht mehr mit der Realität übereinstimmen.

Von wegen Wahrheit und Klarheit: Es fehlen alle Antworten, wohin die Reise geht. Daraus lässt sich nur der Schluss ziehen: Der Minister ist kein Akteur, sondern nur ein Getriebener von Sparzwängen.

Weitere Artikel

  • Zu Meldungen, nach denen Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg einen Truppenabbau um 100.000 Mann und die Aussetzung der Wehrpflicht plant, erklären der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Gernot Erler und der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Rainer Arnold:

  • Zur heutigen öffentlichen Anhörung über das Wehrrechtsänderungsgesetz 2010 erklären der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Rainer Arnold und der stellvertretende verteidigungspolitische Sprecher Hans-Peter Bartels:

  • Jammern und Lamentieren hilft ja nichts, denn die Wehrpflichtdauer wird ab 1. Januar 2011 sechs Monate betragen.

    Auf www.bundeswehr.de wird Verteidigungsminister Freiherr zu Guttenberg mit einem Bronzesatz zitiert:
    "Wir müssen Strukturen schaffen, die den Nutzen - für den Einzelnen, - aber auch für die Truppe schaffen. Das wird uns viel Kreativität abverlangen."

  • An seinem ersten Arbeitstag wird Verteidigungsminister Freiherr zu Guttenberg (FzG) sich eingestehen müssen, dass er nicht 100 Tage Schonfrist für sich beanspruchen kann, denn im Dezember steht die Verlängerung des Bw/AFG-Mandats durch den Bundestag an. 

  • Natürlich darf keine "Sicherheitspolitik nach Kassenlage" die Reform grundlegender Strukturen der Bundeswehr bestimmen.

    Nachdem sich Schwarz-Gelb zu einer Reduzierung der Dauer des Wehrdienstes durchgerungen hatte, wird nun bereits über die Abschaffung der Wehrpflicht debattiert.