Skip to main content

Rückkehr vom Hindukusch

Bemerkenswerte ZDF Doku

Kam gestern Nacht, ziemlich spät. Für alle, die es nicht registriert haben: sehenswert. Einfach am Ende auf den Link zur ZDF Mediathek. Sie haben gekämpft. Sie haben getötet. Sie haben Schlimmes erlebt und gesehen. Daniel, Patrick und Stephan waren Soldaten in Afghanistan. Kameraden in einer eingeschworenen Gemeinschaft, Fallschirmjäger aus dem niedersächsischen Seedorf. 25 junge Männer, die ihren Kopf hinhielten, wenn es am Hindukusch gefährlich wurde. Am Karfreitag dieses Jahres haben sie einen Kampf verloren. Ihre Kameraden Robert, Nils und Martin sind dabei gefallen. Getötet von der Taliban. Daniel, Patrick und Stephan haben überlebt. Sie scheiden aus der Bundeswehr aus, dürfen zurück nach Hause. Für sie beginnt ein neues Leben.

Patrick, 29 Jahre alt, will jetzt Fachkraft für Sicherheit werden. Daniel, 24 Jahre, hat eine Ausbildung zum Berufsfeuerwehrmann begonnen. Stephan, genannt Keule, ist 23 Jahre alt und geht zurück in seinen alten Betrieb, als Brücken- und Betonbauer. "Afghanistan wird man nicht mehr los. Das ist immer drin im Kopf", sagt Patrick. "Aber man denkt nicht ständig daran, was am Karfreitag passiert ist." Alle drei haben einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, werden von ihrem Umfeld aufgefangen.

Im April waren sie gemeinsam auf der Trauerfeier in Selsingen, um ihren gefallenen Freunden Robert, Nils und Martin das letzte Geleit zu geben. "Sie haben ihr Leben verloren, weil sie im Namen ihres Vaterlandes, der Bundesrepublik Deutschland, für uns tapfer und mutig ihren Dienst in Afghanistan geleistet haben. Ich habe die Tränen der heimkehrenden Kameraden gesehen, die mit im Gefecht waren und ihre Gefallenen nach Hause brachten", sagte Verteidigungsminister zu Guttenberg auf der Trauerfeier.

Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes 2002 hat die Bundeswehr 43 tote Soldaten zu beklagen. Getötet in einem Krieg, der lange nicht so heißen durfte. Mit Afghanistan wird man nicht populär. Angela Merkel sagte bei der Trauerfeier für die gefallenen Soldaten vom Karfreitag: "Die meisten Soldaten nennen es Bürgerkrieg oder einfach Krieg. Ich verstehe das gut." Mehr sagte die Bundeskanzlerin nicht, obwohl viele der deutschen "Afghanistan-Veteranen" gerne mehr gehört hätten.

Wie verarbeiten die Rückkehrer den Tod ihrer Kameraden? Wie lebt jemand weiter, der mit diesen Erfahrungen nach Hause zurückkehrt? Wie geht die Politik mit dem Tod der Gefallenen um?

Film von Mathis Feldhoff, Uli Gack und Andreas Huppert. Foto: ZDF

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1185412/Der-Krieg-bleibt

Jetzt kommentieren:

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen

Weitere Artikel

  • Bei einer Buchpräsentation in Berlin räumte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg Fehler im Zusammenhang mit dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan ein. "Der Einsatz wurde von Beginn an verharmlost", sagte der Minister. Es sei verständlich, dass sich Soldaten vor Ort ärgerten, wenn der Krieg als "bewaffneter Konflikt" und Gefallene als "getötete Soldaten" bezeichnet würden.

    Er selber sei an der Verharmlosung beteiligt gewesen, so Guttenberg.

  • Wer es nicht zufällig gehört hat. Die Kollegen vom Deutschland Radio haben sich mit einem Programm beschäftigt, das in Dänemark aufgesetzt wurde, um den Heimkehrern aus dem Afghanistan-Krieg die Wiedereingliederung ins Alltagsleben zu vereinfachen. Für einen Soldaten in einem Kampfgebiet erhöht die permanente Kampfbereitschaft die Überlebenschancen. Zurückgekehrt in die Heimat ist ein solches Verhalten eher gefährlich.

    In Dänemark gibt es daher ein dreimonatiges Vollzeit-Nachbetreuungsprogramm, das Afghanistan-Heimkehrer auf den heimischen Alltag vorbereiten soll.

  • Die Lage der Sicherheit in Afghanistan verschlechtert sich nach Angaben von Hilfsorganisationen zusehens. Obwohl gerade zusätzliche US-Truppen im Land eintreffen, ist Afghanistan gefährlicher denn je. Die internationalen Hilfsorganisationen berichten, dass unbewaffnete Kräfte der Regierung heute in über 30 Prozent der 368 Distrikte nicht mehr sicher einreisen könen und manche werden selbst von bewaffnetene Kräften gemieden.

  • Brandenburg schickt keine weiteren Polizisten mehr zum Einsatz nach Afghanistan. Das erklärte in Potsdam der Sprecher des Innenministeriums, Ingo Decker.  Innenminister Rainer Speer habe im Februar dieses Jahres entschieden, keine weiteren Polizeibeamten des Landes Brandenburg mehr nach Afghanistan zu entsenden. Hintergrund dieser Entscheidung des brandenburgischen Innenministers ist die Erklärung des Bundesaußenministers vom 9. Februar 2010, wonach die Deutschen in Afghanistan an einem "bewaffneten Konflikt im Sinne des humanitären Völkerrechts" teilnehmen würden.

  • Nach dem Absturz des amerikanischen Transporthubschraubers vom Typ "Chinook" in Afghanistan gibt es neue Vermutungen.Nach mehreren Agenturen äußern sich immer mehr Vertreter westlicher Geheimdienste, dass man Hinweisen nachgehe, dass sich unter den afghanischen Soldaten an Bord ein Selbstmordattentäter befunden haben soll, der mit einer eingeschmuggelten Bombe den Hubschrauber zum Absturz gebracht.

    Bei dem Absturz kammen alle 30 amerikanischen und 7 afghanische Soldaten an Bord des Hubschraubers ums Leben.