Das "Wall Street Journal" ist immer wieder gut für eine Überraschung. Demzufolge ist es dann auch wieder keine Überraschung, wenn das Blatt aktuelle meldet, dass in Afghanistan in den vergangenen Jahren mehr als 2,4 Milliarden Euro außer Landes gebracht wurden.
Ein vom "WSJ" zitierter S-Ermittler sagte, ein Teil des Geldes stamme vermutlich aus Hilfs- und Wiederaufbauprojekten, die der Westen finanziert. Jedes Jahr wird aus Kabul mehr Geld ausgeflogen, als die afghanische Regierung im ganzen
Land an Steuern und Zollabgaben einnimmt.
So gesehen ist es fast in doppelter Hinsicht keine Überraschung, wederr, dass die Kollegen die Infos haben, noch, dass es passiert, denn scheinbar gilt in Afghanistan: "sind wir nicht alle ein bisschen korrupt!" Unter den Verdächtigen sind laut "Wall Street Journal" viele prominente Afghanen, unter anderem Mahmud Karzai, ein Bruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, und Vizepräsident Mohammed Fahim. Warum überrascht uns das auch nicht?
Das Geld wird den US-Ermittlern zufolge in bar aus dem Land gebracht - dem Vernehmen nach in Kisten. Da kommt einem doch ein alter Liedtext in den Sinn: "Hab die Taschen voller Geld". Doch ehrlich: "Hab die Kisten voller Geld" ist besser. Der afghanische Zoll schaut zu, denn die Ausfuhr ist legal, solange der Transfer ordentlich deklariert wird. Zielort ist häufig Dubai.
Das ganze soll auf auf Hawala Unternehmen beruhen. Das Hawala-Finanzsystem (arabische Herkunft: Wechsel, hindu: Vertrauen; auch der moderne Begriff Avalkredit bezieht sich darauf) ist ein weltweit funktionierendes informelles Überweisungssystem, das seine Wurzeln in der frühmittelalterlichen Handelsgesellschaft des Vorderen und Mittleren Orients hat. Es wurde bereits im Jahr 1327 vom Rechtsgelehrten Abu Bakr b. Mase-ud al–Kasani als Institut des islamischen Rechtes dargestellt. Es ist nicht Teil des seit den 70er Jahren entwickelten islamischen Bankwesens. Mit dem Hawala-System kann Geld schnell, vertraulich und sehr kostengünstig transferiert werden.
Funktionsweise
A übergibt Geld an X und nennt ihm den Code; Der Code wird unabhängig voneinander an B sowie M mitgeteilt; B nennt gegenüber M das Codewort, woraufhin M weiß, dass B rechtmäßiger Empfänger ist und ihm das Geld aushändigt. Hawala basiert hauptsächlich auf Vertrauen. Eine Person A, die Geld an eine Person B transferieren will, muss dem „Hawaladar“ (Händler), dem sie das Geld übergibt, vertrauen. Person B muss andererseits ihrem Hawaladar vertrauen. Zudem dient ein zwischen A und B vereinbarter Code zur Authentifizierung gegenüber dem Hawaladar. Bei diesem Code kann es sich z. B. um ein Wort oder um Zahlen handeln.
Insofern ähnelt das System stark den auf Geschwindigkeit ausgelegten Auslandsüberweisungssystemen von Western Union und MoneyGram, mit dem Unterschied, dass bei Hawala X und M voneinander unabhängig handelnde Personen sind, wohingegen bei den Banksystemen jeweils die Bank sowohl die Rolle von X als auch von M übernimmt.
Es beruhigt zu wissen, dass die Menschen, die Fördermittel für Projekte unterschlagen, sich zumindest untereinander vertrauen.










Jetzt kommentieren: