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Wandel der Bundeswehr

Zu wenig Freiwillige?

Deutschland Radio bezeichnet in einer vor kurzem ausgestrahlten Sendung die Bundeswehrreform als eine herkulische Aufgabe, für die die Bundeswehr vor allem eines braucht: politische Ruhe und den Rückhalt aller wesentlichen Parteien. Daran allerdings fehlt es nach Ansicht des Senders. Die Unruhe wird hineingetragen auch von altgedienten Militärs, die die vorgesehenen Kommandostrukturen scharf kritisieren. Im Kern geht es um die Stellung des Generalinspekteurs der Bundeswehr darin. Die Kritik freilich sei unberechtigt. Denn die Vorschläge, die Verteidigungsminister zu Guttenberg jetzt gemacht hat, betonen in viel präziserer Weise als bisher den Umstand, dass die Bundeswehr der politischen Weisung untersteht und ihre Eigenständigkeit, wie es der gegenwärtige Generalinspekteur Wieker richtig sagt, ihre "Grenze findet im Wesen einer parlamentarischen Demokratie." Auch in der neuen Kommandostruktur wird die Bundeswehr ihre Aufgaben bestens erfüllen können, wenn alle anderen Voraussetzungen stimmen.

Die Reform aber könnte aber an ganz unerwarteter Stelle scheitern: Sie hängt, da nun die Berufsarmee kommen soll, vollständig davon ab, dass die Bundeswehr als Arbeitgeber attraktiv genug ist. Danach sieht es gegenwärtig allerdings gar nicht aus. Denn die Oppositionsparteien haben - den Sturz des bisher allzu glänzenden Ministers zu Guttenberg fest im Blick - den Ruf der Bundeswehr und ihrer Kommandeure heftig beschädigt, haben nach Kundus, der Briefaffäre und den Vorfällen auf der Gorch Fock Einzelereignisse verallgemeinert. Das Image der Bundeswehr ist durch all das, auch durch die neueste und von ihm selbst zu verantwortende Affäre um zu Guttenberg, auf niedrigem Stand. Da ist es schwer, junge und gut ausgebildete Menschen für den Dienst als Soldat zu gewinnen, zumal die alternativen Angebote der Wirtschaft zunehmend attraktiver werden. Ab Jahresmitte sollen die Freiwilligen eingestellt werden, 15.000 sollen es jedes Jahr sein. Erste Ergebnisse in Baden-Württemberg und Bayern zeigen, dass die Zahl bei Weitem nicht erreicht werden wird. Die Bundeswehr also, von Auszehrung bedroht? Es wird Zeit, dass die Bundeswehr innerlich befriedet, dass die Reform umgesetzt und der parteipolitische Streit beendet wird. Andernfalls droht der ganzen Nation ein substanzieller Großschaden. Die aktuellen Werbespots in Radiosendern, die als Zielgruppe Jugendliche hat allein werden keine Abhilfe schaffen. Zudem genügt der Blick auf Nationen, die bereits eine Berufsarmee haben, dass dort viel für die Anwerbung getan wird und dass man teilweise gezielt in Wohngebiete geht, die nicht unbedingt für die Upper class stehen. Unser Wachbataillon sucht derweil schon mal Soldaten per Stellenanzeige.

Als wäre nichts gewesen: Karl Theodor zu Guttenberg legt seinen Doktortitel ab und darf Minister bleiben. Das ist nur eine Fußnote in seiner Traumkarriere. Sicher, keinen interessiert es mehr. Der Guttenberg wird sich noch Bundeskanzler. Das spricht viel für die Kultur in unserem Lande.

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