Die immer weiter um sich greifenden Aufstände in nordafrikanischen und arabischen Ländern bringen Probleme mit sich, für Regierungen und Firmen. Aktuell ist besonders Libyen betroffen, wie man einer breiten Berichterstattung entnehmen kann. So saß gestern Abend eine österreichische Bundesheer-Maschine, die 60 EU-Bürger - darunter 25 Österreicher - aus Libyen ausfliegen sollte, am Flughafen von Tripolis fest. Der gesamte Luftraum über der libyschen Metropole sei gesperrt worden, teilte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Michael Bauer, am Montagabend der APA mit. Mehrere Staaten schickten Evakuierungsflugzeuge nach Tripolis. Ein Beamter des ägyptischen Aussenministeriums erklärte, alleine auf dem Landweg hätten rund 4000 Ägypter das Land verlassen. Zwei Ägypter seien in Libyen erschossen worden. Die ägyptische Armee teilte mit, die Grenze zu Libyen sei für jeden, der aus Libyen fliehen wolle, geöffnet. Gehandelt hat auch Russlands Präsident Dmitri Medwedew, der die Behörden beauftragte, über Wege nachzudenken, wie die russischen Bürger aus dem nordafrikanischen Land in die Heimat gebracht werden können. Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu und der Chef der Staatsbahn RZD, Wladimir Jakunin, seien angewiesen worden, die Evakuierungsmöglichkeiten detailliert auszuarbeiten. Davor hatten der russische Energiekonzern Gazprom und
die RZD den Abzug des Personals aus Libyen angekündigt. Nach Angaben der Reiseveranstalter halten sich gegenwärtig Dutzende russische Urlauber in Libyen auf.
Auch die Europäische Union denkt offenbar darüber nach, EU-Bürger aus dem nordafrikanischen Land auszufliegen. Es gebe eine "Koordinierung" bei der Frage, ob EU-Bürger möglicherweise in Sicherheit gebracht werden sollten. Das betreffe besonders EU-Bürger in der Stadt Benghazi, wo Sicherheitskräfte in den vergangenen Tagen wiederholt gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen waren. Der französische Europaminister Laurent Wauquiez sagte hingegen, "im Moment gebe es keine direkten Bedrohungen", die es nötig machten, die rund 750 in Libyen lebenden Franzosen auszufliegen. Angesichts der blutigen Unruhen in Libyen verlassen ausländische Unternehmen in Scharen das Land - und die Türkei sorgt sich um ihre Bürger. Siemens zieht rund 100 Mitarbeiter ab. Der Elektronikkonzern organisiere derzeit die Ausreise der Ausländer, die in Libyen beschäftigt seien. Auch der Energiekonzern RWE flog Mitarbeiter und Angehörige aus. Zwei Gruppen seien am Wochenende zurückgekehrt, nachdem der Versorger die Abreise empfohlen habe, sagte eine Sprecherin der Öl- und Gasfördertochter RWE Dea. Eine Kernmannschaft halte den Betrieb in der Niederlassung in der Hauptstadt Tripolis aufrecht. Der größte italienische Energiekonzern Eni rief ebenfalls einen Teil seines Personals zurück. In den nächsten Tagen sollen die Familienangehörigen von Angestellten des Energieunternehmens aus Gaddafis Land ausgeflogen werden. Die BASF-Tochter Wintershall kündigt an, etwa 130 Personen aus Libyen nach Deutschland zurückzubringen. Die Öl-Produktion soll heruntergefahren werden. Der britische Ölkonzern BP stellt seine Geschäfte vor Ort hingegen ein. BP bereitet eigenen Angaben zufolge auch die Evakuierung von Mitarbeitern vor. Der japanische Öl- und Gas-Konzern JX Nippon Oil & Gas Exploration hat seinen Bürochef aus Libyen nach Hause beordert. Andere Mitarbeiter seien bereits außer Landes.
Nicht nur Probleme mit Staatsbürgenim Ausland, sondern mit ganzen Stützpunkten, haben die USA. Die Unruhen in Arabien stellen das US-Militär vor Probleme. Die Bürgerproteste in Bahrain und im Jemen stellen die USA vor ein weiteres, schwer zu überwindendes außenpolitisches Dilemma in der Region. Auf der einen Seite hält das Weiße Haus an der grundsätzlichen Unterstützung für die Demokratiebewegung in der arabischen Welt fest. Auf der anderen Seite steht unausgesprochen die Befürchtung im Raum, die Proteste könnten die strategischen Interessen der USA gerade in diesen beiden Ländern empfindlich beeinträchtigen. In Bahrain unterhält Washington seinen wichtigsten Flottenstützpunkt im Nahen Osten. Im Jemen könnte eine Destabilisierung des autokratischen Regimes von Präsident Ali Abdullah Salih den Kampf gegen die Terrorgruppe al-Qaida erschweren, sieht die Süddeutsche Zeitung in die Zukunft, die dort Zuflucht gefunden hat. Tatsächlich bereitet die Lage in Bahrain den USA Sorgen gleich in zweierlei Hinsicht. Die amerikanische Militärplanung setzt fest auf den Stützpunkt auf dem Inselstaat im Golf. Hier befindet sich das Hauptquartier der 5. US-Flotte, die mindestens eine Flugzeugträgergruppe und eine Flotteneinheit mit Landungstruppen im Golf im Einsatz hat. Zudem sind in Bahrain vier Minenräumboote stationiert, die im Falle einer Krise die Straße von Hormus freihalten sollen, durch die die Öltransporte aus den Golfstaaten gehen. Erst im vergangenen Mai begannen die Bauarbeiten für eine 580 Millionen Dollar teure Erweiterung des Flottenstützpunkts. Bei den gegenwärtigen Protesten gegen die Regierung sind die US-Soldaten bisher kein Thema. Dennoch haben die USA Sorgen, dass die Präsenz ihrer Kriegsschiffe ein Stein des Anstoßes werden könnte. Der Militärexperte Michael O'Hanlon von der Brookings Institution warnte, eine 'Revolution in Bahrain könnte unter dem Banner der Demokratie gekapert werden, um den Interessen einer nicht-demokratischen Regionalmacht wie Iran zu dienen'. Falls eine schiitische Gruppierung die Macht in Bahrain übernehme, sei nicht auszuschließen, dass sie Anweisungen aus Iran folge.










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