Skip to main content

Sicherheitsbedrohungen in Friedensmissionen am Beispiel der Bundeswehr in Afghanistan

‚Sicherheit schaffen’ ist die ebenso verbreitete wie unspezifische Formel, mit der zumeist der Auftrag des Militärs in internationalen Friedensmissionen beschrieben wird.
Doch wie wird dieser in formalen Konzepten stets wiederholte Auftrag von den Ausführenden verstanden? Um diese Frage beantworten zu können, wird in der hier verlinkten Studie von Philipp Münch der Fall des deutschen ISAF-Einsatzes in Afghanistan auf breiter empirischer Grundlage untersucht. Zunächst werden dazu die Inhalte der Einsatzausbildung und danach die Erfahrungen von Soldaten in Afghanistan analysiert. Dabei zeigt sich, dass der politische Auftrag, zuvorderst den Aufbau eines legal-rationalen afghanischen Staates zu schützen, um damit zur ‚Sicherheit’ der Bevölkerung beizutragen, für die Bundeswehr eine deutlich geringere Priorität hat. Die Gründe hierfür liegen zum einen in der Problematik, mit konventionellen militärischen Mitteln und Verfahren gegnerische Gruppen klar zu identifizieren. Zum anderen sehen die Soldaten Widersprüche darin, den Auftrag gemeinsam mit als „korrupt“ wahrgenommenen Vertretern des afghanischen Staates zu erfüllen. Gleichzeitig existiert auch auf Seiten der deutschen politischen Führung die Erwartung, dass eigene Tote möglichst vermieden werden. Somit wird ‚Sicherheit’ zuvorderst auf Selbstschutz bezogen, selbst wenn zu diesem Zweck abgeschlossene informelle Abkommen mit lokalen Machthabern und anderen Intermediären das Ziel eines modernen Staatsaufbaus unterlaufen.

Philipp Münch, M.A., M.P.S., studierte Geschichte sowie Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg und war zuvor knapp drei Jahre Zeitsoldat.

Er ist derzeit Doktorand in der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen die Funktionslogik des modernen westlichen Militärs, Kriege außerhalb der OECD-Welt und militärische Interventionen. Er schreibt seine Dissertation über den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan.

http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/publ/AP2009-4.pdf