Seit der Ankündigung Präsident Obamas, die amerikanischen Truppen in Afghanistan um 30.000 Militärangehörige zu verstärken und im Juli 2011 mit einem Abzug zu beginnen, sind etwas mehr als sechs Monate vergangen. Nun wachsen in den Vereinigten Staaten die Zweifel an dem Erfolg der Truppenaufstockung und an dem Zeitplan, berichtet aktuell die nzz. Das wurde an einer Reihe von Anhörungen vor Ausschüssen des Kongresses sichtbar.
Verteidigungsminister Robert Gates, der Vorsitzende der Vereinten Stabschefs, Admiral Mike Mullen, sowie General David Petraeus, der Kommandant der amerikanischen Streitkräfte im Mittleren Osten, mussten sich dabei vor Senatoren und Abgeordneten rechtfertigen, die angesichts der im November bevorstehenden Kongresswahlen sowie der zunehmenden Zahl von Todesopfern und Verwundeten Sorge um ihr politisches Überleben haben. Das gilt vor allem für Demokraten, die bisher nahezu geschlossen
hinter der Politik des Präsidenten gestanden haben, aber auf schnelle Erfolge warten, die sich vor allem im Süden Afghanistans bisher nicht eingestellt haben.Gates und Mullen forderten die Politiker auf, Geduld und Verständnis zu zeigen. Sie wiesen darauf hin, dass von den angekündigten 30 000 zusätzlichen Militärangehörigen erst 20.000 in Afghanistan im Einsatz seien und die neue Strategie erst seit wenigen Monaten verfolgt werde. Der Chef des Pentagons beklagte sich über die Berichterstattung der Medien und die Reaktionen in Washington, die er als zu negativ bezeichnete. «Wir sind dabei, die Initiative zurückzugewinnen», sagte er und wies auf Fortschritte am Hindukusch hin.
Gates und Mullen räumten allerdings ein, dass der Angriff auf die Taliban-Hochburg Marja im Süden des Landes zwar militärisch erfolgreich verlaufen sei, dass aber der Aufbau ziviler Behörden mehr Zeit erfordere als erwartet. Sehr viele Fragen der Kongresspolitiker bezogen sich auf den Beginn des Truppenabzuges im Juli kommenden Jahres, mit dessen Ankündigung der Präsident sich die Zustimmung der Demokraten zu seinen Plänen gesichert hatte. Der Zeitplan war allerdings von Anfang an auf
den Widerstand der Republikaner gestossen. Nach deren Ansicht signalisiert der Termin den Taliban, dass sie die Entwicklung einfach abwarten könnten. Senator John McCain argumentierte erneut, dass ein solches Signal den Feind ermutige und die Erfolgsaussichten vermindere.
General Petraeus, der bei einer der Anhörungen vor laufenden Kameras einen Schwächeanfall erlitt und vorübergehend aus dem Saal geleitet werden musste, äusserte seine volle Unterstützung für den Zeitplan des Weissen Hauses. Zugleich war er aber wie Gates und Mullen darum bemüht, den Termin zu relativieren. Die Militärvertreter erklärten, dass mit dem Abzug nur begonnen werden könne, wenn die politischen und militärischen Entwicklungen im Lande das erlaubten. Auf die Frage nach den konkreten Bedingungen dafür antwortete Petraeus, die Behörden in Kabul müssten funktionsfähig sein und die afghanischen Sicherheitskräfte in der Lage, zur Stabilität beizutragen. Andernfalls werde er eine Verschiebung des Abzuges empfehlen.










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